Maschinenbau sieht schwierigste Corona-Phase überwunden

dpa/lsw Stuttgart. Für manche Maschinenbauer im Südwesten ist schon fast wieder Alltag, manch andere hingegen wird die Coronakrise noch lange begleiten. Das Schlimmste sieht Branchenverbands-Chef Birk überwunden, er warnt aber vor weiteren Unsicherheiten.

Dietrich Birk. Foto: picture alliance / Bernd Weissbrod/dpa/Archivbild

Dietrich Birk. Foto: picture alliance / Bernd Weissbrod/dpa/Archivbild

Der Maschinenbau in Baden-Württemberg hält die schlimmsten Auswirkungen der Corona-Pandemie für erst einmal überwunden - die Unsicherheit aber bleibt. „Trotz des aktuell zweiten Teil-Shutdowns gehen wir davon aus, dass die schwierigste Phase überstanden ist“, sagte der Geschäftsführer des Branchenverbandes VDMA im Südwesten, Dietrich Birk, der Deutschen Presse-Agentur. Viel hänge aber davon ab, wie lange die Pandemie noch dauere, wie lange die zuletzt positiven Effekte aus China anhielten und wie die Unternehmen die Ramp-up-Phase meisterten, also den Wiederhochlauf der Produktion und damit möglicherweise verbundene Finanzierungsprobleme.

Was den Umsatz angeht, werde die Branche insgesamt am Ende des Jahres mindestens zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau landen, sagte Birk. Vor allem der Werkzeugmaschinenbau und das Geschäft mit Präzisionswerkzeugen seien enorm betroffen. Gut laufe es dagegen etwa bei Abfüll- und Verpackungsmaschinen und auch in der Medizintechnik.

Zwar rechnete laut VDMA zuletzt etwa jedes fünfte Unternehmen damit, schon 2021 wieder zurück aufs Vorkrisenniveau zu kommen. Etwa ein Viertel erwarte das allerdings frühestens 2023 - vor allem Firmen aus dem Auto- und Zuliefergeschäft.

Wichtig sei vor allem, die Liquidität der Unternehmen zu sichern, sagte Birk und forderte unter anderem eine weitere Ausweitung des sogenannten steuerlichen Verlustrücktrags und weitere finanzielle Hilfen auch noch im kommenden Jahr. Zweiter Knackpunkt sei die aktuelle Tarifverhandlungsrunde in der Metall- und Elektroindustrie. „Es gibt derzeit überhaupt keinen Verteilungsspielraum“, sagte Birk. Viele Unternehmen kämpften ums Überleben. Forderungen nach mehr Geld passten nicht in die Zeit. „Da ist die Bereitschaft gleich null.“

Insgesamt sei die Situation schon vergleichbar mit den Folgen der Finanzkrise 2008/09. Allerdings habe es damals einen weitaus stärkeren Einbruch gegeben. Dafür sei aber auch die Erholung kräftiger gewesen, vor allem wegen eines sehr starken Wachstums in China. Das sei in der Form heute nicht mehr vorhanden, zumindest spüre man dort aber die Erholung - im Gegensatz zu Deutschland, zu Europa und den USA. „Da fehlen uns derzeit die Impulse“, sagte Birk.

Für Unsicherheit in der Branche sorgt auch die Diskussion um eine weitere Verschärfung der Klimaziele für die Automobilbranche. „Wir hängen nach wie vor stark am Verbrennungsmotor und setzen gleichzeitig auf die Elektrifizierung“, sagte Birk. „Dieses Thema bereitet uns gerade richtig Sorge.“ Bislang habe man eine gewisse Planungssicherheit gehabt, nun würden wieder die Daumenschrauben angezogen - mit schwer vorhersehbaren Auswirkungen, kritisierte er und warnte zugleich davor, den Verbrenner zu verteufeln.

Auch die stetige Verbesserung und Weiterentwicklung der Technik bringe ein Geschäft mit sich, aber China hole auf und die heimische Branche drohe zurückzufallen. „Wir müssen darauf achten, dass wir den Vorsprung bei Verbrennern und damit auch in der Hybridtechnologie nicht verspielen“, sagte Birk.

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Erstellt:
24. Dezember 2020, 10:54 Uhr

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