Leinfeldender Lkw-Hersteller
Michael Brecht bleibt die Stimme der Daimler-Truck-Belegschaft
Der einstige Betriebsratschef des Autobauers Daimler AG ist als oberster Arbeitnehmervertreter der einstigen Nutzfahrzeugsparte Daimler Truck bestätigt worden.
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Michael Brecht ist als Betriebsratschef von Daimler Truck wiedergewählt worden.
Von Klaus Köster
Michael Brecht bleibt für weitere vier Jahre die wichtigste Stimme der Arbeitnehmerseite beim Leinfeldener Nutzfahrzeugkonzern Daimler Truck. Der Gesamtbetriebsrat bestätigte den 58-Jährigen auf seiner konstituierenden Sitzung einstimmig als Vorsitzenden.
Im Konzernbetriebsrat, der auch für die Tochtergesellschaften Daimler Buses und die Finanzsparte zuständig ist und die Belange von 37.000 Beschäftigten vertritt, erhielt Brecht ebenfalls ohne Gegenstimme das Vertrauen der Arbeitnehmervertreter.
Michael Brecht war bis 2021 Betriebsratsvorsitzender der Daimler AG
Brecht, der von 2014 bis 2021 Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Daimler AG war und dann ins gleiche Amt bei der abgespaltenen einstigen Nutzfahrzeugsparte Daimler Truck gewählt wurde, führte in der Vergangenheit schwierige Auseinandersetzungen mit dem Management über das Ausmaß und die Kommunikation der Einsparungen. Der Vorstand will die Kosten in Europa bis 2030 um mehr als eine Milliarde Euro senken.
Nach dem Kapitalmarkttag von Daimler Truck in den USA lieferte er sich im vergangenen Jahr eine scharfe Auseinandersetzung mit Finanzchefin Eva Scherer, die öffentlich erklärt hatte, das Sparprogramm werde voraussichtlich 5000 Stellen in Deutschland kosten. Der Betriebsrat habe niemals einer konkreten Zahl zugestimmt, sagte er und warf dem Vorstand vor, Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite beschädigt zu haben. „Wir haben nie über eine konkrete Zahl gesprochen, wir haben nichts vereinbart“, sagt Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht zum Vorstoß Scherers.
Daimler Truck-Betriebsparteien hatten sich schon verständigt
Tatsächlich hatten sich die Betriebsparteien wenige Monate zuvor offenbar darauf verständigt, dass bei allen Prozessen eine Prüfung vorgenommen wird, in deren Rahmen entschieden wird, ob Arbeiten an die eigene Belegschaft oder an Drittunternehmen vergeben werden. Dieses gemeinsame Vorgehen sah der Betriebsrat durch die Nennung einer konkreten Zahl abzubauender Stellen offenbar konterkariert.
Brecht steht Stellenabbau und Verlagerungen ins Ausland kritisch gegenüber und fordert seit Jahren höhere Investitionen in Batterietechnik, Software und elektrische Antriebe. Daimler Truck müsse eigene Zukunftstechnologien entwickeln und dürfe sich nicht von asiatischen Zulieferern abhängig machen, mahnt er immer wieder. Gleichzeitig warnt er davor, die Wettbewerbsfähigkeit allein über Personalabbau verbessern zu wollen.
Betriebsrat setzte lange Jobsicherung durch
Allerdings trägt der Betriebsrat Einsparungen und Flexibilisierungen durchaus mit. Im Gegenzug erreichte er Zusagen für Milliardeninvestitionen in deutsche Werke sowie den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2034. Die einstimmige Wiederwahl zeigt, dass Brechts Kurs starke Unterstützung findet.
