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Kontrolle aus der Vogelperspektive

Syna GmbH überprüft Hochspannungsnetze per Helikopter – 1300 Masten in einer Woche – Wetterbedingungen müssen stimmen

Regelmäßig muss das Hochspannungsnetz der Syna GmbH kontrolliert werden. Meter für Meter wird es abgeflogen. Für Pilot und Kontrolleur heißt das vor allem: Volle Konzentration. Denn die Leitungen stehen unter Strom.

Mit bloßem Augen kontrolliert Bernd Stöhr die Leitungen, während Pilot Marc Fischer die Trasse Meter für Meter abfliegt. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Mit bloßem Augen kontrolliert Bernd Stöhr die Leitungen, während Pilot Marc Fischer die Trasse Meter für Meter abfliegt. Fotos: A. Becher

Von Silke Latzel

WAIBLINGEN/PLEIDELSHEIM. Ganz langsam steuert Marc Fischer immer näher an den Strommast heran. Für den Helikopterpiloten ist das ein echter Balanceakt, denn je näher er an die Leitungen und den Mast fliegt, desto einfacher ist es für Bernd Stöhr, zu erkennen, ob dort alles in Ordnung ist. Zu nah darf Fischer den 110000-Volt-Leitungen allerdings auch nicht kommen, denn sie werden während der Kontrolle nicht abgeschaltet, sondern stehen voll unter Strom. So beträgt der Abstand etwa fünf bis zehn Meter.

In regelmäßigen Abständen kontrolliert die Syna GmbH ihr gesamtes Netzgebiet aus der Luft. Das hat den Vorteil, dass auch Schäden gesehen werden können, die vom Boden aus nicht oder schwer zu entdecken sind. „Nur so erhalten wir ein vollständiges Bild unserer Netze“, erklärt Kontrolleur Stöhr. Dabei achtet er auf viele verschiedene Details: Wie ist der Zustand der Masten? Ist der Sicherheitsabstand zwischen Bäumen, Gebäuden und Leitungen gewahrt? Und sind Leitungen eventuell beschädigt?

Piloten müssen mindestens 1000 Stunden Erfahrung haben

Sollte Stöhr etwas entdecken, wird der Schaden nach Priorität eingestuft: Die Kategorien 1 bis 3 bedeuten, dass an einer einzelnen Leitung ein sogenannter Seilschaden entstanden ist. Wenn eine oder zwei „Adern“ an einem solchen Seil abstehen, wird dem Schaden eine niedrige Prio zugeordnet. Prio 2 etwa wird vergeben, wenn nur eine Ader beschädigt ist und absteht, bei zwei bis drei abstehenden Adern bekommt der Schaden die Prioritätsstufe 3. Sollten mehr Adern abstehen oder zwei der 35 Einzeldrähte, die eine Leitung bilden, beschädigt sein, verzeichnet der Kontrolleur eine Störung, die sofort beseitigt werden muss. Die niedrigste Kategorie, Prio 1, ist dann im Gegenzug zum Beispiel ein Nest, das Vögel auf einer der Traversen gebaut haben. „Solang da nichts runterhängt, besteht keine Gefahr. Dann lassen wir die Nester auch an Ort und Stelle, vermerken das aber und beobachten die Situation.“

Sollte ein Nest dann doch einmal stören, muss es entfernt werden. „Besonders im Rhein-Main-Gebiet haben wir oft mit Storchennestern Probleme, das war im vergangenen Jahr schon fast eine Plage“, erzählt er lachend. „Wir versuchen dann, sie zu vergrämen, aber der Storch ist zäh und kommt immer wieder zurück.“ Auch die Umsiedelungen der Nester auf alte Holzmasten wird versucht – immer in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Nabu. Im Neckar- und Rems-Murr-Gebiet gibt es allerdings weniger Probleme mit Störchen als vielmehr mit Raben, Krähen und Falken, die „gerne ganz vorne in den Spitzen der Traversen nisten“. Gefährlich für die Vögel ist das Nisten dort nicht, „sie spüren schon ganz genau, dass auf den Leitungen Strom ist“, so Stöhr.

