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Milder Winter hilft dem Klimaschutz

Deutsche Emissionen von Treibhausgasen sinken um 4,2 Prozent – Klimaziele trotzdem verfehlt

Der heiße Sommer, höhere Benzin- und Kohlepreise sowie mehr Solar- und Windkraft haben den Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland gesenkt. Zufrieden ist die Regierung aber nicht.

Berlin /X - Zum ersten Mal seit vier Jahren ist der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen in Deutschland wieder deutlich gesunken – dennoch wird das Land sein selbst gestecktes Klimaziel fürs Jahr 2020 weit verfehlen. Wie die Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und das Umweltbundesamt am Dienstag in Berlin mitteilten, sanken die Klimagas-Emissionen im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent auf rund 869 Millionen Tonnen. Der Rückgang sei zwar erfreulich, aber nicht ausreichend, sagte Schulze. „Es ist vollkommen klar, dass wir noch mehr Tempo aufnehmen müssen.“

Bei den Daten handelt es sich um eine Prognose. Die Veröffentlichung steht unter dem Eindruck der weltweiten Schülerproteste für mehr Klimaschutz, in deren Rahmen bereits Hunderttausende junge Menschen auf die Straße gegangen sind. Den Angaben zufolge konnte Deutschland nun seit 1990 seinen Treibhausgasausstoß um etwas mehr als 30 Prozent senken. Das eigentliche Ziel einer Minderung um 40 Prozent bis 2020 gilt inzwischen als unerreichbar. Bis 2030 will die Bundesregierung die Emissionen sogar um mindestens 55 Prozent reduzieren.

Im vergangenen Jahr sanken die Emissionen in nahezu allen Sektoren. Das betraf neben der Energiewirtschaft (minus 4,5 Prozent) auch den Verkehr (minus 2,9), die privaten Haushalte (minus 10,9) und die Industrie (minus 2,8). Laut Schulze machten sich die bisherigen Anstrengungen zum Klimaschutz bemerkbar, etwa der EU-weite Handel mit Verschmutzungsrechten und die Abschaltung diverser Kohlekraftwerke.

Eine wichtige Rolle spielte 2018 aber auch die Witterung: Der Winter war relativ mild, weshalb die Haushalte weniger heizen mussten. Die Sommerhitze wiederum ließ die Wasserstände vieler Flüsse sinken, so dass Binnenschiffer weniger Kohle und Ölprodukte transportieren konnten. Das trieb die Preise. „Man kann sagen: Der Klimawandel bedroht seine eigene Ursache, nämlich die Belieferung mit fossilen Energien“, sagte Schulze. Die Bundesumweltministerin warb erneut für ihr Klimaschutzgesetz, dessen Entwurf im Bundeskabinett festhängt.

Der Unionswirtschaftsexperte Joachim Pfeiffer (CDU) sagte unserer Zeitung, die Klimabilanz zeige, dass Deutschland beim Klimaschutz auf dem richtigen Weg sei. „Statt Aktionismus und Ideologie brauchen wir eine Klimaschutzpolitik mit Vernunft und Verstand.“ Der europäische Emissionshandel müsse gestärkt werden und dürfte nicht durch nationale Alleingänge konterkariert werden, sagte der Abgeordnete aus dem Rems-Murr-Kreis. Die FDP-Umweltexpertin Judith Skudelny aus Stuttgart forderte, den Verkehrssektor in den Zertifikatehandel einzubeziehen: „Der EU-Emissionshandel hat sich in der Energiewirtschaft und in der Industrie seit vielen Jahren als extrem erfolgreich bewährt.“

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Erstellt:
3. April 2019, 14:19 Uhr

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