Abschied von Ministerpräsident naht
Kretschmanns Sprüche – „Mein Englisch ist noch schlechter als das von Oettinger“
Winfried Kretschmann ist nicht nur der erste grüne Ministerpräsident, sondern auch ein Spruchbündel. Zu seinem nahenden Abschied einige unvergessliche Sätze.
© Lichtgut/Leif Piechowski
Winfried Kretschmann haute in seinen zwei Amtszeiten auch diverse markige Sprüche raus, die sich eingeprägt haben.
Von Sascha Maier
Ministerpräsident Winfried Kretschmann steht kurz vor dem Ende seiner politischen Karriere, an diesem Mittwoch wird der 77-Jährige mit allen Würden im Neuen Schloss in Stuttgart verabschiedet. Drei Amtszeiten hat er hinter sich gebracht, seit er 2011 zum ersten Mal gewählt wurde und alle Herausforderer seither als Wahlverlierer endeten.
Gemessen an seiner Popularität im Land, konnte sich der Eindruck erhärten, dass Kretschmann sich bei Wahlen in Baden-Württemberg nur noch selbst besiegen konnte. Das hat er mit seinem selbstgewählten Rückzug aus der Politik, der jetzt ansteht, verhindert. Cem Özdemir wird ihm vermutlich folgen, wenn es in den Koalitionsverhandlungen der Grünen mit der CDU zu keinen ganz großen Überraschungen mehr kommt.
Und dennoch war Kretschmanns Amtszeit bisweilen auch ein Ritt auf der Rasierklinge. Doch wirklich geschnitten hat er sich nie. Nur wenige beherrschten die Kunst wie er, zwar ständig und zu allem etwas zu sagen zu haben, dabei im Ton auch mal hemdsärmelig, ja manchmal fast unüberlegt zu wirken, aber dennoch nie etwas gesagt zu haben, was ihn wirklich in Bedrängnis brachte – so etwas wie eine „Stadtbild“-Debatte hat Kretschmann nie losgetreten.
Trotzdem werden viele Sprüche des scheidenden Ministerpräsidenten in Erinnerung bleiben. Wir haben einige von ihnen, die für Wirbel sorgten oder besonders charmant waren, zusammengestellt.
„Jeder weiß, dass mein Englisch noch schlechter ist als das von Oettinger“
– das sagte Kretschmann bei der Enthüllung der umstrittenen „The Länd“-Werbekampagne. Ein Satz, der auch Jahre später noch nachhallt.
„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“
– auch wunderliche Redewendungen, die man dennoch versteht, gehörten zum Repertoire. Das sagte Kretschmann 2025 zu überzogenen Erwartungen, wie schnell Investitionen des Landes sich auszahlen würden.
„Der Wolf weiß nichts vom Wahlkampf“
– das sagte er etwas genervt auf Fragen zur Debatte um den Abschuss des Wolfs im Nordschwarzwald.
„Ich verstehe überhaupt nicht, was die bei uns will“
– als der Realo-Grüne der damaligen provokativen Sprecherin der Grünen Jugend, Jette Nietzard, den Parteiaustritt nahegelegt hatte, nachdem diese in einem „ACAB“-Shirt posierte.
„Auch der Waschlappen ist eine brauchbare Erfindung“
– Kretschmann mit dem Appell, weniger zu duschen und zu heizen, nachdem infolge des Überfalls Russlands auf die Ukraine Energiekosten explodierten.
„Ich hock’ da wie ’ne Sardine in der Büchse“
– über die Dienstwagen-Debatte, wonach Kretschmann mit der S-Klasse ein für das Grünen-Image zu wuchtiges Fahrzeug nutzen würde.
„Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg fährt einen Daimler, Basta! Ich kann doch keinen Fiat fahren“
– Kretschmann zur selben Debatte.
„Auch Regieren ist kein Reiten auf dem Ponyhof“
– zum Thema Verantwortung.
„Geburtstage dürfen überschätzt werden. Geburtstag hat jede Kuh“
– Kretschmann zu seinen eigenen Geburtstagen und warum er sie selten groß feiere.
„Ich bin nur Ministerpräsident, kein Prophet“
– eine Standardantwort des Ministerpräsident auf Journalistenfragen.
„Mit Naturgesetzen kann man nicht verhandeln“
– Kretschmann 2019 zur Dringlichkeit des Klimaschutzes.
„Der Käs’ ist gegessen“
– Winfried Kretschmann nach dem Volksentscheid zum Bahnprojekt Stuttgart 21.
Neben all diesen Dingen, die Kretschmann nachweislich gesagt hatte, wurden ihm aber auch Worte in den Mund gelegt, die er nach allem, was überprüfbar ist, nie benutzt hat. So kursierte im Netz, Kretschmann habe nach einem Messerangriff in Magdeburg gesagt. „Es ist an der Zeit, dem Täter zu verzeihen.“ An anderer Stelle hieß es, dass er gesagt habe, nicht Geflüchtete, sondern Rentner seien das Problem. Beide Aussagen dementierte das Staatsministerium deutlich, dennoch machten sie – vor allem in AfD-Kreisen – die Runde.
❗️ Liebe Community, wir möchten darauf hinweisen, dass das derzeit ein falsches Zitat von Ministerpräsident #Kretschmann im Umlauf ist. #FakeNews Tatsächlich hat er sich am 21.12.2024 mit folgenden Worten zu den Ereignissen in #Magdeburg geäußert: https://t.co/vfa8jpuaCwhttps://t.co/hTHa5mnH1D — Landesregierung BW (@RegierungBW) December 30, 2024
Vielen dürften die Sprüche, die er wirklich geklopft hat, auch ein bisschen fehlen – zumindest hielten sie die politische Debatte immer lebendig. Aber wer weiß. Auch wenn Kretschmann bald nicht mehr Ministerpräsident ist – dass er sich den Mund verbieten lässt und zurückgezogen schweigt, scheint schwer vorstellbar.
