Grenzkonflikt mit Afghanistan
Mindestens 18 Tote bei pakistanischen Luftangriffen
Bei Luftangriffen der pakistanischen Armee sind nach afghanischen Angaben mindestens 18 Menschen getötet worden. Bei den Angriffen sei das Haus einer Familie zerstört worden.
© IMAGO/Anadolu Agency/IMAGO/Stringer
Das Haus eines afghanischen Bauern wurde komplett zerstört. 18 Menschen in dem Haus kamen ums Leben.
Von red/AFP
Bei Luftangriffen der pakistanischen Armee im Grenzgebiet zu Afghanistan sind nach afghanischen Angaben mindestens 18 Menschen getötet worden. Bei den nächtlichen Angriffen sei das Haus einer Familie im Bezirk Bihsud getroffen und zerstört worden, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die pakistanische Regierung erklärte dagegen, die Angriffe hätten sich gegen die pakistanischen Taliban und ihre Verbündeten gerichtet.
Pakistan wirft dem Nachbarland Afghanistan schon seit langem vor, Milizen Schutz zu gewähren, die Angriffe in Pakistan verüben. Die Taliban-Regierung in Kabul bestreitet dies.
Pakistan meldet über 80 Tote - Afghanistan widerspricht
Aus pakistanischen Sicherheitskreisen verlautete, dass bei den Luftangriffen "mehr als 80" Kämpfer getötet worden seien und dass die Zahl der Toten mutmaßlich noch steigen werde. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP in Afghanistan konnten die Angaben zunächst nicht überprüfen, in afghanischen Sicherheitskreisen wurde die Zahl von 80 Toten als "falsch" zurückgewiesen.
Pakistan hatte nach Angaben aus Islamabad in der Nacht zum Sonntag sieben Ziele in der Grenzregion aus der Luft angegriffen. Die auf Geheimdienstinformationen basierenden Angriffe hätten sich gegen die pakistanischen Taliban und ihre Verbündeten gerichtet, erklärte das pakistanische Informationsministerium. Auch eine mit der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verbündete Gruppe sei angegriffen worden.
Taliban-Sprecher: "Die Häuser der Menschen wurden zerstört"
Ein Sprecher der afghanischen Taliban-Regierung erklärte dagegen, die Angriffe hätten sich gegen zivile Ziele gerichtet. "Die Häuser der Menschen wurden zerstört", sagte der Sprecher Sabihullah Mudschahid. Betroffen seien die Regionen Nangarhar und Paktika.
Die Polizei in Nangarhar erklärte, die Angriffe hätten kurz nach Mitternacht in insgesamt drei Bezirken begonnen. Alle Getöteten befanden sich demnach im Haus eines Mannes im Bezirk Bihsud. "23 Mitglieder seiner Familie wurden unter den Trümmern begraben, 18 von ihnen wurden getötet und fünf verletzt", sagte der Polizeisprecher Sajed Tajib Hammad.
„Sie wurden alle getötet“ – Trauer in Bihsud
"Das Haus wurde völlig zerstört. Meine Kinder und meine Angehörigen waren dort. Mein Vater und meine Söhne waren dort. Sie wurden alle getötet", sagte der 35-jährige Sasabat, ein Bauer aus Bihsud. Anwohner suchten in den Trümmern nach weiteren Opfern und bestatteten die Toten in einem Sammelgrab, wie ein AFP-Journalist berichtete.
Bei Angriffen an anderen Orten in Nangarhar wurden zwei weitere Menschen verletzt. In Paktika sah ein AFP-Journalist ein zerstörtes Gästehaus, es gab dort zunächst aber keine Berichte über Opfer.
Angriff als Reaktion auf Moschee-Anschlag
Aus Islamabad hieß es, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in der Hauptstadt und weitere Anschläge im Nordwesten Pakistans. Der IS hatte den Anschlag auf die Moschee in Islamabad vor zwei Wochen, bei dem 31 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden waren, für sich reklamiert.
Das afghanische Verteidigungsministerium kündigte am Sonntag eine "angemessene" Reaktion auf die pakistanischen Luftangriffe an.
Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan kommt es immer wieder zu tödlicher Gewalt. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan im August 2021 haben sich die Konflikte verschärft.
Bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet waren im Oktober nach UN-Angaben mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Die beiden Nachbarländer vereinbarten schließlich unter Vermittlung Katars und der Türkei eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf Details einer dauerhaften Vereinbarung einigen.
