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Krebsberatung im Klinikum

Neue Einrichtung in Winnenden geschaffen – Angebot für alle Rems-Murr-Bürger

Chef des Onkologischen Zentrums am Klinikum Winnenden: Markus Schaich. Archivfoto: E. Layher

© Edgar Layher

Chef des Onkologischen Zentrums am Klinikum Winnenden: Markus Schaich. Archivfoto: E. Layher

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN/WINNENDEN. Das Klinikum in Winnenden verfügt seit Kurzem über eine Krebsberatungsstelle. Die formal am 1. April eröffnete Einrichtung musste jedoch unter erschwerten Bedingungen starten: Infolge der Coronakrise konnte der Betrieb nicht wie geplant aufgenommen und weiter fortgeführt werden. Vielmehr muss mit der Wiederaufnahme der Beratungstätigkeit gewartet werden, bis sich die Lage normalisiert hat.

Im Sozialausschuss des Kreistags präsentierte Landrat Richard Sigel gestern die Neuerung. Es handelt sich im Land um die 14. Krebsberatungsstelle – wobei eine von ihnen, die in Stuttgart, zuletzt in eine finanzielle Schieflage geraten ist.

Sigel verwies darauf, dass die Einrichtung einer nationalen Entwicklung folgt und mit einer Förderung von bis zu 95 Prozent zu rechnen sei. Bislang gab es keine solche Einrichtung im Landkreis, aber es gab Bestrebungen anderer Beratungsstellen, an Rems und Murr Außenstellen zu etablieren. Das sollte mit der eigenen Gründung verhindert werden. Angestoßen wurde dieser Schritt von der Abteilung Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin, umgesetzt wurde das Vorhaben im Zusammenwirken mit dem Sozialdezernat im Landratsamt. Sigel: „Wir haben einen sehr guten Weg gefunden, indem wir die Stelle direkt bei der Klinik in Winnenden angedockt haben.“

Mit der Krebsberatungsstelle wurde, so erläuterte der Landrat, ein niederschwelliges Beratungsangebot geschaffen, das Bewohnern des Rems-Murr-Kreises offensteht, ob mit eigener Krebserkrankung oder als Angehörige. Fragen, Sorgen und Ängste können in der Anlaufstelle abgeladen und besprochen werden. Zudem gibt es dort Raum für spezifische Nachsorge von onkologischen Patienten der Rems-Murr-Kliniken sowie ambulanter Patienten. Wie Gabriele Keller, Leitung Patientenmanagement und Medizincontrolling im Klinikum Winnenden, im Ausschuss sagte, erstreckt sich die Beratung über alle Bereiche und Fragen im Zusammenhang mit Tumoren. Damit stelle die Einrichtung eine wichtige Verbindung zwischen der Klinik und den Patienten sowie der Bevölkerung dar und ergänze das Onkologische Zentrum.

Die anfallenden Kosten können zu einem stattlichen Teil von unterschiedlichen Stellen gefördert werden. Gesichert ist eine Beteiligung der gesetzlichen Krankenkasse und der privaten Krankenversicherung in Höhe von 40 Prozent. Einen Zuschuss über weitere 40 Prozent erhofft sich der Landkreis von der Rentenversicherung beziehungsweise der Bundesagentur für Arbeit. Die Entscheidung darüber fällt aber erst Ende des Jahres. Das Gleiche gilt für einen 15-prozentigen Zuschuss vom Land, auf den der Kreis hofft. Bei maximaler Förderung bleiben also an den Kliniken als Träger der Beratungsstelle noch fünf Prozent der Kosten hängen, im ungünstigsten Fall sind es 60 Prozent.

Ambulante Hilfe bei psychosozialen Fragen oder Problemen

Die Stelle soll Menschen helfen, die von der Diagnose Krebs betroffen sind – als ambulantes Hilfsangebot für psychosoziale Fragen oder Probleme. Die kostenlose Leistung steht allen Betroffenen aus dem Kreis in jeder Krankheitsphase offen, unabhängig von einer Behandlung in den Rems-Murr-Kliniken.

„Seit jeher verfolgt das Onkologische Zentrum das Ziel, Patienten mit Krebs im Heilungsprozess ganzheitlich zu versorgen“, betont Professor Markus Schaich, der Leiter des Onkologischen Zentrums am Rems-Murr-Klinikum Winnenden. „Umso mehr freue ich mich, dass wir unsere stationäre onkologische Versorgung mit einem ambulanten Angebot ergänzen können, das für alle zugänglich ist und eine auf den Einzelfall zugeschnittene Begleitung auch über längere Zeiträume hinweg leisten kann.“

Als Leiterin der Krebsberatungsstelle ist die Psychoonkologin Eliza Gmähle im Einsatz: „Die Diagnose Krebs ist oft eine große psychische Belastung und kann bei den Betroffenen schnell zu Unsicherheit in allen Lebensbereichen führen. Psychologische Begleitung oder soziale Hilfen sind deshalb neben der medizinischen Behandlung enorm wichtig, um nicht nur die Erkrankung selbst, sondern auch deren Folgen, beispielsweise im beruflichen oder im privaten Umfeld, gut zu bewältigen. Unsere erfahrenen Psychoonkologen und Sozialpädagogen bieten dafür professionelle Beratung, sorgen für Orientierung und vermitteln als Lotsen weiterführende Hilfsangebote.“

„Wir stärken mit der Krebsberatungsstelle nicht nur die sektorenübergreifende Versorgung, sondern verbessern für unsere Krebspatienten und andere Betroffene die onkologische Versorgung, die ja schon hervorragend ist“, erklärt Marc Nickel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken. Zudem hofft der Kreis, mit der Verzahnung von ambulantem und stationärem Sektor Patienten zu binden oder neu zu gewinnen. Gleichzeitig sollen Arztpraxen entlastet werden, wenn seitens der Betroffenen etwa sozialrechtliche Fragen aufgeworfen werden.

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Erstellt:
12. Mai 2020, 06:00 Uhr

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