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Aus für Großveranstaltungen in Baden-Württemberg

dpa/lsw Stuttgart. Nach 277 Corona-Fällen im Südwesten zieht die Landesregierung die Reißleine: Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern werden verboten. Das trifft Sport, Kultur, Messen und Tourismus hart.

Manfred „Manne“ Lucha (Bündnis 90/Die Grünen), Sozialminister von Baden-Württemberg, vor der Presse. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Manfred „Manne“ Lucha (Bündnis 90/Die Grünen), Sozialminister von Baden-Württemberg, vor der Presse. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Immer neue Coronavirus-Fälle in Baden-Württemberg und noch ist kein Ende absehbar: Die Landesregierung sieht sich deshalb zum Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen gezwungen. Eine entsprechende Verordnung auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes werde auf den Weg gebracht, kündigte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Dienstag in Stuttgart an. Baden-Württemberg folgt damit anderen Bundesländern, darunter Bayern und Nordrhein-Westfalen. Insgesamt stieg die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 infizierten Patienten im Südwesten bis Dienstagabend auf 277.

Das Verbot von mehr als 1000 Zuschauern bei Veranstaltungen wird vor allem den Sport, Messen und die Kultur hart treffen, aber auch das Handwerk und den Tourismus. Das Kabinett werde die Rechtsverordnung im Laufe der kommenden Tage beschließen, kündigte das Gesundheitsministerium an. Eine generelle Schließung von Schulen und Kitas war zunächst aber in keinem Bundesland vorgesehen.

Ziel des Verbots sei es auch, eine unkontrollierte, schnelle Ausbreitung des Virus zu verhindern, sagte Lucha. Allerdings steigt die Zahl der Infektionen bereits seit Tagen auch in Baden-Württemberg stark - und sie wird allen Anzeichen nach weiter zunehmen. Ein Ende ist nach Einschätzung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) noch lange nicht in Sicht. Im Gegenteil, man stehe erst am Anfang der Ausbreitung, sagte Kretschmann in Stuttgart. Ziel sei es weiter, die Ausbreitung zu bremsen.

Die Hotels und Gaststätten bekommen die Folgen der Vorsichtsmaßnahmen schon voll zu spüren. Im Durchschnitt lägen die Umsatzeinbußen jetzt bei einem Drittel, sagte Tourismusminister Guido Wolf (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem die Absagen von Messen, Tagungen, Firmenveranstaltungen und Geschäftsreisen führten zu einer enormen Zahl von Stornierungen. In diesem Bereich liege der Rückgang des Buchungsvolumens bei rund 80 Prozent.

Kinos und Theater in Baden-Württemberg trotzen dagegen bislang dem neuartigen Coronavirus. Größere Theater wie das Nationaltheater Mannheim und das Staatstheater Karlsruhe stellen sich aber auf das Verbot ein. Das Nationaltheater gibt nicht alle rund 1200 Sitzplätze ihres Opernhauses in den Verkauf, um unter der empfohlenen Höchstgrenze zu bleiben. Das Staatstheater Karlsruhe geht ähnlich vor. Das Festspielhaus in Baden-Baden, größtes Opernhaus in Deutschland, kündigte an, den Erlass des Ministeriums abzuwarten und dann umgehend zu reagieren.

Der diesjährige Radio Regenbogen Award wurde am Dienstag abgesagt. Damit folge man der Risikobewertung des Robert Koch-Instituts und den Empfehlungen des Krisenstabs der Bundesregierung, teilte der Radiosender mit. Die Verleihung mit mehr als 1500 Gästen aus Baden und der Pfalz sowie nationalen und internationalen Prominenten war für den 3. April im Europa-Park Rust geplant.

Derweil richtet das Universitätsklinikum Mannheim ab Mittwoch einen Corona-Diagnose-Stützpunkt in mehreren speziell ausgestatteten Containern ein. Patienten, bei denen der begründete Verdacht besteht, dass sie sich infiziert haben, könnten dort getrennt von anderen auf das Virus getestet werden. Der Diagnose-Stützpunkt liegt zentral im Park der Universitätsmedizin Mannheim. Die Zuweisung erfolge über Info-Telefon des Gesundheitsamts.

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Erstellt:
10. März 2020, 16:53 Uhr

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