Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine feiert 125-jähriges Jubiläum

Im März feiert der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine des Altkreises Backnang seine Gründung im Jahr 1898. Auf eine lange Geschichte kann der Verband zurückblicken, doch viele Veränderungen stellen die Ortsvereine aktuell vor große Herausforderungen.

Sehr aktiv ist der OGV Kirchberg an der Murr, wie hier im Jahr 2017 beim Schnittkurs auf eigenem Vereinsgelände. Archivfoto: Alexander Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Sehr aktiv ist der OGV Kirchberg an der Murr, wie hier im Jahr 2017 beim Schnittkurs auf eigenem Vereinsgelände. Archivfoto: Alexander Becher

Von Carolin Aichholz

Backnang. Bewegte Zeiten liegen hinter einem Vereinsverband, der bereits seit 125 Jahren existiert. Kriegen, Krisen und gesellschaftlichen Veränderungen hat der Kreisverband Backnang des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) getrotzt. Bereits im vergangenen Jahr erlebte der OGV sein 125-Jahr-Jubiläum; der Festakt wurde jedoch aus terminlichen Gründen um sechs Monate verschoben und soll nun am 10. März in der Festhalle in Sulzbach gebührend gefeiert werden (siehe Infotext).

Seinen 100. Geburtstag feierte der Kreisverband 1998 mit einer zweitägigen Ausstellung in der Stadthalle in Backnang. Die Stände wurden von allen zugehörigen Ortsvereinen und vielen Firmen der Umgebung gestaltet. „Das war ein großes Event“, sagt Gabriele Schön. Sie feierte zum Jubiläum ihren Einstieg als Geschäftsführerin des Kreisverbands. Wurden die Mitglieder der Obst- und Gartenbauvereine durch ausgebildete Kreisbaumwarte (heute heißen sie Obstbaufachberater) einst theoretisch und praktisch geschult, hat sich der Bedarf gewandelt. Nur sehr wenige Mitglieder betreiben den Obstbau inzwischen noch wirtschaftlich. Der Verband profitiert immer noch von der wichtigen Aufbauarbeit, die damals geleistet wurde.

Mittlerweile zählt der Kreisverband noch 14 aktive Ortsgruppen in seinem Wirkungsgebiet, das sich über den Altkreis Backnang erstreckt. „Darum haben wir Vereine von Weiler zum Stein bis Gaildorf“, sagt Gerhard Bollinger, der zweite Vorsitzende des Kreisverbands. Und Gabriele Schön ergänzt: „Gerade Gaildorf ist eine unserer aktivsten Gruppen. Der Verein ist relativ jung und dort hat sich ein engagierter Vorstand gefunden, der viele neue Veranstaltungen auf die Beine stellt.“ Kirchberg an der Murr sei ebenfalls ein sehr lebendiger Verein. „Der OGV hat sogar ein eigenes Vereinsheim“, sagt Gabriele Schön. Der OGV Sulzbach an der Murr feierte 2019 sein 50-jähriges Bestehen und könne ebenfalls ein sehr reges Vereinsleben vorweisen.

Landratsamt unterstützt den Verband

„Und wir arbeiten auch eng mit dem Landrat und den Obstbaufachberatern vom Rems-Murr-Kreis zusammen“, sagt Gabriele Schön. „Dafür sind wir auch nach wie vor sehr dankbar.“ Auch die aktuelle erste Vorsitzende des Kreisverbands Ute Tränkle verdanken sie den Überzeugungskünsten von Landrat Richard Sigel. „Wir als Kreisverband sind dabei die Schnittschnelle zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen“, gibt Gabriele Schön an. „Bei Versammlungen und Ehrungen sind wir zur Repräsentation meist auch mit dabei.“

Der ehemalige Obstfachwart Siegfried Stegmaier (von links), Heinz Kurz vom städtischen Bauhof, der erste Vorsitzende des Vereins Friedrich Schüle, die damalige Obstbaufachberaterin Ute Ellwein und Backnangs Oberbürgermeister Jürgen Schmidt pflanzen zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Kreisverbands einen Baum. Foto: privat

Der ehemalige Obstfachwart Siegfried Stegmaier (von links), Heinz Kurz vom städtischen Bauhof, der erste Vorsitzende des Vereins Friedrich Schüle, die damalige Obstbaufachberaterin Ute Ellwein und Backnangs Oberbürgermeister Jürgen Schmidt pflanzen zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Kreisverbands einen Baum. Foto: privat

