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Milliardenverlust: 737-Max-Debakel vermasselt Boeing-Bilanz

dpa Chicago. Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten darf Boeings bestverkaufte Modellserie 737 Max vorerst nicht mehr abheben. Das hat dem Airbus-Erzrivalen nun einen enormen Verlust eingebrockt. Doch die Ungewissheit bleibt hoch - und die Kosten dürften weiter steigen.

Zwei Abstürze der Baureihen 737 Max innerhalb weniger Monate haben den Flugzeugbauer Boeing in eine schwere Krise gebracht. Foto: Ted S. Warren/AP/dpa

Zwei Abstürze der Baureihen 737 Max innerhalb weniger Monate haben den Flugzeugbauer Boeing in eine schwere Krise gebracht. Foto: Ted S. Warren/AP/dpa

Die Krise um die nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegte Baureihe 737 Max hat Boeing tief in die roten Zahlen gebracht.

Im zweiten Quartal fiel ein Rekordverlust in Höhe von 2,9 Milliarden US-Dollar (2,6 Mrd Euro) an, wie der US-Luftfahrtriese in Chicago mitteilt. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum hatte Boeing noch 2,2 Milliarden Dollar verdient. Einen neuen Geschäftsausblick gab das Unternehmen wegen der hohen Ungewissheit hinsichtlich der angestrebten Wiederzulassung der 737 Max nicht ab.

„Dies ist ein entscheidender Moment für Boeing“, sagte Konzernchef Dennis Muilenburg, der wegen seines Krisenmanagements zeitweise selbst stark in die Kritik geraten war. Das Unternehmen setze alles daran, dass die 737 Max sicher wieder in Betrieb genommen werden könne. Boeing rechnet laut Muilenburg weiter damit, dass dies im vierten Quartal gelingen könnte. Sollte es jedoch zu weiteren Verzögerungen kommen, könnte die Produktion der Baureihe weiter gedrosselt oder ganz ausgesetzt werden, warnte Muilenburg.

Die Probleme rund um die 737-Max-Serie, die wegen der Zwangspause derzeit auch nicht an Kunden ausgeliefert werden kann, belasten auch Boeings Tagesgeschäft stark. Der Umsatz fiel um 35 Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar. Die 737 Max ist eigentlich Boeings bestverkaufte Modellserie, für die es bis zu den Startverboten zahlreiche Bestellungen gab. Stattdessen hat Boeing jetzt trotz gedrosselter Produktion Probleme, die Flieger zu lagern.

Der Konzern hatte bereits angekündigt, wegen des 737-Max-Debakels Sonderkosten in Höhe von 4,9 Milliarden Dollar (4,4 Mrd Euro) nach Steuern im zweiten Quartal zu verbuchen. Schon im ersten Quartal hatte Boeing hohe Belastungen verdauen müssen. Bislang beläuft sich die Schadensbilanz laut dem Finanzdienst Bloomberg auf 8,3 Milliarden Dollar - und das Ende dürfte noch lange nicht erreicht sein. Jüngst erst hatte die Ratingagentur Fitch vor weiteren Belastungen gewarnt.

Zwei Flugzeugabstürze in Indonesien und Äthiopien, bei denen im Oktober 2018 und März 2019 insgesamt 346 Menschen gestorben waren, haben Boeing in eine schwere Krise gestürzt. Der Hersteller ist mit Klagen und Ermittlungen konfrontiert. Boeing wird verdächtigt, die 737 Max wegen des harten Konkurrenzkampfs überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Der Konzern bestreitet dies zwar, hat aber Pannen eingeräumt. Erste Untersuchungsberichte deuteten auf eine fehlerhafte Steuerungssoftware als Absturzursache hin.

Ob und wann die seit März weltweit mit Startverboten belegten 737-Max-Maschinen wieder abheben dürfen, ist derzeit unklar. Die US-Fluggesellschaften mit solchen Jets - Southwest, American und United Airlines - hatten zuletzt angekündigt, die Flieger bis Anfang November aus den Flugplänen zu streichen. Deshalb entfallen täglich Hunderte Flüge, und den Airlines entstehen zusätzliche Kosten. Boeing drohen darum auch hohe Entschädigungszahlungen.

Trotz allem bleiben Anleger bislang relativ gelassen. Boeings Aktien sind seit Jahresbeginn um knapp 13 Prozent gestiegen. Das ist zwar deutlich schlechter als der Branchenschnitt, aber dennoch ein beachtliches Plus. Auch der hohe Quartalsverlust hatte zunächst nur für leichte Kursabschläge gesorgt - denn die Zahlen fielen besser als erwartet aus. Muilenburgs Aussagen brachten die Aktie später aber noch stärker unter Druck. Analysten weisen jedoch immer wieder darauf hin, dass Fluggesellschaften kaum an Boeing vorbeikommen, da es nur Airbus als Alternative gibt und beide auf Jahre ausgebucht sind.

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Erstellt:
24. Juli 2019, 18:25 Uhr

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