Matarazzo für den VfB Stuttgart ein „Glücksfall“

dpa/lsw Stuttgart. Am 30. Dezember 2019 verkündete der VfB Stuttgart die Verpflichtung von Pellegrino Matarazzo als neuem Cheftrainer. Was öffentlich erst skeptisch beäugt wurde, hat sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt.

Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo steht vor einem Spiel im Stadion. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild

Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo steht vor einem Spiel im Stadion. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild

Sven Mislintat fühlt sich in seiner Auswahl bestätigt und für sein eingegangenes Risiko belohnt. „Ein absoluter Glücksfall“ sei Pellegrino Matarazzo für den VfB Stuttgart, sagte der Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten neulich. Er lobte den 43 Jahre alten Trainer der Schwaben für seine Art der Zusammenarbeit, sein Fachwissen und seine Sozialkompetenz. „Das sollte reichen“, sagte Mislintat zum Abschluss seiner Lobeshymne auf Matarazzo und flachste: „Sonst trinkt er über Silvester zu viel.“

Grund zum Anstoßen hat Matarazzo zum Jahreswechsel definitiv. Hinter ihm liegen seine ersten zwölf Monate als Chefcoach einer Profimannschaft. Und die verliefen überaus erfolgreich. „Höhen und Tiefen“ hätte es gegeben, sagte der Italo-Amerikaner selbst, nachdem sein Team das Jahr vorige Woche mit dem Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals abgerundet hatte. Die Höhen überwogen aber. „Unterm Strich steht, dass wir unser Ziel mit dem Aufstieg erreicht haben und jetzt auf einem richtig guten Weg sind“, resümierte Matarazzo. „Mit jedem Rückschlag und jedem Erfolg lernen und wachsen wir.“

Das gilt auch für ihn persönlich. Aus dem großen Unbekannten ist längst die große Überraschung geworden. Als sich der VfB einen Tag vor Heiligabend 2019 auf Platz drei der Zweitliga-Tabelle liegend von Ex-Coach Tim Walter trennte, war das Aufsehen groß. Und mindestens genauso groß war die Skepsis in Teilen der Öffentlichkeit, als der Club eine Woche später die Verpflichtung von Matarazzo als Walters Nachfolger verkündete.

Der in den USA geborene Sohn italienischer Einwanderer hatte zuvor unter anderem als Co-Trainer von Julian Nagelsmann bei der TSG 1899 Hoffenheim sowie im Nachwuchs der Kraichgauer und des 1. FC Nürnberg gearbeitet. Die Aufgabe, die ihn beim VfB erwartete, schien daher gewaltig. Doch er meisterte sie.

Der Weg zum Aufstieg im Sommer verlief noch etwas holprig. Nach vier Siegen in den ersten fünf Zweitliga-Spielen unter Matarazzo blamierten sich die Stuttgarter unter anderem mit Niederlagen bei Wehen Wiesbaden und Holstein Kiel. Doch mitten hinein in die Phase, in der die anvisierte Rückkehr in die Bundesliga in Gefahr geriet, verlängerte der VfB den Vertrag mit Matarazzo vorzeitig bis Ende Juni 2022. Einige dürften „uns und insbesondere mich für verrückt erklärt haben“, sagte Mislintat kürzlich rückblickend dazu. Doch der Mut der sportlichen Führung der Schwaben zahlte sich aus.

Matarazzo hat der jungen Mannschaft des VfB einen ebenso offensiven wie erfrischenden Spielstil verordnet und sie erstaunlich schnell wieder in der Bundesliga etabliert. Mit 18 Punkten liegt sie nach 13 Spieltagen auf einem respektablen siebten Tabellenplatz - und bereits acht Zähler vor dem Relegationsrang 16.

Die unbekümmerten Auftritte der neuen jungen Wilden um Toptorschütze Silas Wamangituka und Aufstiegsheld Nicolas González begeistern nicht nur die VfB-Fans vor dem Fernseher. „Er ist ein ganz wichtiger Faktor für die Entwicklung von Spielern“, sagte Mislintat über Matarazzo. Und damit auch ein wichtiger Faktor für den neuen Weg, den der fünfmalige deutsche Meister nach Jahren des Schlingerkurses inzwischen eingeschlagen hat.

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Erstellt:
29. Dezember 2020, 12:02 Uhr

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