In der Regel ist der Helikopter bei den Kontrollflügen mit drei Personen besetzt: ein Pilot, ein Kontrolleur und ein Protokollant, der in einem Formular dokumentiert, in welchem Zustand die Masten und Leitungen sind. Die Piloten müssen mindestens 1000 Flugstunden Erfahrung „an der Leitung“ mitbringen, denn die Sicherheit der Beteiligten ist das Wichtigste. Fischer beispielsweise fliegt seit rund 25 Jahren. Sowohl Helikopter als auch Pilot gehören aber nicht zur Syna GmbH, sondern fliegen für die Meravo-Luftreederei Fluggesellschaft.

Fischer muss den Heli sehr feinfühlig steuern, mit maximal fünf bis 15 Stundenkilometern fliegt er an den Leitungen entlang, während Stöhr mit bloßem Auge die Leitungen kontrolliert – mittlerweile Routine für ihn, er braucht auch keine Hilfsmittel. Nur nach etwa zwei Stunden benötigt er eine Pause, um die Augen zu entspannen, denn die Kontrolle erfordert ein hohes Maß an Konzentration. In einer Stunde schafft das Team 60 Masten, 1300 sind es in dieser Woche im ganzen Gebiet der Syna, das nicht nur den Kreis Ludwigsburg und den Rems-Murr-Kreis umfasst, sondern sich „von Limburg bis Oberkirch erstreckt“, so Stöhr. Insgesamt werden in etwa 325 Leitungskilometer abgeflogen. Abhängig von der Wetterlage muss Fischer den 750 PS starken Helikopter nach etwa drei Stunden auftanken.

Leitungen und Masten sind zum größten Teil gut in Schuss

Apropos Wetter: „Drei bis vier Kilometer Sicht sollten wir schon haben“, so der Pilot. „Am besten ist blauer Himmel, da zeichnen sich die Leitungen gut ab, der Kontrast ist einfach perfekt“, ergänzt Stöhr. Wichtig sind zudem die Windverhältnisse. Und auch Regen wäre im Airbus-Helikopter, Modell AS350, der bei der Kontrolle derzeit genutzt wird, „ziemlich blöd, die Maschine hat nämlich keinen Scheibenwischer und da wir sehr langsam fliegen, fließt der Regen nicht von allein ab. Für den Kontrolleur ergibt das dann keinen Sinn, er sieht einfach zu schlecht“, erklärt Fischer.

Könnte die Kontrolle denn nicht eigentlich mittlerweile von Drohnen übernommen werden? Nein, sagt Stöhr und erklärt: „Das ist vor allem ein Genehmigungsproblem. Der Drohnenpilot dürfte seine Maschine ja nicht einfach fliegen lassen, sondern müsste mitlaufen. Und eine Trasse ist so zwischen 20 und 25 Kilometer. Das würde einfach viel zu lang dauern.“

Übrigens: Die bislang kontrollierten Leitungen und Masten sind „zum größten Teil gut in Schuss“, sagt der Fachmann. Es gebe wenige gravierende Mängel oder Störungen. Und er muss es ja wissen, schließlich hat er es mit den eigenen Augen gesehen.

Dachgeschosswohnung mit guter Aussicht: Strommasten sind beliebte Nistplätze für Vögel. Und solange die Nester solide gebaut sind und kein Material nach unten hängt, dürfen sie bleiben.

© Pressefotografie Alexander Beche

Dachgeschosswohnung mit guter Aussicht: Strommasten sind beliebte Nistplätze für Vögel. Und solange die Nester solide gebaut sind und kein Material nach unten hängt, dürfen sie bleiben.

Etwa fünf bis zehn Meter Abstand sind es zwischen Helikopter und der 110000 Volt starken Leitung. Diese steht auch während der Kontrolle voll unter Storm.

© Pressefotografie Alexander Beche

Etwa fünf bis zehn Meter Abstand sind es zwischen Helikopter und der 110000 Volt starken Leitung. Diese steht auch während der Kontrolle voll unter Storm.

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Erstellt:
7. Juni 2019, 11:30 Uhr

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