Kulinarische Stadtführung durch Backnang findet Anklang

Erstmals hat die Stadt Backnang eine Kulinariktour durch die Geschichte der Gastronomie angeboten. Inge Wagner tischt zu den verschiedenen Wirtschaften allerlei Anekdoten auf. Die Wirte servieren Happen und Getränke.

Weißbrotschnitten mit Griebenschmalz, Zwiebelmett und Frischkäse wurden den Teilnehmern der Kulinariktour im Gasthaus zum Löwen kredenzt. Dazu gab es reichlich Aspacher Wein. Foto: Dietmar van der Linden

© Dietmar van der Linden

Weißbrotschnitten mit Griebenschmalz, Zwiebelmett und Frischkäse wurden den Teilnehmern der Kulinariktour im Gasthaus zum Löwen kredenzt. Dazu gab es reichlich Aspacher Wein. Foto: Dietmar van der Linden

Von Klaus J. Loderer

Backnang. Ein Betrunkener, der vor dem Dekanat seinen Rausch ausschläft – dieser Skandal sorgte im 17. Jahrhundert bei kirchlicher und weltlicher Obrigkeit in Backnang für Aufregung. An diesem Tag bewirkte die Geschichte ebenso ein Schmunzeln wie die anderen Anekdoten, mit denen Inge Wagner ihre kulinarische Stadtführung durch Backnang würzte. Es ging um Geschichte, es ging um Gaststätten und natürlich gab es auch etwas für den Gaumen. Mit der Kulinariktour führte sie im Stadtführungsprogramm ein neues Format ein, das sich sofort großen Zuspruchs erfreute. Die 25 Plätze waren denn auch so schnell ausgebucht, dass schon ein neuer Termin in Planung ist.

Bis ins 16. Jahrhundert zurück griff Inge Wagner und erzählte kurzweilig von Schild- und Schankwirtschaften. Der Gasthof Schwanen hat die älteste urkundliche Erwähnung unter den Schildwirtschaften. Da es den Schwanen aber nicht mehr gibt, begann Inge Wagner ihre Kulinariktour am Bürgerhaus, denn in dessen Tiefen befindet sich noch der alte Eiskeller, den ein Schwanenwirt im 19. Jahrhundert zur Lagerung des von ihm gebrauten Biers bauen ließ. Die Gartenwirtschaft darüber habe damals noch völlig im Grünen gelegen, regte Wagner die Fantasie der Führungsteilnehmer an. Zum vom Restaurant Markgraf servierten Aperitif in Form von Aperol Spritz erzählte Inge Wagner Anekdoten aus der Geschichte des Bahnhofhotels, das immer noch den Kern des Bürgerhauses bilde.

Schalltrichter sollte Mitspieler anlocken

Aufgrund des wechselhaften Wetters hieß es für Inge Wagner: Improvisation ist angesagt. War der erste Regenguss netterweise niedergegangen, als die Gruppe unter dem Vordach des Bürgerhauses Bruschetta und Maultaschen mit Linsengemüse probierte, kam der nächste Schauer am Turmschulhaus. Dort stellte Inge Wagner die wieder existierende Gaststätte „Zur Uhr“ vor und erzählte vom nicht mehr existierenden Café „Nächstenliebe“ am Ölberg, wo es einen Schalltrichter gegeben haben soll, mit dem die Herren einer Spielkartenrunde potenzielle Mitspieler zum Kommen aufforderten. Natürlich berichtete sie auch von der wechselhaften Geschichte der Weinstube Kunberger in der Marktstraße.

An der Treppe hinunter zum Marktplatz warteten schon die nächsten Spezialitäten: Zimtschnecken und selbst gemachte Limonaden aus dem vor wenigen Wochen eröffneten Café Lille Bønne, das gewissermaßen Logenplätze über dem Marktplatz anbietet. Der Name ist dänisch und bedeutet „kleine Bohne“. Auch die Einrichtung soll etwas dänisches Flair vermitteln. Vom Thekenbereich aus hat man einen schönen Ausblick auf das Rathaus und die Fachwerkkulisse.

Historische Schildwirtschaften

Den Informationen zum früher unweit gelegenen Hotel Post, heute eher als Remmele-Haus in der Marktstraße bekannt, tatsächlich einmal die Postkutschenstation Backnangs, lauschte die Gruppe lieber im Trockenen unter den Schirmen vor dem Löwen und ließ sich die Leckereien schmecken. Trocken blieb es nicht, denn es wurde sogleich Aspacher Wein serviert. Neben dem Waldhorn ist das Gasthaus zum Löwen eine der beiden einzigen noch existierenden historischen Schildwirtschaften in Backnang. Unter den Herbergsgäste seien im frühen 18. Jahrhundert auch zwei französische Offiziere gewesen, deren Anwesenheit eine Schutzgarantie für die Stadt darstellen sollte. Es dürfte ihnen im Löwen nicht schlecht gegangen sein, meinte Inge Wagner schmunzelnd. Der Weinkonsum sei entsprechend gewesen.

Zum Abschluss im Storchen gibt es Gyros

Noch mehr erheiterte die Gruppe die Aufzählung, was bei der Anwesenheit des württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig anlässlich einer Jagd alles verspeist worden ist. Beim Löwen durfte die Erwähnung des früheren Wirts und Feuerwehrkommandanten Werner Lutz nicht fehlen. Der jetzige Löwenwirt Markus Hilt hatte für die Kulinariktour Weißbrot mit Griebenschmalz, Zwiebelmett und Frischkäse vorbereitet. Am unteren Ende des Platzes war die letzte Station. Inge Wagner erzählte vom ehemaligen Gasthof Hirsch und wie dort 1956 die Eisdiele eröffnete. „Damals fuhren noch Autos durch die enge Uhlandstraße“, so die Referentin. Hungrig war inzwischen niemand mehr. Als die Gruppe gemütlich unter den Schirmen am Gasthaus Storchen saß, klarte der Himmel auf. Das hörbare Stöhnen bezog sich auf die Ankündigung des Storchenwirts Dimitrios Pinakas, was er zu kredenzen plane. Der zünftige Ausklang der Führung war griechisch mit einem Ouzo auf Eis und dem Klassiker Gyros mit vielen Beilagen. Natürlich hatte Inge Wagner auch die Geschichte des Storchen parat. Von der 1961 eröffneten Schnellgaststätte habe sich der Storchen mit der Renovierung des Hauses und der Freilegung des Fachwerks im Jahr 2002 zu einem gemütlichen Restaurant gewandelt.

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Erstellt:
13. September 2022, 06:00 Uhr

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