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Kretschmann: Gemeinsame Gottesdienste ab Anfang Mai

dpa/lsw Stuttgart. Es kommen viele Menschen auf begrenztem Raum zusammen - Gottesdienste können der Ausbreitung des Coronavirus Vorschub leisten. Sie werden unter Bedingungen ab Anfang Mai wieder erlaubt. Auf gemeinsames Singen müssen die Kirchgänger wohl verzichten.

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Gläubige sollen nach Angaben von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bereits Anfang Mai und unter Auflagen wieder gemeinsam Gottesdienste feiern können. „Wir können sicher zusagen, dass wir in 14 Tagen eine Öffnung machen werden“, sagte der Regierungschef am Dienstag in Stuttgart. Die Landesregierung spreche derzeit mit den Kirchen über die Einschränkungen. Die Öffnung von Moscheen und Synagogen ist am Freitag Thema von Gesprächen zwischen Land und Vertretern der isrealitischen und islamischen Religionsgemeinschaften.

Gottesdienste seien „ein besonders problematischer Bereich“, sagte Kretschmann. Sehr viele ältere Menschen gingen in die Kirchen, es werde viel gesungen und die Gläubigen seien lange zusammen. „Das Singen hat eine sehr starke Exposition von Tröpfchen zur Folge“, sagte der Regierungschef. Der Hauptübertragungsweg für das Coronavirus ist die Tröpfcheninfektion.

Die Kirchen im Südwesten hatten einen Wiedereinstieg in öffentliche Gottesdienste in der Corona-Krise gefordert. Seit Wochen behelfen sie sich mit Gottesdiensten in Fernsehen oder Internet. Vor einigen Kirchen hängen Wäscheleinen mit Predigten, Ermutigungen und Bibelversen zum Mitnehmen für die Gläubigen. Manche Pfarrer halten vor Seniorenheimen Andachten, die von den Bewohnern vom Fenster oder Balkon verfolgt werden können.

Für den Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh, wird es aber zunächst keine Rückkehr zur Normalität geben. „Es werden ganz besondere Gottesdienste sein.“ Gemeinsames Singen etwa sei wegen des Ansteckungsrisikos derzeit tabu. Solo-Sänger könnten eine Alternative sein. Auch den Abstands- und Hygieneauflagen müsse Rechnung getragen werden: mit dem Bereitstellen von Desinfektionsmitteln, dem Markieren von Sitzen mit Sicherheitsabstand und womöglich separaten Ein- und Ausgängen. „Denkbar sind bei großem Andrang auch zwei zeitlich versetzte Gottesdienste“, sagte der Theologe. Die Ausgestaltung werde je nach Größe der Kirche und Gemeinde unterschiedlich ausfallen.

Für die Evangelische Landeskirche in Württemberg erläuterte deren Sprecher: „Die Kirchen haben aus Verantwortungsbewusstsein und aus Nächstenliebe dem Aussetzen der Gottesdienste zugestimmt.“ Dabei sähen sie nicht das Grundrecht auf freie Religionsausübung verletzt. Im Vordergrund stehe der Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. In den Gemeinden werde das überwiegend akzeptiert. Im Südwesten leben rund 3,2 Millionen Protestanten.

Cornelius-Bundschuh sagte zu den langfristigen Folgen der Pandemie: „Wir nehmen viel mit. Die Kirche ist schneller als erwartet im digitalen Zeitalter angekommen.“ Es werde weiterhin verschiedene Arten der Kommunikation geben. „Wir werden aber keine Fernsehkirche werden.“

Der Bischof sieht derzeit vor allem Bedarf nach persönlicher Ansprache in den Seniorenheimen. Pfarrer und Gemeindediakone sollten in Heimen in einem abgetrennten Raum mit fünf Bewohnern Andachten halten dürfen. „Viele ältere Menschen fühlen sich vergessen und abgeschoben.“ Deshalb müsse es auch möglich sein, dass Angehörige in Schutzkleidung ihre Lieben besuchen.

Die beiden Diözesen im Südwesten verwiesen auf das Arbeitspapier der Deutschen Bischofskonferenz. Auf dessen Basis seien Vorschläge für die Gespräche mit dem Land entwickelt worden, hieß es bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Dort und in der Erzdiözese Freiburg leben 3,7 Millionen (2017) Katholiken.

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Erstellt:
21. April 2020, 12:55 Uhr

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