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Kreisbau baut 500 neue Wohnungen

Bilanzsumme des Unternehmens steigt auf über 250 Millionen Euro – 63 Wohnungen im Klinikareal Backnang sind bis 2020 fertig

Wohnraummangel ist eines der drängendsten Themen der Zeit. Diesen zu bekämpfen, hat sich die Kreisbaugruppe auf die Fahnen geschrieben. Und nicht nur das: Der neu geschaffene Wohnraum soll auch bezahlbar sein. Bis zum Jahr 2028 möchte die Kreisbau kreisweit 500 neue Wohnungen schaffen, davon immerhin 63 auf dem früheren Klinikareal in Backnang. Die Bilanzsumme der Gruppe beträgt für das Jahr 2018 mehr als 250 Millionen Euro.

Einer der Schwerpunkte des Engagements der Kreisbau ist das Areal des ehemaligen Krankenhauses Backnang. So baut die Kreisbau nicht nur in Kooperation mit der Baugenossenschaft Backnang 63 Wohnungen (oben links), sondern wird auch die Parkdecks sanieren und überbauen. Foto: F. Muhl

© Florian Muhl

Einer der Schwerpunkte des Engagements der Kreisbau ist das Areal des ehemaligen Krankenhauses Backnang. So baut die Kreisbau nicht nur in Kooperation mit der Baugenossenschaft Backnang 63 Wohnungen (oben links), sondern wird auch die Parkdecks sanieren und überbauen. Foto: F. Muhl

Von Matthias Nothstein

BACKNANG/WAIBLINGEN. Seit der Gründung der Kreisbaugesellschaft vor 70 Jahren beschäftigt sich das Unternehmen mit der Schaffung von ausreichend bezahlbarem Wohnraum. Nachdem die schlimmste Wohnungsnot in der Nachkriegszeit behoben war allerdings mit angezogener Handbremse. Bis vor zwei Jahren. Damals legte die Kreisbau zusammen mit dem Kreis ein Investitionsprogramm auf, das den Bau von 500 neuen Wohnungen zum Ziel hatte. Zwei Jahre später sehen sich Landrat Richard Sigel und Kreisbau-Chef Dirk Braune darin bestätigt, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Sigel: „Die Strategie für mehr bezahlbaren Wohnraum ist richtiger und wichtiger denn je.“ In der Konsequenz ist die Bilanzsumme von 108 Millionen im Jahr auf über 250 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen. Der Überschuss betrug im Vorjahr 700000 Euro, in diesem Jahr wird er auf 1,5 Millionen Euro steigen, vor allem aufgrund der Erlöse im Klinikareal Backnang.

Noch hat sich der Erfolg der Investitionsoffensive nicht in (Wohnungs-)Zahlen niedergeschlagen. Die Ausgangslage im Jahr 2017 waren 750 Wohnungen, bis Mitte dieses Jahres stieg die Zahl nur auf 752 Wohnungen. Aber das ändert sich demnächst gewaltig. Für 2022 sieht der Plan 1120 Wohnungen vor, für 2028 gar 1250 Wohnungen. Dabei liegt die Durchschnittsmiete der Wohnungen im Bestand derzeit bei 7,03 Euro pro Quadratmeter.

Nach und nach mehr Engagement im nördlichen Teil des Landkreises

Landrat Richard Sigel räumte denn auch ein, es habe den Anschein, „als hätten wir noch nicht viel geschafft.“ Aber schon Ende dieses Jahres soll die Anzahl der Wohnungen auf 830 steigen, „die Pläne sind jetzt voll in der Umsetzung.“ Sigel verteidigte auch nochmals die Entscheidung, das Areal des früheren Kreiskrankenhauses Waiblingen nicht für Erweiterungen des Landratsamts zu nutzen, „auch wenn die Pläne dazu schon weit entwickelt waren.“ Nun aber würden dort mehr als 230 Wohnungen entstehen, 80 davon unter der Federführung der Kreisbaugesellschaft. Von diesen 80 Wohnungen werden 42 öffentlich gefördert, 38 sind Eigentumswohnungen. Von den öffentlich geförderten Wohnungen (Miete liegt 33 Prozent unter dem Mietspiegel) hat die Stadt Waiblingen ein Belegungsrecht.

Zwar lag der Schwerpunkt des Engagements bislang historisch bedingt vor allem auf der Rems-Schiene, doch nach und nach baut die Kreisbau auch im nördlichen Teil des Rems-Murr-Kreises. So etwa auf dem Areal des bisherigen Kreiskrankenhauses Backnang. Dort entsteht derzeit ein modernes, nahezu autofreies Stadtquartier, in dem neben medizinischen Einrichtungen wie einem Pflegeheim oder dem Hospiz auch insgesamt 130 Wohnungen entstehen. 63 dieser Wohnungen baut die Kreisbaugesellschaft Waiblingen in Kooperation mit der Baugenossenschaft Backnang eG. Entstehen werden 26 Zwei-Zimmer-Wohnungen, 23 Drei-Zimmer-Wohnungen und 14 Vier-Zimmer-Wohnungen. Die Fertigstellung des Wohnraums ist für das kommende Frühjahr anvisiert. Die Wohnanlage der Kreisbau wird unterirdisch durch eine Tiefgarage mit 93 Stellplätzen verbunden sein.

