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Mehr als 50 bestätigte Fälle im Landkreis

Testzentrum nimmt Abstriche im Zehnminutentakt vor – An den Krankenhäusern wird die Schutzausrüstung knapp

Mehr als 50 bestätigte Fälle im Landkreis

Von Peter Schwarz und Martin Winterling

WAIBLINGEN. Die Tendenz ist eindeutig: Die Zahl der Coronainfizierten steigt mit stürmischer Dynamik. Während bis Anfang März im Rems-Murr-Kreis noch keine einzige Infektion zu verbuchen war und in den acht Tagen vom 2. bis zum 9. März nur fünf Fälle bestätigt wurden, deutet die Kurve seit dem 10. März steil nach oben: In den sechs Tagen vom 10. bis zum 15. März bestätigte das Landratsamt 36 neue Ansteckungen. Am Montag meldete die Behörde acht weitere Fälle: zwei in Waiblingen, zwei in Schorndorf, zwei in Backnang, einen in Fellbach, einen in Leutenbach. Gestern kamen fünf Fälle hinzu: Drei in Backnang, einer in Weissach im Tal und einer in Korb.

Aktuell liegt das Epizentrum des Infektionsgeschehens im Bereich rund um Waiblingen, einschließlich der umliegenden Orte Fellbach, Korb und Weinstadt: 27 von 54 Fällen – also genau die Hälfte aller bislang amtlich belegten Ansteckungen – sind hier angesiedelt. Insgesamt sind 54 Coronaansteckungen natürlich noch nicht viel. Es ist aber erstens davon auszugehen, dass sich das Ansteckungsgeschehen in den nächsten Tagen, wohl auch Wochen, weiterhin rasant fortsetzt. Und zweitens kann momentan niemand abschätzen, wie hoch die Dunkelziffer ist. Gleich fünf Landkreise in der Region Stuttgart – Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr – haben einen ungewöhnlichen Schulterschluss vollzogen und eine gemeinsame Pressemitteilung herausgegeben. Es gelte jetzt, „enger zusammenzurücken“ und „gemeinsam zu handeln“. Schon seit zwei Wochen weist Rems-Murr-Landrat Richard Sigel zusehends dringlicher darauf hin, wie wichtig es ist, Maßnahmen jetzt zu koordinieren. Alles andere führe zu Verunsicherung. In der Pressemitteilung der fünf Landkreise heißt es, es sei „wichtig, dass überall die gleichen Beschränkungen den Alltag der Menschen bestimmen“ – und es sei entscheidend, dass diese Beschränkungen auch überall durchgesetzt werden. Deshalb sei die Verordnung des Landes ausdrücklich zu begrüßen. Die fünf Landratsämter, die sich am Montag auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt haben, sind da eindeutig weiter: In allen ihren Häusern ist der Publikumsverkehr „auf ein Minimum reduziert“.

In den Rems-Murr-Kliniken plagt das medizinische Personal eine große Sorge: der drohende Engpass bei der Versorgung mit Schutzausrüstung. Dieses Problem hat Landrat Sigel bereits vor Tagen dringend angesprochen – und nun wandten sich die fünf Landkreise aus der Region Stuttgart noch mal mit Nachdruck an Bund und Land: Der Nachschub sei trotz allen Drängens „noch immer nicht verbindlich sichergestellt“. Die kommunalen Kliniken in der Region haben sich darauf verständigt, dass es derzeit „weder Wettbewerb noch Konkurrenz“ gebe – die Gesundheitsversorgung zu sichern, sei jetzt eine „gemeinsame Aufgabe“. Und gemeinsam kann man, so die Hoffnung, auch noch mehr Druck machen, damit Bund und Land endlich ihre Nachschubhausaufgaben erledigen.

Anfang März wurde das Testzentrum in Schorndorf eröffnet. Seit 5. März sind dort schon mehr als 400 Personen getestet worden. Ein bis zwei Ärzte nehmen im Zehnminutentakt Abstriche, allerdings nur nach Terminvereinbarung. Nicht jeder, der sich auf Corona untersuchen lassen will, kann sich testen lassen. Die Abläufe sind standardisiert. Das Ergebnis liegt in der Regel nach 24 Stunden vor. Ein Test ist dringend notwendig, wenn jemand innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem Risikogebiet gewesen ist und Symptome (von leichter Erkältung bis Lungenentzündung) hat oder innerhalb der letzten 14 Tage Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte.

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Erstellt:
18. März 2020, 06:00 Uhr

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Archivfoto: A. Becher
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