Kretschmanns letzte Neujahrsrede

Ministerpräsident würdigt die „stillen Schaffer“ im Land

Roter Teppich für Menschen, die sonst nicht im Mittelpunkt stehen: Der Neujahrsempfang der Landesregierung in Stuttgart war den unverzichtbaren „stillen Schaffern“ gewidmet.

Stille Schaffer: Vertreter des Technischen Hilfswerks beim Neujahrsempfang von Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Neuen Schloss.

© Jan Sellner

Stille Schaffer: Vertreter des Technischen Hilfswerks beim Neujahrsempfang von Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Neuen Schloss.

Von Jan Sellner

In seiner letzten Neujahrsrede als Ministerpräsident hat Winfried Kretschmann die „stillen Schaffer“ im Land in den Mittelpunkt gerückt. Vor 750 geladenen Gästen im Neuen Schloss in Stuttgart und im Beisein seines Kabinetts sagte der Regierungschef am Freitagabend, in einer Zeit, in der die Lauten und Rücksichtslosen auftrumpfen würden, sei es wichtig, diejenigen hervorzuheben und öffentlich wertzuschätzen, die im Verborgenen wichtige Dienste für die Gesellschaft leisteten. „Auf wen können wir uns verlassen? Wer hält unser Gemeinwesen am Laufen? Das sind das eben nicht die lauten Krakeler, sondern die leisen Schaffer!“, sagte Kretschmann.

Namentlich nannte er Mitarbeitende von Paketzustellern, Bus- und Reinigungsunternehmen, Registratur- und Vorzimmerkräfte, Hausmeister und Ehrenamtliche, die sich in Vereinen und Projekten engagieren. Diesen „Unverzichtbaren“ wolle er den roten Teppich ausrollen, sagte Kretschmann: „Sie tun, was zu tun ist, ohne viele Worte zu machen“. Häufig falle deren Bedeutung erst auf, wenn etwas nicht funktioniere, „wenn der Bus nicht kommt, ein Paket verloren geht oder die Pflege der Angehörigen nicht funktioniert“. Die „stillen Schaffer“ bildeten das Fundament, auf dem die Gesellschaft stehe, „denn ohne sie geht gar nichts“.

Kretschmann: Wieder stärker auf Freundlichkeit achten

Laut Staatsministerium war es Kretschmann ein persönliches Anliegen, diesen Menschen gerade jetzt Anerkennung zu zollen. Er habe damit einen bewussten Kontrapunkt zu dem verbreiteten Gefühl setzen wollen, „dass in unserer Gesellschaft zunehmend die Lauten und Rücksichtslosen den Ton angeben“.

Gleichzeitig betonte der Ministerpräsident die Bedeutung von „scheinbar altmodischen Tugenden wie Höflichkeit, Dankbarkeit und Freundlichkeit“. Es gehe nicht um Floskeln, sondern darum, „dass wir einander wahrnehmen, respektieren und wertschätzen“. In einer Welt, die bedingt auch durch die sozialen Medien rauer und lauter werde, sei es wichtig, auf diese Tugenden wieder stärker achten, sagte er.

Einziger Schönheitsfehler an diesem wertschätzenden und vom Magnus-Mehl-Blechbläsertrio, dem Barockensemble Studio 16, dem „Wunderbarer Frauenchor Stuttgart“ und dem Duo Kraus/Sinz begleiteten Abend in der „guten Stube des Landes“: die stillen Schafferinnen an der Garderobe bekamen von alledem nichts mit. Sie hätten sich über einen Happen vom Buffet für die Unverzichtbaren zweifellos gefreut.

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Erstellt:
30. Januar 2026, 22:00 Uhr

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