Mehr Stunden für die Schulsozialarbeit am Bize Weissacher Tal

Dank einer Aufstockung hat die Schulsozialarbeit am Bildungszentrum Weissacher Tal (Bize) mehr Arbeitszeit dazugewonnen. Die sei auch dringend nötig, sagt das Team. In den vergangenen zwei Jahren sei die Präventionsarbeit viel zu kurz gekommen.

Bei den „Kennenlerntagen“ stehen Kooperationsspiele auf dem Programm. Foto: privat

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Bei den „Kennenlerntagen“ stehen Kooperationsspiele auf dem Programm. Foto: privat

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. Feuerwehr spielen statt präventiv arbeiten: So hat die Schulsozialarbeit am Bildungszentrum Weissacher Tal (Bize) in den vergangenen zwei Jahren oft ausgesehen. Einzelfälle, die nicht warten konnten, hatten überhandgenommen. Für langfristige Projekte, die dazu beitragen sollen, Probleme schon von vornherein zu vermeiden, war kaum mehr Zeit geblieben. Das habe mit der Pandemie zusammengehangen, aber auch mit der Art, wie sich die Gesellschaft verändert hat, erklärt Melanie Hirsch, Schulsozialarbeiterin am Bize.

Eine große Rolle schreibt sie dabei Smartphones und sozialen Medien wie TikTok oder Instagram zu, die Themen wie Mobbing nochmals eine besondere Brisanz verleihen. Aber auch Angst vor der Schule oder vor großen Gruppen sowie psychische Erkrankungen treten ihr zufolge sehr viel öfter auf als noch vor ein paar Jahren. An diesem Vormittag hat Hirsch noch einen beruflichen Termin mit der Polizei. Das sei zwar nicht der Alltag, passiere aber schon immer mal wieder, sagt die 44-Jährige.

Die Arbeitszeit ist von 225 auf 325 Prozent aufgestockt worden

Die gelernte Erzieherin arbeitet bereits seit zehn Jahren am Bize. Mit ihr im Team sind die Sozialpädagoginnen Maike Holzmann und Kerstin Fuchs sowie der Heilpädagoge Benedikt Nentwich. Im Juli haben sie gute Nachrichten erhalten: Die Arbeitszeit der vier ist aufgestockt worden, von 225 auf insgesamt 325 Prozent. Aktuell durch Mittel aus dem Programm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ des Bundes und der Länder finanziert, soll die Aufstockung langfristig beibehalten werden. Für das Team, das in der Regel von zwei Freiwilligendienstlern unterstützt wird, ist das ein großer Grund zur Erleichterung. „Wir hoffen, dass die Einzelfälle und unsere Präventionsprojekte dadurch wieder mehr in Balance kommen“, sagt die 33-jährige Maike Holzmann, die an diesem Vormittag mit Hirsch im Besprechungszimmer sitzt.

Die Gründe, weshalb an die Tür der Schulsozialarbeit geklopft wird, sind vielfältig

Auf dem Couchtisch vor ihr stehen eine Schachtel mit Gummibärchen und Schokoriegeln und eine Box mit Taschentüchern. Gespräche unter vier Augen finden in diesem Zimmer statt. „Wir versuchen grundsätzlich, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen“, sagt Hirsch. „Als Erstes klären wir die Kinder und Jugendlichen darüber auf, dass alles, was wir besprechen, in diesem Raum bleibt – ähnlich wie bei einem Arztbesuch. Mit dem Bild kann jeder etwas anfangen. Dann lade ich die Kinder dazu ein, von sich aus zu erzählen.“ Das weitere Vorgehen, berichtet die Sozialarbeiterin, ergebe sich aus dem Anlass des Gesprächs. Vom Streit zwischen Freundinnen über Drogensucht und sexuelle Übergriffe bis hin zu Suizidgedanken – die Gründe, aus denen an die Tür der Schulsozialarbeit geklopft wird, sind vielfältig. Ob Hirsch sich nach dem Gespräch mit ihren Kolleginnen und dem Kollegen bespricht, die Eltern oder auch Stellen von außen wie zum Beispiel das Jugendamt mit ins Boot holt, das hängt vom jeweiligen Fall ab. Und davon, ob die Schülerin oder der Schüler das überhaupt möchte. „Wir stellen immer die Frage: Was wünschst du dir von uns, wie können wir dich am besten unterstützen?“, sagt Hirsch. Die Lösung werde stets zusammen mit dem Kind erarbeitet.

