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Künstliche Aufregung ist nicht angebrachtPolitische Überkorrektheit ist unsinnig

Künstliche Aufregung ist nicht angebrachtPolitische Überkorrektheit ist unsinnig

Berlin Wieder einmal gehen sie ganz hoch, die Wogen der Empörung im Netz. Dass auf der Glückwunschkarte der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung der Begriff Weihnachten nicht vorkommt, werten die aufgeregten Kritiker sofort als falsch verstandene Toleranz. Sie wettern, Integration sei keine Einbahnstraße. Keine Spur von Weihnachtsfrieden.

Die Aufregung wirkt allerdings reichlich künstlich. Zumal die Staatsministerin Annette Widmann-Mauz ein Foto der umstrittenen Karte unter der Überschrift „Fröhliche Weihnachten allen in Deutschland“ auf Facebook und Twitter gepostet hat. Vorweihnachtliche Gelassenheit wäre da doch eher angemessen.

Die Integrationsbeauftragte beschwört mit ihren Weihnachtsgrüßen nicht den Untergang des Abendlands herauf, und die Wünsche sind keineswegs Ausdruck eines Werteverlusts.

„Egal woran Sie glauben“, zeugt nicht von Beliebigkeit des Glaubens, sondern von Glaubensfreiheit. Wobei es manchen Umfragen zufolge den ein oder anderen überraschen mag, dass es bei Weihnachten um Glauben geht. Toleranz und Aufgeschlossenheit – oder soll man dem Thema angepasst sagen: Nächstenliebe? – könnten einem einfallen, wenn man den Wunsch von Annette Widmann-Mauz liest. Das sind nicht die schlechtesten Werte, die man mit dem Amt einer Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration in Verbindung bringen kann.https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kritik-an-annette-widmann-mauz-integrationsbeauftragte-laesst-auf-karte-weihnachten-weg.8e87a30c-1654-4df0-ad16-c04be1f0c49c.html

In den USA hat es sich ja inzwischen eingebürgert, in dieser Zeit des Jahres „season’s greetings“ zu verschicken. Man denkt an seine Lieben, Freunde und Bekannten, das ist gut. Und weil es in dem von sehr vielen verschiedenen Kulturen geprägten Land ganz viele Menschen gibt, die mit Weihnachten nichts am Hut haben, hat „merry christmas“ vielerorts ausgedient. Politische Korrektheit, um ja keine Gefühle zu verletzen.

Nicht alles, was über den Großen Teich zu uns schwappt, ist gut. Nun liegt es zwar in der Natur der Sache, dass gerade eine Integrationsbeauftragte vielen Menschen etwas Gutes wünschen mag, die nichts mit dem christlichen Glauben am Hut haben. Doch Anlass für Ferien, Feiern, Freizeit ist nun mal das Weihnachtsfest. Es ist eine politische Überkorrektheit, dies zu verschweigen – es ist, im Ergebnis, unsinnig.

Niemand wird dazu gezwungen, in die Christmette zu gehen, eine Krippe aufzustellen oder Weihnachten zu feiern. Das gilt für Menschen aus anderen Ländern ebenso wie für hier geborene, die nichts mit der Religion am Hut haben. Gleichwohl ist es all diesen Menschen zumutbar, dass man ihnen schöne, frohe oder besinnliche Weihnachten wünscht. Es ist sogar angebracht. Weihnachten gehört zum traditionellen Markenkern unserer Kultur.

In Sack und Asche muss die Staatsministerin deswegen nicht gehen, es gibt in der Tat wichtigere Probleme. Aber im nächsten Jahr sollte sie es besser machen.

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Erstellt:
21. Dezember 2018, 11:42 Uhr

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