Lückenschluss auf dem Backnanger Krankenhausareal

Mit einem symbolischen Baggerbiss hat der Abriss des ehemaligen Klinikparkhauses in Backnang begonnen. In den nächsten drei Jahren sollen an dieser Stelle eine neue Parkgarage und darüber sieben Gebäude mit insgesamt 48 Sozialwohnungen entstehen.

Blick in die Zukunft: Der Parkplatz an der Karl-Krische-Straße wird überdeckelt, darüber entstehen sieben Wohngebäude in Holzhybridbauweise. Visualisierung: Kreisbaugesellschaft

Blick in die Zukunft: Der Parkplatz an der Karl-Krische-Straße wird überdeckelt, darüber entstehen sieben Wohngebäude in Holzhybridbauweise. Visualisierung: Kreisbaugesellschaft

Von Kornelius Fritz

Backnang. Es gab Zeiten, da waren Vertreter der Kreisverwaltung in Backnang nicht gerne gesehen. Mit der Entscheidung, das hiesige Krankenhaus zu schließen und abzureißen, hatte sich der ehemalige Landrat Johannes Fuchs an der Murr keine Freunde gemacht. Als gestern sein Nachfolger Richard Sigel nach Backnang kam, um weitere Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Krankenhausareal zu starten, wurde er jedoch herzlich empfangen. Oberbürgermeister Maximilian Friedrich lobte sogar ausdrücklich die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis bei diesem Projekt.

Dem alten Parkdeck, von dem der Abrissbagger zum symbolischen Baustart gestern ein erstes Stück abknabberte, wird in Backnang wohl auch kaum jemand nachtrauern. Schließlich will die Kreisbaugesellschaft an selber Stelle nicht nur eine neue, deutlich komfortablere Parkgarage bauen, sondern obendrauf auch noch sieben dreigeschossige Gebäude mit insgesamt 48 Sozialwohnungen. So entsteht nicht nur bezahlbarer Wohnraum, der in Backnang dringend benötigt wird, sondern es wird auch die letzte größere Baulücke auf dem ehemaligen Krankenhausareal geschlossen.

Neue Parkgarage mit Aufzug und 230 Stellplätzen

Oberbürgermeister Maximilian Friedrich freut sich über das Engagement der kreiseigenen Baugesellschaft, die hier insgesamt 28 Millionen Euro investiert. Der Kreistag hatte dies mit einer Kapitaleinlage von fünf Millionen Euro unterstützt. „Die Zusammenarbeit zwischen der Kreisbaugesellschaft und der Stadt Backnang trägt mit diesem Projekt bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums erstmals Früchte“, erklärte Friedrich. Landrat Richard Sigel erinnerte an das bereits 2018 definierte Ziel, innerhalb von zehn Jahren 500 neue, bezahlbare Mietwohnungen im Rems-Murr-Kreis zu schaffen. „So, wie es aussieht, werden wir dieses Ziel schon deutlich früher erreichen“, verkündete Sigel stolz.

Die Streitigkeiten zwischen Stadt und Landkreis sind längst vergessen: Backnangs Oberbürgermeister Maximilian Friedrich (links) und Landrat Richard Sigel beobachten gemeinsam, wie der Abrissbagger seine Arbeit macht. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Die Streitigkeiten zwischen Stadt und Landkreis sind längst vergessen: Backnangs Oberbürgermeister Maximilian Friedrich (links) und Landrat Richard Sigel beobachten gemeinsam, wie der Abrissbagger seine Arbeit macht. Foto: Alexander Becher

Verbesserungen verspricht Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune aber auch den künftigen Nutzern der neuen Parkgarage. Diese wird mit Aufzügen erschlossen und damit barrierefrei. Sowohl die Rampen als auch die Stellplätze werden breiter, trotzdem wird es am Ende nicht weniger, sondern mehr Parkplätze geben als heute – insgesamt 230 Stück. Auch Ladesäulen für Elektrofahrzeuge, überdachte Stellplätze für Fahrräder und Pedelecs und ein Carsharing-Angebot sind vorgesehen.

Begrünte Freiflächen sind geplant.

Der Neubau bringe außerdem ökologische Verbesserung mit sich, erklärte Braune. Während heute der komplette Parkplatz zubetoniert ist, würden nach der Überdeckelung begrünte Freiflächen entstehen. Auf den Dächern der Gebäude sind zudem Fotovoltaikanlagen mit einer Jahresleistung von insgesamt 130000 Kilowattstunden geplant. „Dadurch werden jedes Jahr 61 Tonnen CO2 gespart“, rechnete der Geschäftsführer vor. Braunes Fazit: „Wir machen da was richtig Gutes draus.“

Bevor es so weit ist, müssen sich Anwohner und Besucher allerdings auf erhebliche Behinderungen und jede Menge Lärm in der Karl-Krische-Straße einstellen. Zwar wird die Parkgarage in zwei Abschnitten abgerissen, sodass zumindest ein Teil der Parkplätze weiterhin zur Verfügung steht. In der ersten Bauphase sind das allerdings gerade mal 46 Stück. Weitere 27 Parkplätze werden vorübergehend auf dem Quartiersplatz eingerichtet. Für die Beschäftigten im Gesundheitszentrum gibt es zudem Stellplätze auf dem Aurelis-Areal an der Maubacher Straße, das allerdings rund 600 Meter entfernt liegt. Ute Ulfert, die zusammen mit ihrem Mann eine Arztpraxis im Gesundheitszentrum betreibt, sieht die Situation durchaus kritisch. „Wir haben hier oben schon zehn Jahre Baustelle und jetzt noch einmal drei weitere Jahre. Das ist nicht ohne“, sagt die CDU-Stadträtin. Neben Lärm und Staub befürchtet Ulfert auch, dass ihre Patienten, darunter viele Ältere und Gehbehinderte, während der Bauzeit keinen Parkplatz in der Nähe der Praxis finden werden. Sie hofft, dass die Ausweichparkplätze auf dem Quartiersplatz zumindest noch besser ausgeschildert werden. Viele Autofahrer wüssten davon nämlich gar nichts.

Abriss und Neubau in zwei Abschnitten: 2025 soll alles fertig sein

Bernhard Waldmann und Stefan Dieterle von der Baufirma Geiger versprechen zwar, dass man die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich halten werde, Waldmann sagt aber auch: „Ein Abriss ohne Lärm ist natürlich nicht möglich.“ Der Zeitplan sieht vor, dass zunächst der zur Weissacher Straße liegende Teil des Parkdecks abgerissen wird, das soll etwa drei Monate dauern. Anschließend wird die dreistöckige Parkgarage auf dieser Seite neu gebaut.

Erst wenn diese in etwa einem Jahr fertig ist, beginnt der Abriss des hinteren Teils. Auch die Wohnungen werden dementsprechend in zwei Abschnitten fertig: Etwa 20 sollen Mitte 2024 bezugsfertig sein, der Rest voraussichtlich ein Jahr später.

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Erstellt:
22. Juni 2022, 06:00 Uhr

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