Mehrweg wird von vielen Kunden geschätzt

Die Firma Häußermann Obst und Gemüse setzt bei ihrem Mittagstisch in der Weissacher Straße seit Jahren auf Mehrweggeschirr. Die Kunden nehmen das Angebot gut an, berichtet Firmeninhaber Michael Häußermann, der Mehraufwand halte sich in Grenzen.

Zur Essensausgabe bei Häußermann Obst und Gemüse in der Weissacher Straße in Backnang setzt man auf Mehrweggeschirr. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Zur Essensausgabe bei Häußermann Obst und Gemüse in der Weissacher Straße in Backnang setzt man auf Mehrweggeschirr. Foto: A. Becher

Von Annette Hohnerlein

BACKNANG. Wenn man sich das Essen in Einmalverpackungen nach Hause holt, kommen schnell ordentliche Mengen an Müll zusammen. Das wurde besonders seit Beginn der Coronapandemie deutlich, als während des Lockdowns viele Kunden das Essen in ihrem Lieblingslokal abholten oder es sich ins Haus liefern ließen. Eine der wenigen Firmen, die einen anderen, nachhaltigeren Weg gehen, ist die Firma Häußermann Obst und Gemüse, die in ihrer Filiale in der Weissacher Straße seit knapp zehn Jahren einen Mittagstisch anbietet.

„Vor sechs oder sieben Jahren haben wir von Einweg- auf Mehrweggeschirr umgestellt“, erzählt Michael Häußermann. „Der Umwelt zuliebe und auch der Kosten wegen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Kundenbindung.“ Sechs Euro Pfand verlangt er für einen dreigeteilten Menüteller mit Deckel, zwei Euro für eine Salatbox. Das entspricht den Anschaffungskosten für die Kunststoffgefäße.

Wenn der Kunde die Behälter zurückbringt, erhält er das Pfand erstattet oder auf den nächsten Kauf angerechnet. Von jeder Sorte besitzt die Firma rund 2000 Stück, über 1000 sind im Umlauf bei den Kunden. Natürlich gibt es einen gewissen Schwund, zerkratzte oder gebrochene Teller werden ausgetauscht. „Ab zehn Umläufen pro Teller rechnet es sich“, schätzt Michael Häußermann.

Das umweltfreundliche Angebot kommt gut an. 80 bis 90 Prozent der Essen gehen in Mehrwegboxen über die Theke. Die Stammkunden bringen ihre gespülten Behälter vom letzten Besuch wieder mit. Diese dürfen jedoch aus Gründen der Hygiene nicht gleich wieder befüllt werden, sie müssen zunächst in der Küche in einer Industriespülmaschine professionell gereinigt werden. Der zeitliche Mehraufwand hält sich in Grenzen, meint Häußermann, schließlich brauche man auch für Einwegverpackungen einige Handgriffe. Zum Beispiel, wenn man bei Alubehältnissen nach dem Einfüllen der Speisen den Rand um den Deckel biegen muss. Annekarin Atz, die zusammen mit ihrer Kollegin Elfriede Scheib den Mittagstisch von Beginn an managt, ist der Meinung: „Das hat sich alles gut eingespielt.“ Wenn ein Kunde sein Mittagessen doch lieber in Wegwerfgeschirr verpackt haben möchte, ist auch das möglich: 50 Cent werden ihm dafür berechnet.

„Wenn einer mehrmals in der Woche kommt und immer Einmalgeschirr verlangt, dann sprechen wir ihn schon an. Wir wollen es ja aktiv bewerben, Mehrweg zu nehmen“, betont der Chef, denn: „Mehr kann man nicht tun für die Umwelt.“ Der Mittagstisch unter dem Motto „Häußermann Hausgemachtes“ wird an Werktagen zwischen 11 und 14 Uhr ausgegeben; auf dem Speiseplan steht gutbürgerliche Hausmannskost; von Montag bis Donnerstag gibt es ein vegetarisches und ein Fleischgericht, freitags ein Fischgericht und eine Süßspeise. Am Samstag gibt es statt des fleischlosen Gerichts einen Rostbraten. Vier bis fünf Mitarbeiter kümmern sich um das Mittagessen, die ersten von ihnen stehen schon morgens um halb sieben in der Küche, damit alles rechtzeitig um 11 Uhr fertig ist. Es gibt viele Stammkunden, berichtet Annekarin Atz, darunter Senioren aus dem Wohngebiet auf dem ehemaligen Krankenhausgelände, aber auch Handwerker oder die Feuerwehr. Zwischen 180 und 250 Essen geben sie und ihre Kolleginnen jeden Tag aus. An den Samstagen sind es um die 80.

