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„Meinen Schafen geht es bestens“

Patrick Siben wehrt sich gegen Vorwürfe, dass es seinen Tieren an etwas mangelt, die er auf dem Gelände rund um die Villa Franck in Murrhardt hält. Im Fall eines Lamms hatte das Veterinäramt des Landkreises im Frühjahr interveniert.

Patrick Siben bei seinen Waldschafen vor der Villa Franck. Eine Rasse, die sehr gut mit schwierigen Bedingungen wie steilem Gelände und rauerer Witterung zurechtkommt, wie er betont. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Patrick Siben bei seinen Waldschafen vor der Villa Franck. Eine Rasse, die sehr gut mit schwierigen Bedingungen wie steilem Gelände und rauerer Witterung zurechtkommt, wie er betont. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Im Frühjahr hatte es eine Meldung an das Veterinäramt des Landkreises gegeben. Hintergrund war, dass es einem Lamm der Herde nicht gut ging, es vor Ort auf matschigem Grund lag. Eine Nachfrage bei den Kreisbehörden ergab, dass das Jungtier in eine Tierarztpraxis gebracht und dort versorgt wurde, sich im Anschluss vollständig erholen konnte und dem Halter, Patrick Siben, später wieder übergeben wurde. Allerdings fiel die Einschätzung des Veterinäramts nicht besonders gut aus: „Der gesundheitliche Gesamtzustand der betreffenden Herde ist mangelhaft.“ Die Tierhaltung werde mit Blick auf die Einhaltung der Tierschutzvorschriften weiterhin überwacht.

Der Kapellmeister der Stuttgarter Saloniker hat Agrarwissenschaft an der Universität Hohenheim studiert und macht keinen Hehl daraus, dass er über Hinweise an Behörden von außen nicht gerade erfreut und dies schon längere Zeit ein Thema für ihn ist. „Das sind Pseudotierschützer, die keine Ahnung haben und seit 20 Jahren behaupten, die Herde sei schlecht gefüttert“, sagt er. Sehr viel hilfreicher sei es, wenn sich die Betreffenden darum kümmerten, dass kein Hund auf die Herde gehetzt, der Strom der Umzäunung nicht abgeschaltet oder kein Müll auf die Weide geworfen werde. Eine andere Möglichkeit sei, direkt Kontakt mit ihm aufzunehmen.

Dann würde er erklären – wie er es auch bei einem Treffen vor Ort tut –, dass es sich bei den Tieren um bayerische Waldschafe handelt, die relativ wild, schwer zu zähmen und sehr selbstständig sind, aber auch mit schwierigen Bedingungen – sprich steilem Gelände und rauerer Witterung – zurechtkommen. Ein wichtiger Punkt seien die guten, robusten Füße beziehungsweise Hufe. In Bezug auf das betroffene Lamm räumt er ein, dass das Jungtier schwach und das Wetter schwierig gewesen sei. Er habe die Situation aber im Blick gehabt und zugefüttert.

Wenn er wegen Konzerten verhindert ist, springen Helfer ein.

Er wisse um seine Verpflichtungen bei der Haltung. Mit der Geburtssituation kenne er sich gut aus, hinzu komme seine Vorerfahrung in dieser Hinsicht in der Bullenzucht vor vielen Jahren. Er schaue dann zweimal am Tag nach den Tieren. Sei er aufgrund von Konzerten und Auftritten einmal verhindert, gebe es Helfer, die ihn unterstützten.

Zum Zustand seiner Herde sagt er: „Meinen Schafen geht es bestens.“ Eine grundsätzliche Schwierigkeit sieht er darin, dass die breite Erfahrung mit der Rasse des Waldschafs einerseits nicht so ausgeprägt, sie andererseits nicht die typische Leistungsrasse sei, nach der Beurteilungen auch gemessen werden, und überträgt dies in ein Bild: Wenn ein Tüv-Prüfer vor allem Porsche- oder hochtourige, schnelle Wagen kontrolliere, habe er ein Problem, wenn dann eine Ente aus den 1960er-Jahren vorfahre. Waldschafe seien eine schützenswerte, vom Aussterben bedrohte Rasse, nicht aufgemotzt.

Zu den Rahmenbedingungen, die auch in Empfehlungen für Weidehaltung eine Rolle spielen, nimmt er Stellung. Die Tiere bedürfen zweimal im Jahr einer Schur, die er selbst übernehme. Ablammen, sprich gebären, könnten sie auch bei Minustemperaturen. Zwar gebe es einen Unterstand für die Tiere auf dem Gelände, aber den nutzten sie weder bei regnerischem Wetter noch würden ihn die Muttertiere vor und während einer Geburt annehmen. Je nach Saison und Vegetationssituation gleiche er Fehlendes beim Futter aus und halte sich daran, Mineralfutter zuzugeben. Mit Blick auf Parasiten entwurme er regelmäßig, als weitere Maßnahme teile er die Flächen so ab, dass die Tiere erst nach Ablauf des achtwöchigen Wurmzyklus wieder auf die betroffene Weide kommen.

Als sehr robuste, genügsame Rasse kämen die Tiere mit Hang, Fels und Regen gut zurecht. „Freiwillig gehen sie nicht in den Unterstand“, sagt Patrick Siben und verweist auch auf den Namen Murrhardt, der sich aus Weidewald und Murr zusammensetzt, sprich gut zu einem Waldschaf passt. Für den Schutz vor Hitze und Sonneneinstrahlung gebe es auf dem Gelände Bäume, unter denen sich die Schafe versammeln könnten. „Ich liebe meine Tiere, sie haben hier alles, was sie brauchen, Futter, Platz, Bäume.“ Täglich sei er relativ früh am Morgen bei ihnen, um sich zu kümmern. Für ausreichend Wasser sei gesorgt, das er in Eimern auf den Weideflächen platziert.

War es für ihn je eine Überlegung, auch mit Blick auf seine nicht immer ganz einfache Situation als Musiker, die Schäferei aufzugeben? Patrick Siben schüttelt den Kopf und erläutert: Die Tiere haben als Mehrnutzungsrasse viele Vorteile. Sie dienen ihm als natürlicher Rasenmäher, sprich zur Landschaftspflege des Geländes um die Villa Franck, produzieren Wolle und bestes Fleisch. Die Wolle lässt er über die Oberstenfelder Initiative „Wollaktion“ zu Textilien verarbeiten, die er auch persönlich trägt. Darüber hinaus schlachtet er selbst vor Ort. Insofern hat er auch Bedenken, die Anzahl der Tiere zu nennen. Zurzeit seien es 17 Waldschafe, aber weil er sich unter Beobachtung fühlt, möchte er verhindern, dass – werde er schlachten – wieder Gerüchte entstünden, weil sich die Zahl reduziert habe.

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Erstellt:
8. August 2020, 06:00 Uhr

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