Medien-Akademie in Stuttgart geplant

dpa/lsw Stuttgart. Viele Menschen haben in der Corona-Krise ihre Tageszeitungen neu schätzen gelernt. Es gab eine große Nachfrage nach sauber recherchierter Berichterstattung. Doch die Branche ist in einem tiefen Umbruch. Die Redakteursausbildung soll daher verbessert werden.

In Baden-Württemberg soll eine Medien-Akademie zur Aus- und Fortbildung von Journalistinnen und Journalisten entstehen. Der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) rechnet dafür mit Fördermitteln des Landes. „Wir führen Gespräche mit der Politik“, sagte der VSZV-Vorsitzende Valdo Lehari jr. der Deutschen Presse-Agentur.

Die geplante Akademie in Stuttgart ist ein gemeinsames Projekt mit dem Deutschen Journalisten-Verband. Vorbild ist die Akademie der Bayerischen Presse in München, die vom Freistaat mit mehr als 500 000 Euro im Jahr unterstützt wird.

Die grün-schwarze Landesregierung hatte im Koalitionsvertrag im Mai vereinbart, die berufliche Aus- und Fortbildung von Journalisten traditioneller Medienhäuser zu fördern. Auch selbstständige Journalistinnen und Journalisten sowie Bloggerinnen und Blogger sollen davon profitieren.

Die Verlage stehen unter Druck, weil ihr Werbegeschäft im Corona-Jahr 2020 um rund 20 Prozent eingebrochen ist. Für das laufende Jahr rechnet Lehari mit einem Minus von zehn Prozent.

Der Verband fordert Unterstützung von der Politik, die etwa ihre Corona-Informationen mit Zeitungsanzeigen verbreiten könnte. Es sei unverständlich, „dass die Zeitungen als Werbeträger in der Krise nicht stärker als lokales Verlautbarungsmedium für die Maßnahmen der Politik genutzt wurden“, heißt es im neuen VSZV-Geschäftsbericht. „Lokale Zeitungswerbung wirkt nachweislich.“

Lehari sieht auch den Bund in der Pflicht: Die sozialversicherungsfreie Minijobgrenze müsse wie versprochen von 450 Euro auf mindestens 600 Euro Monatsentgelt erhöht werden.

Bei der VSZV-Jahrestagung am Dienstag (13. Juli) in Stuttgart stellt sich Lehari als Vorsitzender zur Wiederwahl. Der Verleger des „Reutlinger General-Anzeigers“ leitet seit 20 Jahren den Verband. Er ist damit der dienstälteste Zeitungsverlegerchef in Deutschland.

Die Auflagen der Tageszeitungen in Baden-Württemberg sanken im vergangenen Jahr um rund zwei Prozent auf 1,6 Millionen. Die E-Paper-Auflagen stiegen um 20 Prozent auf rund 200.000 Exemplare. Die Tageszeitungsverlage im Land beschäftigen fast 1800 Redakteurinnen und Redakteure.

© dpa-infocom, dpa:210711-99-337294/2

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Erstellt:
11. Juli 2021, 09:20 Uhr

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