Eine zufriedene Kundin, die jedoch nicht genannt werden will, hat gerade zwei Portionen abgeholt. „Die Qualität des Essens ist sehr gut“, lobt sie, „und Mehrweggeschirr zu verwenden ist eine super Idee.“ Dass sie das Geschirr spülen muss, stört sie nicht, das läuft in der Spülmaschine so nebenbei mit. Seit ihr Mann viel im Homeoffice arbeitet, holt sie regelmäßig das Mittagessen im Mehrweggeschirr bei Häußermann.

Michael Häußermann (Unternehmer),
über sein Engagement im Mehrwegbereich „Wenn einer mehrmals in der
Woche kommt und immer
Einmalgeschirr verlangt, dann
sprechen wir ihn schon an.“
Mehrweg wird von vielen Kunden geschätzt
Spülen für Umwelt und Klima

Tourismustreffen Das Thema Mehrweg steht auch Anfang dieser Woche bei einem Treffen auf der Agenda, an dem Timo John, der Wirtschaftsförderer des Rems-Murr-Kreises, mit seinen Mitarbeitern teilnimmt. Mit Vertretern der Vereine Remstal Tourismus und Schwäbischer Wald Tourismus werden zwei Anbieter von Mehrweggeschirr unter die Lupe genommen, deren Systeme einmal mit und einmal ohne Pfand funktionieren. „Das Ganze ist der Beginn eines Abwägungsprozesses. Eventuell geben wir später eine Handlungsempfehlung für die touristischen Akteure in unserem Zuständigkeitsgebiet heraus, welches System wir priorisieren würden“, so der Wirtschaftsförderer John im Gespräch mit unserer Zeitung. Man strebe hier nicht zuletzt aus logistischen Gründen ein einheitliches Netz im Mehrwegbereich für die ganze Region an.

Geschirrmobile Unbeleckt ist die Kreisverwaltung bei diesem Thema nicht: In den 90er-Jahren hat die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) als Kreisunternehmen bereits zwei Geschirrmobile angeschafft, die von Vereinen und gemeinnützigen Organisationen gemietet werden können.

Nachdem sie 25 Jahre ihren Dienst getan hatten, wurden 2019, nicht zuletzt aus Anlass der Remstal-Gartenschau, zwei neue Geschirrwagen angeschafft, die von der Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen finanziert wurden.

Begehbarkeit In den neuen Anhängern sind zwei Industriespülmaschinen integriert, die 40 Spülgänge in der Stunde schaffen. Zusätzlich zu den Mobilen können auch spülbare Geschirrgedecke ausgeliehen werden, was ebenfalls der Müllvermeidung dient. Im Gegensatz zu den früheren Geschirrmobilen sind die beiden neuen begehbar. Bei Einsätzen im Regen oder auf einem Weihnachtsmarkt macht das die Bedienung freilich weitaus angenehmer. Für die Benutzung der Wagen werden ein Starkstromanschluss und ein Frischwasserschlauch mit „Gardena“-Kupplung benötigt.

Anmietung Über die Auslastung der Geschirrmobile konnte sich die AWRM in früheren Jahren nicht beschweren. Viele Vereine mieteten die Wagen für ihre diversen Feierlichkeiten. „Wir hatten vor 2020 viele Reservierungen für den Sommer. Tatsächlich zum Einsatz gekommen sind die Mobile vergangenes Jahr genau dreimal. Normalerweise waren sie in der Sommerzeit jedes Wochenende ausgebucht“, berichtet Stefanie Baudy von der Pressestelle der AWRM mit Blick auf die Auswirkungen der Coronapandemie im Veranstaltungsbereich. Die Gebühren für eine Anmietung belaufen sich auf 50 Euro unter der Woche und auf 70 Euro für das gesamte Wochenende. Die Verwaltung erreicht man unter der Telefonnummer 07151/ 5019513 sowie per E-Mail an geschirrmobil@awrm.de. Der zuständige Betreuer ist mobil unter der Nummer 0151/ 22332609 erreichbar. bro

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Erstellt:
11. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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