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Lebensretter sagen: „Ich bin mal weg“

Backnanger Unternehmen d&b audiotechnik als „ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz“ ausgezeichnet

Viele Mitarbeiter von d&b audiotechnik engagieren sich neben ihrer Arbeit auch ehrenamtlich in Vereinen, einige davon im Bevölkerungsschutz. Wenn Alarm ausgelöst wird, dürfen beispielsweise DRK-Helfer und Feuerwehrmänner alles stehen und liegen lassen und ausrücken. Weil das so problemlos funktioniert, wurde der Backnanger Hersteller von hochklassigen Beschallungsanlagen als „ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz“ ausgezeichnet.

Sie engagieren sich nicht nur bei ihrem Arbeitgeber, sondern auch für den Bevölkerungsschutz (von links): . Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Sie engagieren sich nicht nur bei ihrem Arbeitgeber, sondern auch für den Bevölkerungsschutz (von links): . Foto: T. Sellmaier

Von Florian Muhl

BACKNANG. Wenn es brennt oder sich ein Verkehrsunfall ereignet hat, kommt es auf Minuten, oft auch auf Sekunden an, um rasch Hilfe leisten und Personen retten zu können und auch um größere Schäden zu vermeiden. Das weiß Marco Maurer aus eigener Erfahrung. „Wir hatten in den vergangenen Tagen bereits zwei Alarme, in letzter Zeit häuft sich’s“, sagt der Hauptfeuerwehrmann.

Der 38-Jährige ist gleich bei zwei Feuerwehren ehrenamtlich aktiv, zum einen in Auenwald, zum anderen auch in Backnang in der Abteilung Stadt. Letztere leistet auch Überlandhilfe; das Einsatzgebiet reicht im Nordosten bis Schwäbisch Hall. „Wir waren auch schon in Waiblingen und in Schorndorf“, sagt Maurer. Im Schnitt komme er pro Monat auf etwa vier Einsätze. Wenn sein digitaler Meldeempfänger Alarm schlägt, kann Maurer, der als gelernter Fleischer jetzt in der Lautsprecherproduktion arbeitet, sofort los. Er gibt nur kurz seinem Kollegen Bescheid, spurtet zu seinem Auto, fährt ins Gerätehaus, zieht sich um und dann geht’s schon los im Feuerwehrwagen zum Einsatzort. Das einzige Problem, mit dem Maurer oder auch seine Kollegen hin und wieder zu tun haben, ist der Empfang ihrer Meldeempfänger. Es gibt Gebäudeteile oder auch Kellerräume, in denen die Erreichbarkeit eingeschränkt beziehungsweise nicht gegeben ist.

Wie lange der Hauptfeuerwehrmann wegen eines Einsatzes am Arbeitsplatz fehlt, ist unterschiedlich. „Je nachdem, was vorliegt. Ist es eine Brandmeldeanlage, kann es zwischen einer halben Stunde, Stunde oder zwei Stunden dauern, wenn’s blöd läuft, wenn die Anlage defekt ist oder eine Störung hat und man warten muss, bis ein Techniker kommt. Das entscheidet meist der Kommandant vor Ort, was gemacht wird.“ Aber es könne auch anders kommen, beispielsweise bei einem Dachstuhlbrand in voller Ausdehnung. „Da geht schon mal ein ganzer Tag drauf“, sagt Maurer. In diesem Fall unterrichtet er den Arbeitgeber telefonisch.

Bei Andreas Kurz läuft es ähnlich ab: „Nur sind es bei mir deutlich weniger Einsätze, im Jahr zwischen zwei und fünf Stück“, sagt der stellvertretende DRK-Bereitschaftsleiter aus Althütte, der dort gleichzeitig auch stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender ist. Im Schnitt betrage die Einsatzdauer zwischen zwei und sechs Stunden. „In aller Regel rücken wir zusammen mit der Feuerwehr zu den Unglücksfällen aus. Auf Ortsebene haben wir eine sogenannte Einsatzgruppe Akut, die mit rausgeht als Unterstützung und Sanitätsdienst für die Feuerwehr, die aber auch 20 unverletzte betroffene Personen betreuen und im Bedarfsfall auch Erste Hilfe für verletzte Personen leisten kann“, so der 38-Jährige.