Am ursprünglichen Arbeitsbereich hat der Verein bis heute festgehalten. „Unsere Baumpflegekurse sind immer noch gut besucht“, sagt Gerhard Bollinger. Neben klassischen fachlichen Vorträgen, in denen das Wissen um Streuobst und Pflanzen weitergegeben wird, erfreuen sich die Schnittkurse, in denen Laien sich praktische Techniken für den eigenen Garten aneignen können, noch immer großer Beliebtheit. „Wir haben schon spezielle Schnittkurse für Rosen- oder Beerensträucher angeboten. Oder einen Kurs, der sich speziell an Frauen richtet“, sagt Gabriele Schön. Der „Renner“ seien jedoch die sechstägigen Lehrfahrten, die der Verein seit 1960 organisiert. Der fachliche Aspekt sei dabei stets vorhanden, betont Gerhard Bollinger, man bemerke jedoch, dass die Geselligkeit immer wichtiger werde und achte auf ein abwechslungsreiches Programm. „Es geht auch darum, Neues zu entdecken“, sagt der zweite Vorsitzende, der auch im OGV Lippoldsweiler aktiv ist. „Die Leute wollen auch mal was anderes sehen als immer nur Bäume.“

In jedem Jahr gibt es einen Diaabend, bei dem Fotos der vergangenen Reise gezeigt werden und zudem das Reiseziel des kommenden Jahres vorgestellt wird. „Und da müssen auch wir vom Vorstand uns immer sputen, damit wir noch einen Platz ergattern“, sagt Gabriele Schön und lacht. „Da wird auch einiges aufgefahren. Im vergangenen Jahr waren wir in Südtirol.“

Die Vereine haben große Probleme, Vorstände zu finden

Zwar seien vielerorts vermehrt jüngere Mitglieder, die sich den Traum eines Platzes im Grünen erfüllen oder ein Stückle von den Großeltern erben, in den Vereinen Mitglied. Doch die Vereine haben große Probleme, Mitglieder zu finden, die bereit sind, sich in den Vorständen zu engagieren, und Zeit für die Vereinsarbeit aufbringen können und wollen. „Und ich kann das schon verstehen. Der bürokratische Aufwand ist über die Jahre einfach immer größer geworden“, räumt Gabriele Schön ein.

Im Jahr 1998 waren noch 18 Vereine Teil des Kreisverbands, heute sind es nur noch 14. Der OGV in Großaspach wurde bereits aufgelöst, auch Kleinaspach wird voraussichtlich bald folgen. „Wenn gar kein Nachwuchs da ist und es nur noch wenige Mitglieder gibt, ist da eben auch nichts mehr zu machen“, bedauert Gerhard Bollinger.

Der Verband möchte dennoch aktiv bleiben und bietet neben Kräuterführungen oder vogelkundlichen Führungen für die Großen auch ein Ferienprogramm für die Kleinen an. Ob Nistkästen bauen, Beete bepflanzen oder Apfelküchle aus selbst geernteten Äpfeln backen – die Kinder sind stets mit Feuereifer dabei. „Natürlich hoffen wi, so auch wieder mehr Mitglieder gewinnen zu können“, sagt Gabriele Schön.

Denn die Bedeutung der Obst- und Gartenbauvereine nimmt in Zeiten des Klimawandels nicht ab, sondern zu. Dass sich der gesellschaftliche Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und Eigenanbau von Nahrungsmitteln auch in den Mitgliederzahlen niederschlägt, hoffen die Vereine weiterhin.

Archivfoto: Alexander Becher
Die Feier in der Sulzbacher Festhalle

Fest Gefeiert wird am Sonntag, 10. März, in der Festhalle in Sulzbach an der Murr. Einlass ist um 10.30 Uhr, beginnen wird das Programm um 11 Uhr. Die kulinarische Verköstigung übernimmt der OGV Sulzbach.

Festreden Nach den Grußworten der ersten Vorsitzenden Ute Tränkle sowie einiger weiterer Gäste wird Stadtarchivar Bernhard Trefz einen Vortrag zum 125-jährigen Bestehen des Vereins halten.

Rahmenprogramm Das Backnanger Klarinettenensemble unter der Leitung von Volkmar Schwozer und die bäuerliche Volkstanzgruppe aus Backnang runden das Festprogramm ab.

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Erstellt:
10. Februar 2024, 11:30 Uhr

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