Landesbischof: Recht auf Risiko bei Senioren thematisieren

dpa/lsw Karlsruhe. Bei der Diskussion um Kontaktbeschränkungen und Besuchsverbote in Alten- und Pflegeheimen sollte nach Überzeugung des badischen Landesbischofs Jochen Cornelius-Bundschuh auch ein Recht auf Risiko berücksichtigt werden. Während ältere Menschen zu Hause gemeinsam mit ihren Angehörigen entscheiden könnten, wie viel Nähe sie angesichts der Corona-Pandemie zulassen, seien Menschen in Heimen in dieser Frage quasi entmündigt.

Jochen Cornelius-Bundschuh spricht während eines Interviews. Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild

Jochen Cornelius-Bundschuh spricht während eines Interviews. Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild

„Vielleicht ist das Recht auf ein Risiko auch ein Menschenrecht“, sagte der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden der dpa. „Das, glaube ich, gehört einfach dazu und das muss man Menschen auch ermöglichen.“ Die Kirche habe immer auch den einzelnen Menschen im Blick, der Trost und Stärkung brauche, der gefährdet sei. „Eingriffe in den Privatbereich muss man im Rahmen halten“, sagte Cornelius-Bundschuh.

Fehlende Nähe sei gerade im Advent und zu Weihnachten ein großes Thema auch für die Kirche. „Die Atmosphäre wird schwerer durch die Distanz. Immer ist da diese Angst mit im Raum.“ Die Kirche und die Gemeinden versuchten, in dieser Zeit für die Menschen da zu sein. Das sei eine große Chance für die Kirche. „Es geht um eine Haltung, um eine Einstellung zum Leben, dazu haben wir eine Menge zu sagen“, betonte Cornelius-Bundschuh.

Er erlebe eine neue Nachdenklichkeit. Viele stellten sich die Frage, was die Pandemie für den Lebensstil bedeute. Das Virus habe auch etwas damit zu tun, dass die Menschen die Natur zurückdrängen. Es gehe zum Beispiel um Fragen des Reisens oder des Verbrauchs von Rohstoffen.

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Erstellt:
9. Dezember 2020, 05:00 Uhr

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