Iran-Krieg
Lösung im Streit um Straße von Hormus?
Der Iran verhandelt mit dem Nachbarn und Hormus-Anrainer Oman über eine gemeinsame Verwaltung der weltwirtschaftlich wichtigen Meerenge.
© Rouzbeh Fouladi/ZUMA Wire/dpa
Zug von Teheran nach Ankara: Israels Militär warnt Iraner vor Aufenthalt in Zügen und auf Bahnsteigen.
Von Thomas seibert
Kurz vor Ablauf des Ultimatums von US-Präsident Donald Trump an den Iran zeichnet sich eine mögliche Lösung im Streit um die Straße von Hormus ab. Der Iran verhandelt mit dem Nachbarn und Hormus-Anrainer Oman über eine gemeinsame Verwaltung der weltwirtschaftlich wichtigen Meerenge, wie offiziell bestätigt wurde. Trump bezeichnete die neuesten iranischen Vorschläge als bedeutend aber nicht ausreichend. Vermittler bemühten sich am Dienstag in einem Wettlauf gegen die Zeit, den Krieg vor der Trump gesetzten Frist zu beenden.
Gewaltspirale in Gang
Denn Trump droht mit der „kompletten Zerstörung“ von Brücken und Kraftwerken im Iran ab 2 Uhr MESZ am Mittwoch, wenn Teheran bis dahin die Blockade des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus nicht aufgegeben hat. Innerhalb weniger Stunden werde der Iran bei den Bombardements seine gesamte Infrastruktur unwiederbringlich verlieren, sagte Trump am Montagabend. Einwände, diese Angriffe seien Kriegsverbrechen, wischte er vom Tisch. Er habe „überhaupt keine“ Bedenken, sagte er.
Der Iran will auf die angedrohten US-Angriffe mit ausgeweiteten Vergeltungsschlägen gegen die arabischen Golf-Staaten reagieren, was die Ölpreise weiter hochtreiben und den weltwirtschaftlichen Schaden des Krieges vergrößern könnte. Auch zivile Ziele würden bei den Vergeltungsangriffen bombardiert, kündigte die iranische Revolutionsgarde an.
Schon am Dienstag eskalierten die amerikanisch-israelischen Angriffe im Iran und die iranischen Luftschläge am Golf. Der Iran meldete Angriffe auf Flughäfen, Brücken und Fabriken. Israel warnte die Iraner, sie sollten sich von Zügen und Bahnhöfen fernhalten. Der katarische Sender Al-Dschasira meldete mindestens drei schwere Explosionen in der Hauptstadt Teheran. Nach iranischen Angaben wurde eine Synagoge in Teheran zerstört.
Maut für das Nadelöhr
In Saudi-Arabien wurde eine petrochemische Fabrik von iranischen Geschossen getroffen. Die Vereinigten Arabischen Emirate wehrten nach eigenen Angaben neue iranische Angriffe ab, in Bahrain gab es Luftalarm. Eine Autobahnbrücke zwischen Saudi-Arabien und Bahrain wurde aus Furcht vor Angriffen vorübergehend gesperrt.
Pakistan bemüht sich zusammen mit Ägypten und der Türkei, die neue Eskalation zu stoppen. Diese Bemühungen seien nun in einer „kritischen“ Phase, erklärte der iranische Botschafter in Islamabad, Reza Amiri Moghadam, am Dienstag. Pakistanische Diplomaten hatten den USA am Montag einen Zehn-Punkte-Vorschlag aus Teheran weitergeleitet, der von Trump als Fortschritt begrüßt wurde. Der Plan reiche aber noch nicht aus, sagte der US-Präsident. Zuvor hatte der Iran den Vorschlag für eine 45-tägige Feuerpause abgelehnt. Teheran befürchtet, dass USA und Israel die Waffenruhe nutzen könnten, um neue Angriffswellen vorzubereiten.
Laut Berichten iranischer und amerikanischer Medien enthalten die zehn Punkte des Teheraner Plans die Forderungen nach einem sofortigen und vollständigen Ende des Krieges und nach Garantien gegen eine Wiederaufnahme des Konflikts sowie einen Vorschlag für die Zukunft des Tankertransits durch die Straße von Hormus.
Der frühere iranische Diplomat Amir Mousawi sagte der „New York Times“, Teheran wolle, dass der US-Kongress und die UNO die geforderte Nichtangriffsgarantie aussprechen sollten, weil der Iran der Trump-Regierung nicht traue. Das iranische Regime verlangt dem Blatt zufolge auch, dass nicht nur die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran enden, sondern auch der israelische Feldzug gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon.
Die Regierung des Sultanats Oman bestätigte Verhandlungen mit dem Iran über eine gemeinsame Verwaltung der Straße von Hormus. In den Gesprächen mit Teheran gehe es um eine störungsfreie Passage von Schiffen durch die Meeresstraße, erklärte der Oman. Vor der iranischen Blockade wurden täglich 20 Millionen Barrel Öl – ein Fünftel des weltweiten Bedarfs – in Tankern durch die Meerenge transportiert. Oman liegt am südlichen Ufer der Meerenge, der Iran am nördlichen.
Eine Einigung auf eine gemeinsame Verwaltung zwischen dem Iran und dem US-Partner Oman könnte es Trump ermöglichen, die Freigabe des Schiffsverkehrs als Erfolg des US-Drucks zu präsentieren. Der Iran würde sich Einfluss auf den Tankerverkehr bewahren.
Einzelheiten einer möglichen iranisch-omanischen Einigung waren am Dienstag nicht bekannt. Trump besteht bisher auf einer ungehinderten Durchfahrt aller Schiffe durch die Meerenge. Der Iran lässt derzeit nur die Schiffe von Staaten durch, die von Teheran nicht zum Lager der Kriegsgegner gezählt werden.
Zudem erhebt der Iran laut Medienberichten hohe Mautgebühren für die Durchfahrt und will diese für die Zeit nach dem Krieg gesetzlich festschreiben lassen, um die Reparatur von Kriegsschäden zu finanzieren. Die Maut für Tanker und andere Schiffe gehört nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zu den iranischen Forderungen für ein Ende des Krieges. Der Iran will sich die Einnahmen mit dem Oman teilen.
