Neues Heizungsgesetz
Mannheim und der Kampf gegen das Gas
Mannheim wollte eigentlich bis 2035 das Gasnetz stilllegen. Was verändert sich nun für die Ziele der Stadt, wenn reine Gasheizungen länger eingebaut werden dürfen?
© Imago/Schöning
Mannheim hat sehr ambitionierte Klimaziele und macht mit bei der EU-Mission „100 klimaneutrale Städte bis 2030“. Im Bild ist der Wasserturm am Friedrichsplatz zu sehen.
Von Thomas Faltin
Es ist leiser geworden um Mannheim, das schon 2024 als erste Stadt in Deutschland verkündet hatte, bis 2035 das Gasnetz vollständig stillzulegen. Überall im Land hatte man plötzlich über Mannheim gesprochen, und die Diskussionen waren laut und hitzig, auch in Mannheim selbst. Doch im März 2025 entschied der Gemeinderat mehrheitlich, sich lieber nicht auf ein festes Datum für den Ausstieg aus dem Gas festzulegen.
Der Sprecher der Stadt, Dirk Schuhmann, sagt deshalb heute auf Anfrage eher nebenbei: „Es ist nach wie vor davon auszugehen, dass auch 2035 noch Gasheizungen in Mannheim betrieben werden.“ Und der Energieversorger MVV, der mehrheitlich der Stadt Mannheim gehört, verkündet seither wieder etwas kleinlaut: „Die MVV verfolgen beim Gasnetzrückzug kein fixes Ausstiegsdatum.“
Stadt Mannheim sieht in Gasheizung keine „zukunftsfeste“ Lösung
Insofern überrascht es nicht, dass die Stadt Mannheim jetzt einigermaßen entspannt auf die Eckpunkte des geplanten neuen Heizungsgesetzes der Bundesregierung reagiert. Man werde den Mannheimer Weg fortsetzen, sagt Dirk Schuhmann – auch wenn Gasheizungen länger erlaubt bleiben.
Und dieser Weg bestehe darin, den Bürgern „dauerhafte Lösungen für klimafreundliches und bezahlbares Heizen aufzuzeigen und sie möglichst früh auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft mitzunehmen“, so Schuhmann.
Mannheim will Verbraucher vor Fehlentscheidungen schützen
Gas- und Ölheizungen seien weiterhin keine zukunftsfesten Wärmelösungen, schon weil die notwendige Beimischung von Biogas mutmaßlich teuer werde. Schuhmann: „Die Stadt will verhindern, dass sich Bürgerinnen und Bürger heute noch für viel Geld eine neue Gas- oder Ölheizung einbauen lassen, die dann in zehn oder 15 Jahren wegen kontinuierlich steigender Brennstoffpreise, CO2-Abgaben und Netzentgelte durch eine klimafreundliche Alternative ersetzt werden muss.“
Ein Problem dürfte Mannheim aber trotzdem bekommen, wie alle anderen Städte auch: Die angestrebte Klimaneutralität bis 2030 könnte wackeln. Für den Wärmebereich hat Mannheim dies zwar sowieso erst für 2040 angepeilt, aber auch das könnte schwierig werden. Laut dem kommunalen Wärmeplan wollte Mannheim im Jahr 2030 im Wärmebereich schon einen Großteil der CO2-Emissionen eingespart haben – von 793.602 Tonnen Kohlendioxid im Jahr 2020 sollten im Jahr 2030 nur noch 180.611 Tonnen übrig bleiben und im Jahr 2040 nahezu Null.
Um aber möglichst viele Bürger zu motivieren, eine klimafreundliche Heizung einzubauen, gibt es weiterhin ein gerade aktualisiertes Förderprogramm der städtischen Klimaschutzagentur. So gewährt die Stadt für eine Wärmepumpe im Ein- oder Zweifamilienhaus beziehungsweise für einen Anschluss ans Fernwärmenetz bis zu 3000 Euro Zuschuss. Auch grundsätzlich sind diese Anschlusskosten im Vergleich zu anderen Städten relativ niedrig.