Doch das ist nicht das einzige Engagement der Kreisbau in diesem Areal. In nächster Zukunft wird auch die in die Jahre gekommene Tiefgarage saniert, was Kosten im Millionenbereich zur Folge hat. Braune unterstreicht die Notwendigkeit dieser Maßnahme: „Die Parkplätze sind für das benachbarte Gesundheitszentrum und für das neue Quartier, das von uns bewusst autofrei gehalten wurde, von großer Bedeutung.“ Doch einfach nur die Parkdecks zu sanieren, das passt nicht in die Strategie der Kreisbau, die immer auch den Verbrauch von Baugrund im Blick hat. Deshalb ist geplant, die dann sanierten Parkdecks mit 50 Wohnungen zu überbauen.

Die Verbindlichkeiten der Kreisbaugruppe haben im vergangenen Jahr fast 200 Millionen Euro betragen. Da die Gesellschaft zu fast 95 Prozent dem Kreis gehört, trägt die Tochter auf diese Weise dazu bei, dass der Rems-Murr-Kreis jener mit der landesweit höchsten Verschuldung ist. Sowohl Sigel als auch Braune relativieren diesen Makel. Braune: „Im Grunde muss man diese Verbindlichkeiten von der Verschuldung abziehen, da es sich um rentierliche Schulden handelt.“ Laut Braune kümmern sich wenige Kreise so sehr um den sozialen Wohnungsbau. Dazu steht Braune auch mit Blick auf andere Konzerne. „Wohnen gehört nicht an die Börse“, so sein Credo.

Info
Alle Bewohner des Gebiets Schelmenholz müssen einmal umziehen

Zahlreiche Projekte der Kreisbaugruppe laufen derzeit im Landkreis auf Hochtouren. Eines der größten ist die umfassende Sanierung des Bestands im Winnender Gebiet Schelmenholz samt deutlicher Nachverdichtung. Unter anderem entstehen zahlreiche Ein- und Zwei-Zimmer-Appartments. Sie werden von Ärzten und Pflegern des benachbarten Klinikums sehr geschätzt. „Das ist ein klarer Wettbewerbsfaktor im Kampf um die besten Köpfe“, lautet die einhellige Meinung.

Im Zuge der Sanierung müssen alle Bewohner des Gebiets Schelmenholz einmal umziehen. Ihnen wird garantiert, dass sie auch die sanierten Wohnungen wieder zur alten Miete beziehen dürfen. So beträgt der Mietzins in diesem Gebiet zum Teil nur 6,70 Euro pro Quadratmeter. Die Zahl der Wohnungen steigt durch die Nachverdichtung von 100 auf 240. Trotzdem spricht Braune von einer „maßvollen Nachverdichtung“.

Im Berglener Ortsteil Rettersburg entsteht in naher Zukunft ein Mietwohngebäude mit integrierter Kindertagesstätte. Direkt daneben sind zwei Mehrfamilienhäuser geplant.

Das Thema Parkplätze lässt bei Landrat Richard Sigel die Adern schwellen. „Wir haben die Fehler der Vergangenheit auszuräumen“, erklärte er zum Beispiel im Hinblick auf die Parksituation bei der Rems-Murr-Klinik Winnenden. Es sei eigentlich klar gewesen, dass dort von Anfang an ein Parkhaus hätte gebaut werden müssen. Aber weil das den Kostenrahmen nochmals gesprengt hätte, wurde es weggelassen. Er kündigte an: „Wir werden in den nächsten Jahren dort massiv investieren müssen.“

Parken die Zweite: In wenigen Monaten wird mit einem Neubau in der Waiblinger Rötestraße der erste Baustein der Gesamtimmobilienkonzeption des Landratsamts realisiert. In dem Gebäude sollen einmal 170 Mitarbeiter des Landratsamts untergebracht werden, so etwa vom Gesundheitsamt, von der Kreispolizeibehörde und vom Ausländeramt. Parkplätze sind auch vorgesehen, aber nur für die Kunden. An die Adresse der Mitarbeiter gerichtet erklärte Sigel gestern: „Das Gebäude ist nur 800 Meter vom Bahnhof entfernt.“ Zudem gebe es Duschmöglichkeiten. Will heißen: Die Mitarbeiter sollen den ÖPNV nutzen oder mit dem Fahrrad kommen. Sigel zum Thema Klimaschutz: „Wir müssen auch auf dem Gebiet der Mobilität umdenken. Es reicht nicht, immer nur darüber zu reden, wir müssen es auch umsetzen.“

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Erstellt:
26. Juli 2019, 06:00 Uhr

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