Maike Holzmann, Benedikt Nentwich, Kerstin Fuchs und Melanie Hirsch (von links) stehen Schülerinnen und Schülern, Eltern und den Lehrkräften bei Problemen zur Seite. Foto: Alexander Becher

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Maike Holzmann, Benedikt Nentwich, Kerstin Fuchs und Melanie Hirsch (von links) stehen Schülerinnen und Schülern, Eltern und den Lehrkräften bei Problemen zur Seite. Foto: Alexander Becher

Vom Nebenzimmer, dem Büro der Schulsozialarbeit, dessen Wände mit bunten Graffiti verziert sind, dringt Stimmengewirr und Gelächter herüber. In dem Zimmer, das während der Pausen als Aufenthaltsraum dient, spielen ein paar Schülerinnen und Schüler Karten. „Unsere Haltung ist, dass unser Büro immer offen ist – für die Kinder, die Lehrer und die Eltern“, sagt Hirsch.

„Die Arbeit am Bize“, findet sie, „ist schon etwas Besonderes.“ Dadurch, dass drei Schularten unter einem Dach sind, ist das Sozialarbeiterteam für ungefähr 1200 Schülerinnen und Schüler zuständig. 2021 haben rund zehn Prozent von ihnen, also etwa 120 Schüler, die Schulsozialarbeit in Anspruch genommen. Das waren allerdings nur die Einzelfälle – hinzu kommen zahlreiche weitere Kontakte, beispielsweise durch die Arbeit mit Klassen oder kleineren Gruppen, Präventionsangebote und die Vermittlung bei Auseinandersetzungen. „Früher war es oft so, dass sich bestimmte Angelegenheiten – wie zum Beispiel ein Streit – nach einem oder zwei Treffen erledigt haben“, berichtet Holzmann. Inzwischen seien eher vier bis sechs Treffen der Regelfall. „Mit manchen Kindern und Jugendlichen haben wir aber auch drei Jahre oder länger zu tun“, fügt Hirsch hinzu.

Die Arbeit ist wie eine Wundertüte: Man weiß nie, was im Lauf des Tages kommt

Selbstverständlich geht das auch den Hilfeleistenden nahe. Im Team fange man sich gegenseitig auf, sagt Holzmann, doch auch die Möglichkeit zur Supervision, also zur Fachberatung und Unterstützung von außen, sei kein Problem. „Da sind wir gut aufgestellt.“ Und trotz aller Belastung macht den vier Teammitgliedern die Arbeit auch Spaß. „Sie ist sehr interessant und sehr abwechslungsreich“, erklärt Hirsch. „Quasi wie eine Wundertüte: Selbst wenn man einen Plan hat, weiß man morgens nie, was einen im Lauf des Tages erwartet.“

Dass ausnahmslos alle Schülerinnen und Schüler von dem Hilfsangebot wissen, liegt daran, dass die Schulsozialarbeiterinnen und ihr Kollege mit jeder fünften Klasse und ihrem Lehrer oder ihrer Lehrerin 24 Stunden zusammen auf dem Schloss Ebersberg in Auenwald verbringen – jedes Jahr sind das sieben oder acht Klassen. Bei diesen „Kennenlerntagen“ gehe es darum, sich gegenseitig zu beschnuppern und die Schulsozialarbeit kennenzulernen. „Das ist ein sehr tolles und sehr gewinnbringendes Angebot für alle Beteiligten“, sagt Hirsch. Es sei außerdem ein Alleinstellungsmerkmal des Bizes im Rems-Murr-Kreis.

Schulsozialarbeiter bieten auch Medienkompetenzschulungen an

Auch auf Instagram ist die Schulsozialarbeit des Bize mittlerweile vertreten (@schuso.am.bize). Darüber hinaus machen die vier Sozialarbeiter bei Schulprojekten auf ihre Arbeit und sich aufmerksam, etwa beim jährlichen Weihnachtsbasar. Und sie kommen in die Klassen – zumindest war das vor Corona so. „Wir haben zum Beispiel Angebote zum Thema Suchtprävention oder zur Berufsorientierung“, berichtet Hirsch. Auch Medienkompetenzschulungen bieten die Schulsozialarbeiter an. Und im Winter können Schülerinnen und Schüler, die keine günstige Busverbindung haben, zwischen 7 und 7.25 Uhr im Büro der Schulsozialarbeit frühstücken. Das wurde vor Kurzem wieder eingeführt. Auch die anderen Präventionsprogramme sollen dank der Aufstockung nach und nach wieder umgesetzt werden. „Die Prävention ist eine der Säulen der Schulsozialarbeit“, betont Hirsch. „Es kann nicht sein, dass die wegfällt.“

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Erstellt:
24. November 2022, 06:00 Uhr

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