Magische Weihnachten am Bildschirm

Zu Weihnachten hat der Murrhardter Zauberkünstler Jörg Burghardt sich etwas Besonderes ausgedacht: Er hat seinem Publikum online eine interaktive Show geboten und es mit allerlei Tricks verblüfft.

„Hier geht halt alles mit Mag(g)ie“: Der Murrhardter Jörg Burghardt verzaubert am zweiten Weihnachtsfeiertag sein Publikum via Online-Konferenz. Foto: J. Fielder

© Jörg Fiedler

„Hier geht halt alles mit Mag(g)ie“: Der Murrhardter Jörg Burghardt verzaubert am zweiten Weihnachtsfeiertag sein Publikum via Online-Konferenz. Foto: J. Fielder

Von Renate Schweizer

MURRHARDT. Viele kannten und konnten es schon, andere haben es erst in den letzten Monaten gelernt: Zoom-Veranstaltungen am Computerbildschirm besuchen. Der Entertainer Jörg Burghardt lud zur Zaubershow am zweiten Weihnachtsfeiertag in sein „Zauberstudio“, denn dazu hat er in den letzten Monaten das heimische Büro umgebaut. Damit die etwa 30 Familien (insgesamt fast 100 Personen), die sich da online versammeln, vom ersten Moment an merken, dass das hier keine Aufzeichnung ist, sondern ein echtes Liveevent, sind sie von der ersten Sekunde an einbezogen: Löffel, Messer und Gabel aus der je eigenen Geschirrschublade liegen bereit in beliebiger, selbst gewählter Reihenfolge und dann fordert der Zauberkünstler auf, die Teile zu tauschen: Falls ein Besteckteil rechts vom Löffel liegt, die Teile tauschen und das jetzt äußerste linke Teil in die Mitte legen und das mittlere unten quer und das rechte ganz nach links. Man muss Fuchs und Hase sein und sich konzentrieren und darf rechts und links nicht verwechseln und hast du nicht gesehen. Man weiß nicht, wie’s zugegangen ist, auf einmal haben alle die Gabel in der linken Hand und den Löffel in der rechten und das Messer liegt unten quer. Gelächter auf allen Sofas und unter den Weihnachtsbäumen, die Daumen gehen hoch, der Bann ist gebrochen, wir sind dabei: Willkommen zur Zaubershow.

Die Kamera ist immer direkt auf das Geschehen gerichtet, man erwischt Burghardt dennoch nicht.

„Die Interaktion mit dem Publikum ist ganz wichtig“, erklärt Burghardt später, als er seine Show bereits absolviert hat. „Sonst ist es wie Fernsehen und die Menschen zappen dich weg, wenn sie sich langweilen.“ Es fühlt sich tatsächlich ganz ähnlich an wie bei einer Präsenzveranstaltung: Einzelne Zuschauer oder eben ganze Familien, willkürlich aus dem Publikum „gefischt“, werden auf die Bühne, nein, den Bildschirm geholt und bestimmen beispielsweise die Reihenfolge von Zahlenkarten – und in einer anderen Familie taucht das Ergebnis in verblüffender Übereinstimmung auf – Zauberei eben, was könnte das sonst sein? „Tja, hier geht halt alles mit Mag(g)ie“, flachst der Unterhaltungskünstler und schwupp zieht er eine Maggiflasche hervor und tropft je einen Tropfen der Speisewürze auf die Gegenstände, die er jetzt gleich vertauschen oder verschwinden lassen wird.

Die Kamera ist immer direkt auf das Geschehen gerichtet, man denkt, man müsste ihn eigentlich erwischen, aber das klappt nie. „Für mich ist es eine Riesenherausforderung“, erklärt Burghardt. „In der Präsenz tragen mich ja die Publikumsreaktionen. Online hab ich die erst mal nicht, da bin ich ganz auf die Kamera fokussiert – es ist eine andere Konzentration, die da nötig ist.“ Das Zaubern selbst muss so Routine sein, dass es praktisch aus dem Unterbewusstsein kommt. Die Reaktionen sieht er nur jeweils in der „Applausphase“, da linst er kurz auf die Bilder seiner Zuschauer und kann sehen, ob sie lachen und wie’s ihnen geht. Hören kann er sie nur ausnahmsweise, wenn er bei Einzelnen das Mikrofon aktiviert. Dafür freut er sich über jede Rückmeldung hinterher, die Menschen schreiben ihm E-Mails: „Vielen Dank für die kurzweilige und lustige Show“, heißt es da zum Beispiel, „Du hast uns den Nachmittag verzaubert“, „Voll cool!“ oder „Ich würde am liebsten die ganze Zeit klatschen“. Das tut gut, ganz klar.

Und mit den besonderen Bedingungen einer Show vor der Kamera war er schon vor Corona einigermaßen vertraut. Als Unterhaltungsprofi hat er häufig Videos gedreht, um sein Angebot vorzustellen und für sich zu werben. Und jetzt? „Ich hatte ein paar halbspontane Online-Weihnachtsfeiern – und es gibt die Novemberhilfe“. Er ist dankbar und eigentlich ganz zuversichtlich.

An der Zaubershow hat er nichts verdient, es war Weihnachten, warum um alles in der Welt treibt er diesen Aufwand? „Es geht gar nicht primär ums Geld“, sagt Burghardt. „Ich würde doch verrückt, wenn ich nicht arbeiten dürfte. Ich will im Training bleiben und Sinn in dem sehen, was ich tue.“ Seine eigene Familie lebt weit weg und dieses Jahr gibt’s keine Besuche, er hält sich an die Regeln und findet sie sinnvoll. „Aber das kann ich Ihnen sagen,“ erklärt er zum Schluss: „Ich freu mich jetzt schon auf Ostern!“

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Erstellt:
28. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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