Leiche in Koffer in Bonlanden: Anklage erhoben
Ein 51 Jahre alter Mann soll im vorigen Sommer eine 39-jährige Frau getötet haben. Deren Leichnam wurde unter einer Brücke gefunden.
Von Armin Friedl
Filderstadt - Der Tod der 39-jährigen Frau, deren Name Gülsah S. später bekannt wurde, hat im vorigen Sommer große Betroffenheit ausgelöst, in Filderstadt und weit darüber hinaus. Die Leiche der Frau war in der Nähe eines Spielplatzes in Filderstadt-Bonlanden (Kreis Esslingen) gefunden worden. Dort hatte der Körper der Toten wochenlang in einem Koffer unter einer Brücke gelegen.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat nun gegen einen 51 Jahre alten Mann Anklage wegen Totschlags erhoben. Er hat wie das Opfer türkische Wurzeln. Er wurde im September festgenommen und ist seitdem in Untersuchungshaft. Nun entscheidet das Landgericht Stuttgart über die Eröffnung des Hauptverfahrens und dessen Terminierung.
Mehrere Gründe sorgten im vergangenen Sommer für das enorme Aufsehen: Die Tat selbst, das Verstauen der Leiche in einem handelsüblichen Rollkoffer – und dann hat die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ diesen Fall aufgegriffen. Der Koffer wurde neben einem Wohngebiet unter der Brücke nahe eines Spielplatzes an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße deponiert.
Und schließlich das Opfer selbst: Die Frau soll wie der Täter in der Stuttgarter Drogen- und Obdachlosenszene unterwegs gewesen sein. Die Polizei fahndete dort unter anderem intensiv, aber das Opfer hatte wohl auch noch andere soziale Kontakte darüber hinaus. Ein wichtiger Hinweis kam schließlich noch vor der Ausstrahlung der Sendung. Jemand hatte der Polizei gegenüber Details genannt, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Öffentlichkeit bekannt waren.
Vor allem der Koffer führte zu Spekulationen, ein beigefarbener Trolley der Marke Juicy Couture, als solcher also auffällig. Allerdings war er in schwarzer Folie verpackt und wurde erst entdeckt, nachdem sich Spaziergänger über einen Verwesungsgeruch an der Brücke in Bonlanden beschwert hatten. Letztlich soll es aber doch nicht der Koffer gewesen sein, der den Hinweisgeber zu seiner Meldung an die Polizei veranlasst hatte, sagte damals ein Polizeisprecher.
Der 51-Jährige soll bei seiner Festnahme zu den Vorwürfen keine Angaben gemacht haben. Ob und in welcher Beziehung er zu der Getöteten stand, war damals unklar. Gülsah S. war zuletzt am 21. Juli lebend gesehen worden. Am 28. August wurde ihr Leichnam von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs keine 20 Meter von Klettergerüst und Schaukel entfernt in einem kurzen Wasserlauf entdeckt. Sie waren gerufen worden, um Unrat zu entfernen, mehrere schwarze Plastiksäcke und eben auch den Koffer.
Den Arbeitern war danach eine psychologische Betreuung angeboten worden. Die Kriminalpolizei Esslingen wiederum richtete eine 44-köpfige Sonderkommission ein, um den Fall aufzuklären. Etwas mehr als drei Wochen nach dem Leichenfund nahmen Einsatzkräfte den Verdächtigen in seiner Wohnung fest.
