Geschäfte mit Drogenhändlern
Korrupter Staatsanwalt zu acht Jahren Gefängnis verurteilt
5.000 Euro pro Tat, Razzia verraten: Was der jetzt verurteilte Jurist zugegeben hat – und warum das Verfahren gegen ihn erst eingestellt und dann doch abgeschlossen wurde.
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Nach langem Prozess: Staatsanwalt wird wegen Geschäften mit einer Drogenbande verurteilt. (Archivbild)
Von dpa
Hannover - Ein korrupter Staatsanwalt aus Hannover muss nach Geschäften mit einer internationalen Drogenbande für acht Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Hannover verurteilte den 40-Jährigen nach einem langen Prozess wegen Bestechlichkeit und Verletzung des Dienstgeheimnisses. Der Jurist hatte Informationen aus Ermittlungsverfahren an die Drogenhändler weitergegeben und eine Razzia verraten.
Erst im Januar hatte der verurteilte Staatsanwalt in dem stockenden Verfahren und nach einem Verständigungsvorschlag der Strafkammer den Großteil der ihm vorgeworfenen Taten gestanden. Die Wendung kam überraschend - bis dahin hatte der Jurist die Vorwürfe stets bestritten. Ein wegen Beihilfe zur Bestechung angeklagter 42 Jahre alter Boxtrainer wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.
Staatsanwalt gesteht 9 von 14 Taten
Der 40-Jährige räumte 9 der 14 Taten aus der Anklage der Staatsanwaltschaft Osnabrück umfassend ein. Im Gegenzug wurden weitere Anklagepunkte ‒ unter anderem Strafvereitelung im Amt ‒ auf Antrag der Staatsanwaltschaft fallen gelassen. Ihm drohte daraufhin eine Strafe zwischen 8 Jahren und 2 Monaten sowie 8 Jahren und 9 Monaten.
Die Anklagebehörde hatte acht Jahre und sechs Monate Gefängnis gefordert. Der Mann habe dem Vertrauen in den Rechtsstaat schweren Schaden zugefügt, sagte der Anklagevertreter in seinem Plädoyer. Für den mutmaßlichen Mittelsmann, der 7 von 12 vorgeworfenen Taten gestanden hatte, forderte er ein Jahr und zehn Monate Gefängnis - ebenso wie dessen Verteidiger. Die Verteidiger des Juristen sprachen sich dafür aus, dass die Strafe acht Jahre und zwei Monate nicht überschreiten solle.
Jurist soll 5.000 Euro pro Tat kassiert haben
Dem Staatsanwalt wurde vorgeworfen, zwischen Juni 2020 und März 2021 gegen Geld Interna aus Ermittlungsverfahren preisgegeben und eine internationale Drogenbande vor einer Razzia gewarnt zu haben. Pro Tat, bei der er Drogenhändlern nach eigenen Angaben Informationen verkaufte, will er 2.500 Euro erhalten haben - laut Anklagebehörde waren es 5.000 Euro für jede Tat. Legal als Staatsanwalt verdiente er etwa 5.000 Euro im Monat.
Hinweise auf ein Leck in den Behörden gab es schon früh. Bereits 2022 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Staatsanwalt eingeleitet, seine Wohnung und seine Diensträume wurden durchsucht. Dieses Verfahren wurde im Oktober 2023 eingestellt, weil sich der Verdacht zunächst nicht erhärtete. Im Juni 2024 wurde das Verfahren wiederaufgenommen, im April 2025 begann der Prozess.
Der Anklagevertreter betonte, keine der verhandelten Taten betreffe die Einfuhr von 16 Tonnen Kokain, keine der weitergegebenen Informationen habe sich um den Rekordfund gedreht. Im Februar 2021 waren 16 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen entdeckt worden - ein Fund mit einem Marktwert von rund 448 Millionen Euro.
