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Leerstände trotz Wohnungsnot

Städte mieten Wohnungen für Menschen an, die sonst keine finden

Leerstände trotz Wohnungsnot

WAIBLINGEN (koe). Der Wohnungsmarkt im Speckgürtel um Stuttgart ist angespannt wie lange. Besonders Alleinerziehende, Geringverdiener, ältere Menschen, Familien mit vielen Kindern oder Geflüchtete haben schlechte Karten, wenn für eine Wohnung die Bewerber Schlange stehen. Eigentümer wollen sich keine Probleme mit nicht bezahlten Mieten oder Mietnomaden einhandeln. Mit „Raumteiler“ starten der Städtetag und das Staatsministerium Baden-Württemberg eine Initiative, die Wohnungssuchende und private Eigentümer zusammenbringen soll. Neben Stuttgart, Esslingen am Neckar, Schwäbisch Gmünd, Gerlingen und Leinfelden-Echterdingen zählt auch Waiblingen zu den landesweit rund 20 Kommunen, die bereits mitmachen. Doch anders als etwa Gerlingen stellt Waiblingen nicht extra für „Raumteiler“ zusätzliches Personal ein und schult keine Ehrenamtlichen, die Mieter und Eigentümer beraten. Die Vermittlungsarbeit ist bei der Stadtverwaltung auf mehrere Schultern verteilt: In Beinstein, Neustadt, Bittenfeld, Hegnach und Hohenacker fungieren wegen der räumlichen Nähe die Ortsvorsteher als Ansprechpartner, in der Kernstadt kümmert sich besonders Franziska Mack vom kaufmännischen Gebäudemanagement des Rathauses um diese Aufgabe.

Auch der Stadtchef nimmt sich der Thematik an

Wiederholt nutzte Oberbürgermeister Andreas Hesky etwa die Versammlungen des Haus- und Grundbesitzervereins, um Eigentümer zur Vermietung leer stehender Wohnungen aufzurufen. Immerhin zwölf Wohnungen wurden durch die Stadt angemietet und an Wohnungssuchende weitervermietet. Reine Vermittlungen kommen nicht zustande, weil die Vermieter Wert darauf legen, dass der Mietvertrag direkt mit der Stadt abgeschlossen wird. Wie bei „Raumteiler“ profitieren die Eigentümer dabei von garantierten Mieten und festen Ansprechpartnern im Rathaus.

Spezielles „Raumteiler“-Personal braucht eine Stadt, sofern sie über einen kommunalen Wohnungsbestand verfügt, aus Heskys Sicht nicht. Die Stellen, die diesen verwalten, könnten die Aufgaben miterledigen. Wie Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune beim Verein Haus und Grund jüngst darlegte, fehlen im Rems-Murr-Kreis 5000 günstige Wohnungen. Auch er nannte die Aktivierung von Leerständen als notwendigen Schritt. Der Löwenanteil wird aber wohl gebaut werden müssen.

Immer wieder wird die Stadtverwaltung auf leer stehende Häuser hingewiesen und sucht das Gespräch mit den Besitzern, berichtet OB Hesky, der an die Sozialverpflichtung von Eigentum erinnert: „Wohnungen leer stehen zu lassen, ist nicht sozial.“ Nur in wenigen Fällen, wenn sie von herausragender städtebaulicher Bedeutung seien, kaufe die Stadt Häuser auf. Laut einem Bericht des Marktforschungsinstituts IVD Süd sind die Mieten 2018 in keiner Kreisstadt der Region so stark gestiegen wie in Waiblingen: um 5,3 Prozent.

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Erstellt:
10. April 2019, 06:00 Uhr

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