Linksabbiegen ist hier nicht erlaubt

Aus Richtung Stuttgart kommend dürfen Verkehrsteilnehmer nicht in die Donaustraße einbiegen. Das ist noch nicht bis überall hin durchgedrungen, wie der tödliche Unfall vom Wochenende zeigte. Ein Unfallschwerpunkt ist die Kreuzung dennoch nicht.

Trotz des tragischen Unfalls vom Samstag ist die B-14-Kreuzung in Backnang-Waldrems der örtlichen Polizei bisher nicht als besondere Gefahrenstelle aufgefallen. Foto: 7aktuell.de/S. Adomat

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Trotz des tragischen Unfalls vom Samstag ist die B-14-Kreuzung in Backnang-Waldrems der örtlichen Polizei bisher nicht als besondere Gefahrenstelle aufgefallen. Foto: 7aktuell.de/S. Adomat

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Ein tragisches Ende hat am Samstagnachmittag ein Unfall zwischen einem BMW-Fahrer und einem Motorradfahrer in Waldrems genommen: Nach einem Frontalzusammenstoß an der B-14-Kreuzung starb der Zweiradfahrer. Inzwischen steht fest: Beide Fahrer waren bei Rot in die Kreuzung gefahren. Das bestätigte gestern ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Aalen. Zudem hätte der BMW-Fahrer aus der Richtung Stuttgart kommend gar nicht nach links in die Donaustraße einbiegen dürfen. Seit dem vierspurigen Ausbau der Bundesstraße bis zur Illerstraße ist das Abbiegen nach links aus dieser Richtung kommend nur noch an der Kreuzung zur Illerstraße möglich. Dieser Umstand wurde auf der Facebook-Seite der BKZ mehrfach zur Sprache gebracht. Glaubt man den Kommentaren dort, so war das Fehlverhalten des BMW-Fahrers allerdings kein Einzelfall.

Ein Nutzer berichtet, dass an dieser Kreuzung regelmäßig die Busspur als Ausfahrt genutzt und Rotphasen ignoriert würden. „Ich sehe es jeden Tag“, schreibt er. „Für manchen Autofahrer ist es eventuell irritierend, dass es da nicht mehr nach links geht“, mutmaßt ein anderer Facebook-Nutzer. Denn bis vor etwa anderthalb Jahren war das noch die Regel, erst dann wurde die Abbiegemöglichkeit auf die Illerstraße verlegt. „Man muss auch sagen: sehr schlechte Beschilderung!“, moniert ein anderer Nutzer.

Auch falsche Angaben eines Navigationsgeräts entlassen den Fahrer nicht aus der Verantwortung.

Hinzu kommt, dass manche Navigationsgeräte oder auch die vorgeschlagene Streckenführung von Google Maps an der Kreuzung zur Donaustraße immer noch ein Linksabbiegen vorgeben. Ob der BMW-Fahrer mit einem Navigationsgerät unterwegs war, ist laut Polizei noch nicht klar, das spiele aber auch keine Rolle, was die Schuldfrage betrifft. „Letztendlich ist das Navi nur ein Richtungsweiser. Der Verkehr ist an dieser Stelle klar geregelt und das Linksabbiegen durch ein entsprechendes Schild klar untersagt“, macht der Polizeisprecher klar. Die Verantwortung liegt beim Fahrer, der fehlerhaften Anweisung des Navigationsgeräts nicht zu folgen.

Um den genauen Unfallhergang zu untersuchen, wurde vonseiten der Polizei und der zuständigen Staatsanwaltschaft ein Gutachter hinzugezogen. Dieser ermittelt anhand der Unfallschäden auch, ob der Motorradfahrer womöglich zu schnell unterwegs war. Dazu könne man daher im Moment noch keine Aussage treffen, so der Polizeisprecher. Bis das Gutachten vorliegt, dauere es vermutlich einige Tage. Ein Gutachter werde dann zurate gezogen, wenn der Unfall besonders schwer sei, erklärt der Pressesprecher. Die Entscheidung obliege der Staatsanwaltschaft, ein entsprechender Rat werde für gewöhnlich von der Polizei gegeben.

Trotz des schweren Unfalls am Wochenende ist die Kreuzung der örtlichen Polizei nicht als Unfallschwerpunkt bekannt. Auch im Ordnungsamt der Stadt Backnang sind bisher keine Meldungen eingegangen, die die Kreuzung als besonders gefährlich beschreiben. „Durch die Beschilderung ist die Verkehrsführung deutlich vorgegeben“, sagt die städtische Pressesprecherin Christine Wolff. Sie könne sich höchstens vorstellen, dass Ortskundige anfangs, der Gewohnheit folgend, links abgebogen seien.

Für die Ewigkeit hat die momentane Verkehrssituation aller Voraussicht nach nicht Bestand. Gemäß den Planungen für den vierspurigen Ausbau der B14 ist am Knoten Waldrems eine Tunnellösung vorgesehen. Der Verkehr auf der Bundesstraße soll kreuzungsfrei, vierspurig und unterirdisch durch den südlichsten Backnanger Stadtteil geleitet werden. Wer von Stuttgart kommend nach links in Richtung Donaustraße fahren will, soll über eine Ausfahrt in einen oberirdischen Kreisverkehr geleitet werden. Die Umbauarbeiten hätten ursprünglich direkt im Anschluss an den Ausbau der Strecke von Nellmersbach starten sollen, doch die Planer wurden von schwierigen geologischen Verhältnissen überrascht. Neben dem zweiten Viadukt über die Etzwiesen und der Anschlussstelle Backnang-West ist der Waldremser Knoten das dritte B-14-Großprojekt in Backnang, das in den kommenden Jahren verwirklicht werden soll.

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Erstellt:
22. September 2020, 06:00 Uhr

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