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Künstliche Intelligenz hilft auch Terroristen

Terror, regionale Instabilität und technische Entwicklungen wie Drohnen können künftig weltweit für Sicherheitsbehörden zu einer schwer kontrollierbaren Melange führen.

Polizisten des Spezialeinsatzkommandos Baden-Württemberg bei der Festnahme eines Reichsbürgers in Boxberg-Bobstadt 2022: schwer kontrollierbare Entwicklungen.

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Polizisten des Spezialeinsatzkommandos Baden-Württemberg bei der Festnahme eines Reichsbürgers in Boxberg-Bobstadt 2022: schwer kontrollierbare Entwicklungen.

Von Franz Feyder

Einmal im Jahr listen Forscher des „Instituts für Wirtschaft und Frieden“ auf, wie viele Menschen weltweit im Vorjahr von Terroristen ermordet und verletzt wurden, wie viele Attentate verübt wurden und wer dahintersteckte. Gewissenhaft schätzen die Wissenschaftler der Denkfabrik im „Global Terrorism Index“ auch die Zahlen ein, bei denen es – wie in Afrika oder Teilen Asiens – manchmal nur unvollständige Angaben über Opfer und Hintergründe gibt: 7555 Menschen starben demnach 2024 in 66 Ländern bei Terroranschlägen. In Deutschland starben vier Menschen, unter ihnen in Mannheim der Polizist Rouven Laur.

Terroristen passen sich Bedingungen an

Das ist der Hintergrund, vor dem Terrorismusforscher für 2026 davor warnen, dass der Kampf gegen Terror an politischer und strategischer Priorität verloren habe. In Europa konzentrierten sich Politiker auf die Auseinandersetzung mit Russland und zunehmend den USA. „Personal und Ressourcen werden weltweit in Sicherheitsbehörden vom Kampf gegen Terror abgezogen und damit betraut, sich auf andere sicherheitspolitische Brennpunkte zu konzentrieren“, sagt Eitan Asani vom israelischen Institut für Terrorismusbekämpfung. Und warnt: „Diese Entwicklung schafft neue Handlungsspielräume für terroristische Akteure.“ An der Georgetown University im amerikanischen Washington sagt sein Kollege Bruce Hofmann voraus: „Terroristen werden sich an die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen anpassen und sie ausnutzen.“

Den Begriff „Remigration“ übernehmen Dschihadisten

Rahmenbedingungen dafür schaffen auch Akteure, die politische Gewalt relativieren oder den Kontext verändern. So finden sich Argumentationsmuster extrem rechter Parteien und Organisationen in denen linker oder dschihadistischer Gruppen wieder. „Ungläubige remigrieren!“, war kürzlich auf der Plattform einer Al-Kaida-nahen Gruppe im weltwirtschaftsstarken Singapur zu lesen. Remigration, ein Kampfbegriff für Vertreibung und Deportation europäischer Rechter.

Weltweit stieg zudem in den vergangenen Jahren kontinuierlich die Zahl der Gewalttaten an, die zwar ideologisch motiviert, aber keiner bekannten Gruppe zugeordnet werden konnten. Von diffusen Taten sprechen Wissenschaftler: Einzeltäter, wie zuletzt beim Anschlag auf eine Synagoge in Australien, zu deren Taten sich niemand bekennt – und damit eine politische Botschaft aussendet. Klar ist nur: Die Radikalisierung über soziale Medien, die Manipulation junger Menschen über Plattformen wie Telegram und WhatsApp wird dynamischer und für die Manipulierenden immer erfolgreicher. Im Verfahren um den ermordeten Rouven Laur zeigte die Beweisaufnahme vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, wie konsequent und nachdrücklich Täter Sulaiman A. auch durch soziale Medien manipuliert wurde.

Söldner treiben in Afrika die Menschen in die Arme des Terrors

Besonders salafistisch-dschihadistische Organisationen wie Al-Kaida und der Islamische Staat bleiben hochgefährlich, Rechts- und Linksradikale stehen ihnen in nichts nach. In mehreren Konfliktregionen, vor allem in Afrika, gelingt es dschihadistischen Gruppen, ihre territoriale Kontrolle auszuweiten und die Schwächen der bekämpften Staaten systematisch auszunutzen. Sie profitieren davon, dass Großmächte wie Russland massiv Söldner wie in der Sahelzone einsetzen. „Deren äußerst brutales Vorgehen radikalisiert die Bevölkerung und treibt sie in die Arme von Terrororganisationen“, stellt Hofmann fest.

Auch andere Regionen bleiben anfällig: „In Libyen, auf den Philippinen, im Sinai und auf der Arabischen Halbinsel begünstigen Konflikte Terrorismus. Besonders Syrien gilt weiter als Risikozone, da der Islamische Staat aktiv bleibt, Gefängnisse unsicher sind und es potenzielle Überläufer innerhalb staatlicher Strukturen gibt“, sagt Asani.

Pakistan erlebt erneut ein hohes Maß militanter Gewalt; der Konflikt mit Indien um Kaschmir verdeutlicht, wie Terroranschläge eskalierende Krisen zwischen Staaten auslösen können. Afghanistan bleibt trotz relativer Ruhe sicherer Rückzugsraum für den Islamischen Staat und für Al Kaida, die begonnen haben, sich zu reorganisieren.

Russland sabotiert, manipuliert und spaltet die Gesellschaften Europas

Staatlich geförderter Terrorismus wird zu einem erheblichen Risiko. Der geschwächte Iran setzt weltweit darauf, über Stellvertretergruppen und verdeckte Operationen Macht auszuüben. Russland sabotiert in Europa, nutzt extremistische Akteure, um politisch zu polarisieren, Gesellschaften zu manipulieren und zu spalten.

Technik birgt Risiken

Neue sicherheitspolitische Herausforderungen ergeben sich auch daraus, das US-Präsident Donald Trump Drogenkartellen als terroristische Organisationen einstuft. Das kann zu einer Gewaltspirale auch außerhalb ihrer Kernregionen in Südamerika führen und in Ländern zu Gewalt führen, in die die Drogen geliefert werden.

Technologische Entwicklungen verstärken diese Risiken weiter. Der zunehmende Einsatz von Drohnen durch nicht staatliche Akteure, das Lernen aus dem Krieg in der Ukraine sowie die Kombination von Drohnentechnologie mit 3D-Druck und künstlicher Intelligenz steigern terroristische Fähigkeiten weltweit erheblich. Terroristen nutzen Künstliche Intelligenz, um Anschläge zu planen. „Terrorismus, regionale Instabilität und technologische Innovationen nähern sich gefährlich an“, sagt der Experte Asani. „Das könnte den Terrorismus im Jahr 2026 auf ein neues, schwer kontrollierbares Niveau heben.“

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Erstellt:
4. Februar 2026, 10:34 Uhr
Aktualisiert:
4. Februar 2026, 10:43 Uhr

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