Kreis steckt Fördergeld in Familienpatenschaften

Das Landratsamt Rems-Murr-Kreis will angesichts steigender Fallzahlen im Bereich Frühe Hilfen ein besonderes Unterstützungsprojekt beginnen.

Malen, spielen, basteln: Die Kinderbetreuung kann eine Form der Familienunterstützung sein, etwa wenn ein Arztbesuch ansteht. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

© Rainer Sturm / pixelio.de

Malen, spielen, basteln: Die Kinderbetreuung kann eine Form der Familienunterstützung sein, etwa wenn ein Arztbesuch ansteht. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Von Bernhard Romanowski

Rems-Murr. Offenbar war man im Bundesamt für Familien, Senioren, Frauen und Jugend mit Blick auf das Ende der Coronapandemie sehr optimistisch gestimmt, als das Programm „Aufholen nach Corona“ aufgelegt wurde. Denn von einem „nach Corona“ kann derzeit keine Rede sein. Das Programm kommt dennoch nicht zur Unzeit. Das Geld daraus wird gebraucht.

Um Kinder und Jugendliche bestmöglich zu unterstützen und Rückstände im Bereich Lernen sowie im Bereich soziale und emotionale Förderung nach der Coronapandemie schnell wieder aufzuholen, beschloss die Bundesregierung, für die Jahre 2021/2022 das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ ins Werk zu setzen. Mit diesem Programm stellt das Bundesamt zusätzliche Mittel für die Bundesstiftung Frühe Hilfen in Höhe von 50 Millionen Euro zur Verfügung. Im Rems-Murr-Kreis werden aus diesem Topf Fördermittel für das Familienpatenschaftenprojekt abgerufen.

Der Bereich Frühe Hilfen (für Familien mit Kindern im Alter bis drei Jahre) im Kreisjugendamt Rems-Murr verzeichnete im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Anstieg der Fallzahlen um 24 Prozent. Auffallend war hierbei, dass sich die Hälfte der Familien aus eigener Initiative gemeldet und daraufhin Unterstützungs- und Beratungsangebote in Anspruch genommen haben, wie die Fachstelle nun im zuständigen Ausschuss des Rems-Murr-Kreistags berichtete. „Anhand niedrigschwelliger Zugänge und lebensnaher Unterstützungsangebote kann das Projekt Familienpatenschaften dem aktuell steigenden Bedarf der Familien im Rems-Murr-Kreis entsprechen“, so die Fachmeinung.

Das Projekt des Kreises ziele darauf ab, Familien kostenfreie und niedrigschwellige Unterstützungsangebote zur Verfügung zu stellen. Wichtig sei hierbei, die Familien in ihrer Versorgerkompetenz zu stärken und Stressbelastungen zu mindern. „Deshalb setzt die Unterstützung durch Familienpatinnen und Familienpaten bei den Ressourcen der Familien an und fördert mithilfe eines wertschätzenden und vertrauensbildenden Umgangs das Selbsthilfepotenzial der Eltern“, so die Erläuterung des Kreisjugendamts.

Für die Familienpaten ist eine Aufwandsentschädigung vorgesehen

Mögliche Hilfestellungen bei der Alltagsbewältigung können beispielsweise die kurzzeitige Betreuung der Kinder (etwa bei Arztterminen oder Einkäufen), die Unterstützung im Haushalt oder auch die Anregung zur Gestaltung von Freizeitaktivitäten sein. Darüber hinaus fungieren die Familienpaten als Lotsen und begleiten die Familien, auch um weitere wichtige Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen. Dabei werden sie durch ein Netzwerk aus regionalen und überregionalen Kooperationspartnern unterstützt – die Rede ist hier beispielsweise von Ärztinnen und Ärzten, von freien Sozialorganisationen oder Familienzentren. „Ausgehend von einer zentralen Koordinierungsstelle im Kreisjugendamt wird ein flächendeckendes Netzwerk aus Projektstandorten aufgebaut“, so der Plan für das weitere Vorgehen.

Gerade im ländlichen Raum und in kleineren Ortschaften sei der Aufbau eines Projektstandorts eine Chance, den Familien wohnortnahe Unterstützung anzubieten. Für die Personen, die sich im Rahmen einer Familienpatenschaft engagieren, ist eine Entlohnung in Form einer Aufwandsentschädigung vorgesehen. An den einzelnen Projektstandorten wird eine Einsatzleitung die Einsätze der Ehrenamtler in den jeweiligen Familien koordinieren. Auch die Möglichkeit der Fallbesprechung und Supervision, also eine fachlich individuelle Beratung der Akteure, wird hier für die Familienpaten geschaffen. Die Koordinierungsstelle im Kreisjugendamt ist für die Akquise und Ausbildung der Familienpatinnen und -paten zuständig und entscheidet gemeinsam mit der Jugendhilfeplanung und den Kooperationspartnern über Projektstandorte. Das Konzept sieht eine enge Vernetzung zwischen den einzelnen Projektstandorten und unter den Ehrenamtlichen im Rems-Murr-Kreis vor.

Die jeweiligen regionalen Gegebenheiten sollen entsprechend berücksichtigt werden. „Anhand dieser Gesichtspunkte wird eine finale Konzeption für den Einsatz dieser Kräfte im Rems-Murr-Kreis erarbeitet“, so die Mitteilung aus dem Kreisjugendamt.

Zu den Projektkosten

Vollfinanzierung Der Rems-Murr-Kreis kann im laufenden Haushaltsjahr rund 51000 Euro, im Haushaltsjahr 2022 rund 128000 Euro zusätzliche Mittel über die Bundesstiftung Frühe Hilfen und das Programm „Aufholen nach Corona“ abrufen. Aus diesen Mitteln erfolgt eine Vollfinanzierung des beschriebenen Projekts. Es ergeben sich keine wesentlichen finanziellen Auswirkungen für den Kreishaushalt. Die Koordinierungsstelle kann über die Mittel der Bundesstiftung Frühe Hilfen von September 2021 bis Dezember 2022 finanziert werden. Die längerfristige Finanzierung ist demnach über die Bundesstiftung Frühe Hilfen möglich. Diese Option soll nach Evaluation des Projekts geprüft werden.

Keine Stellenmehrung Die Koordinierungsstelle hat den Umfang einer halben Vollzeitstelle. „Sie wird über eine bereits bestehende Projektstelle der Landkreisverwaltung abgebildet. Hierdurch kann das Projekt in ausreichender Weise personell begleitet werden, ohne dass hiermit eine Stellenmehrung verbunden ist“, heißt es dazu aus dem Landratsamt. Die Kosten der Stelle werden demnach ebenfalls aus den Projektmitteln getragen.

Zum Artikel

Erstellt:
15. Dezember 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Aufgrund der baulichen Voraussetzungen ist das Querlüften an der Backnanger Waldorfschule leicht zu bewerkstelligen und sehr effizient. Foto: A. Becher
Top

Stadt & Kreis

Großteil der Maskenatteste an Waldorfschule abgelehnt

In der Backnanger Waldorfschule prüft eine Delegation jeden Bescheid zur Maskenbefreiung auf Herz und Nieren. Eltern von 28 Kindern wollen eine Befreiung, nur drei kommen damit durch. Sieben Familien schicken ihre Kinder nicht mehr zur Schule. Die Schule erstattet Anzeige wegen Verletzung der Schulpflicht.