Als Schnelleinsatzgruppe innerhalb von 20 Minuten einsatzklar

Auch Kurz fährt zunächst zu seiner Unterkunft, dort ziehen sich die Helfer um und besetzen die Fahrzeuge. „Zudem stellen wir in Althütte die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Betreuung, derzeit die einzige im Kreis. Als SEG soll man innerhalb von 20 Minuten schon einsatzklar sein.“ Mit der SEG Betreuung kann das DRK Althütte bis zu 100 betroffene unverletzte Personen betreuen, mit Essen versorgen und auch unterbringen. „Interessant wird’s halt, wenn’s über Tage geht. Beispielsweise, wenn man eine Bombe finden würde und die Bevölkerung evakuieren müsste. Das wäre eine Lage, wo es über Tage gehen würde.“ Und auch dafür würde der DRK-Helfer freigestellt werden können? Der gelernte Schreiner, der bei d&b audiotechnik in der Produktion als Spezialist Qualitätssicherung arbeitet, muss lachen: „Das hoffen wir mal. So einen Fall gab’s zum Glück noch nie.“

So ähnlich wie bei seinem Kollegen vom DRK, die Zahl der Einsätze betreffend, sieht es auch bei Uwe Henne aus, der sich beim Technischen Hilfswerk (THW) engagiert. Beim Inlandsbereich ist er THW-Truppführer. „Das sind etwa zwei bis fünf regionale Einsätze pro Jahr, die auch ziemlich spontan eintreten, wo’s dann auch kein Problem ist, vom Arbeitsplatz wegzugehen.“ Das sei die gleiche Vorgehensweise wie bei DRK-Helfer Kurz und Feuerwehrmann Maurer: „Dem Kollegen ums Eck gebe ich kurz Bescheid: Ich bin mal weg.“

Aber Henne hat auch längere Einsätze. Denn der 39-Jährige ist beim THW-Auslandsbereich technischer Einsatzleiter für Hochwasserschutz und -bekämpfung. In dieser Funktion war der gelernte Industriekaufmann, der ein Marketing- und Kommunikationsstudium nachgeschoben hat und jetzt als Marketing- und Backoffice-Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz arbeitet, schon in der halben Welt unterwegs.

„Hierbei handelt es sich auch um groß angelegte Auslandseinsätze im Auftrag der EU wie beispielsweise in Bosnien, Frankreich oder den USA. Hierfür sind eine sehr gute Abstimmung und eine hohe Flexibilität der Kollegen und Vorgesetzten notwendig und das meist in einem sehr kompakten Zeitrahmen. Ohne eine grundsätzlich positive und unterstützende Haltung des Arbeitgebers sind da viele Funktionen und Tätigkeiten nicht machbar.“

Aber solche großen Einsätze müssen auch geprobt werden. „Spezielle Trainings, Lehrgänge und auch Einsätze beim THW können schon mal eine Woche oder länger dauern. Da hat die Firma, sprich Chef, Kollegen und Personalabteilung, immer mitgemacht, um mir die Teilnahme zu ermöglichen“, sagt Henne.

Über die Auszeichnung „ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz“, die Innenminister Thomas Strobl in Stuttgart überreicht hat, ist man bei d&b audiotechnik sehr stolz. „Das ist uns eine echte Freude“, sagt Geschäftsführer Jens Nilsson. „Wer als d&b-Mitarbeiter bei einer Einsatzorganisation wie der freiwilligen Feuerwehr, dem THW oder dem Deutschen Roten Kreuz mitmacht, darf den Piepser für die Rufbereitschaft bei sich tragen – und kann im Fall der Fälle den Arbeitsplatz sofort verlassen.“ Von den etwas über 400 Mitarbeitern am Standort Backnang engagieren sich knapp zehn Beschäftigte im Bevölkerungsschutz. Für d&b audiotechnik bedeute die Auszeichnung durch das Land auch eine Verpflichtung. „Wir wollen auch in Zukunft Sorge tragen, dass berufliches und gesellschaftliches Engagement bei d&b zusammenfinden“, sagt Nilsson. „Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, zeigt sich im Privatleben genauso wie am Arbeitsplatz. Die erfolgreiche Entwicklung von d&b von einem Start-up zu einem weltweit bedeutenden Unternehmen mit heute mehr als 500 Mitarbeitern hat nicht zuletzt mit dieser Haltung zu tun.“

Innenministerium zeichnet Arbeitgeber aus Info In diesem Jahr hat das Innenministerium in Baden-Württemberg insgesamt 41 ehrenamtsfreundliche Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz ausgezeichnet, im vergangenen Jahr waren es 38 Unternehmen Die Firma Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH in Allmersbach im Tal erhielt diese Auszeichnung im letzten Jahr Hilfsorganisationen und Kommunen hatten jeweils Vorschläge eingereicht, die vom Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration ausgewertet wurden

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Erstellt:
31. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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