„Mein Schiff 4 und 5“
Kreuzfahrtpassagiere in der Mausefalle von Abu Dhabi und Doha
Kinder, Kranke und Schwangere sollen ausgeflogen werden. Tausende deutsche Urlauber sind im Persischen Golf gefangen.
© Lana Dörrer/privat/dpa
Das Bild wurde aktuell von einer Betroffenen in Doha aufgenommen.
Von Michael Maier
Was als entspannte Kreuzfahrt durch den märchenhaften Orient begann, hat sich für die Passagiere von TUI Cruises in eine nervenaufreibende Krisensituation verwandelt.
Aufgrund der massiven militärischen Eskalation im Nahen Osten sitzen aktuell zwei deutsche Kreuzfahrtschiffe – die „Mein Schiff 4“ und die „Mein Schiff 5“ – in den Häfen von Abu Dhabi und Doha fest. Laut „Focus Online“ befinden sich auf jedem der beiden Schiffe jeweils 3500 Urlauber.
„Mein Schiff 4“ fast von Drohne erwischt
Die „Mein Schiff 4“ liegt derzeit im Port Zayed in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate). Am Sonntag, 1. März 2026, kam es hier zu dramatischen Szenen: Im Zuge eines regionalen Schlagabtauschs stürzten Trümmerteile von abgefangenen iranischen Raketen oder Drohnen in unmittelbarer Nähe des Schiffes ins Wasser.
Passagiere konnten schwarze Rauchsäulen über dem Hafen beobachten. Die Gäste erhielten umgehend Notfallalarm auf ihrne Smartphones und wurden angewiesen, die Außendecks und Balkone zu verlassen, sich ins Schiffsinnere zu begeben und Fenster zu meiden. Glücklicherweise gab es keine direkten Treffer oder Verletzten an Bord der „Mein Schiff 4“, doch der Schock bei den Urlaubern sitzt tief.
„Mein Schiff 5“ in Doha blockiert - Raketenalarm erlebt
Nicht viel besser ergeht es dem Schwesterschiff, der „Mein Schiff 5“, die aktuell im Hafen von Doha (Katar) liegt. Auch hier herrscht Ausnahmezustand. Besonders bitter: Viele Passagiere befanden sich laut Medienberichten bereits am Flughafen, um ihre Heimreise nach Deutschland anzutreten.
Wegen weitreichender Luftraumsperrungen mussten die Flugzeuge jedoch umkehren oder blieben am Boden. Nach rund zehnstündigem Warten am Airport wurden die Urlauber wieder zurück auf das Schiff gebracht – teilweise mussten sie ihr Gepäck laut Medienberichten am Flughafen zurücklassen. An Bord gelten nun strenge Sicherheitsvorkehrungen. Landausflüge sind gestrichen, und das Schiff gleicht einem „goldenen Käfig“.
"Relativ schnell ging dann auch der erste Luftalarm los, wo auch die erste Rakete am Himmel zu sehen war, die abgeschossen worden ist", sagte Kreuzfahrtgast Lana Dörrer aus dem Saarland der Nachrichtenagentur dpa.
Wie reagiert TUI Cruises?
Die Reederei hat umgehend reagiert und alle anstehenden Orient-Reisen der beiden Schiffe für Anfang März offiziell abgesagt – unter anderem die Abfahrten vom 28. Februar bis zum 9. März 2026. Die Sicherheit von Gästen und Crew habe oberste Priorität.
Aktuell läuft der Bordbetrieb unter den gegebenen Umständen regulär weiter, und die Passagiere werden laut offiziellen Angaben von TUI Cruises umfassend versorgt und betreut.
Wadephul will „Kinder, Kranke und Schwangere“ ausfliegen
Das große Problem bleibt jedoch die Logistik: Solange der Luftraum über der Region aufgrund der anhaltenden Angriffe gesperrt oder stark eingeschränkt bleibt, ist an eine sichere Rückholung der Urlauber per Flugzeug nicht zu denken. Auch eine Weiterfahrt auf dem Seeweg durch die strategisch heikle Straße von Hormus ist momentan zu gefährlich.
Inzwischen wird überlegt, Kinder, Kranke und Schwangere auf dem Landweg nach Oman und Saudi-Arabien zu bringen und von dort auszufliegen. Das hat Außenminister Johann Wadephul (CDU) nach einigem Zögern inzwischen angekündigt.
© IMAGO/Jan Huebner
Oberdeck der „Mein Schiff“-Klasse von TUI (Archiv/Symbolfoto).
