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Mit 84 Jahren den Ex-Mann getötet? Seniorin vor Gericht

dpa/lsw Konstanz. Eine 84-Jährige muss sich vor Gericht verantworten, weil sie ihren Ex-Mann getötet haben soll. Auch in Ravensburg startete kürzlich ein Prozess wegen versuchten Mordes mit einem hochbetagten Angeklagten. Sind das Ausnahmen, oder nimmt die Kriminalität unter Senioren zu?

Auf einer Richterbank liegt ein hölzerner Richterhammer. Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild

Auf einer Richterbank liegt ein hölzerner Richterhammer. Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild

Sie soll mit 84 Jahren ihren ebenfalls betagten Ex-Mann mit Benzin übergossen und angezündet haben: Vor dem Landgericht Konstanz steht von Montag (20. Juli) an eine Seniorin aus dem Bodenseekreis. Laut Anklage hatte die Frau zunächst versucht, ihren 73 Jahre alten früheren Ehemann zu ermorden, in dem sie ihm mehrmals mit einem Fleischerhammer auf den Kopf schlug. Als der Mann wider Erwarten bei Bewusstsein blieb, soll die 84-Jährige ihn mit Benzin übergossen und angezündet haben, wodurch der Mann qualvoll gestorben sei. Teile des Hauses gerieten dabei in Brand, bei den Löscharbeiten fand die Feuerwehr schließlich die Leiche des Opfers. (Aktenzeichen: 4 Ks 40 Js 1553/20)

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der 73-Jährige die Frau trotz einer lange zurückliegenden Trennung weiterhin bei sich wohnen lassen. Zuletzt habe er sich aber entschieden, das Haus zu verkaufen und eine neue Beziehung zu suchen. „Damit drohte die betagte Angeklagte in gewisser Weise ihre Lebensgrundlage zu verlieren“, sagte ein Sprecher der Behörde. Die Staatsanwaltschaft sieht darin die Beweggründe für die Tat.

Vor dem Landgericht Ravensburg hat Mitte Juni ebenfalls ein Prozess mit einem betagten Angeklagten begonnen: Der 83-Jährige soll seiner ehemaligen Lebensgefährtin im Keller eines Mehrfamilienhauses in Bad Saulgau (Landkreis Sigmaringen) mit einem Küchenmesser aufgelauert haben und dann auf sie losgegangen sein. Danach soll er laut Anklage versucht haben, sich selbst zu töten. Die Frau wurde lebensgefährlich verletzt. Zum Prozessbeginn gestand der 83-Jährige die Tat und gab an, er habe sich von seiner fast 20 Jahre jüngeren Ex-Partnerin erniedrigt gefühlt.

104 797 Menschen in Baden-Württemberg wurden im Jahr 2018 vor Gericht verurteilt. Die meisten von ihnen - 24 934 - waren zwischen 30 und 40 Jahre alt. Doch auch bei den Senioren sind die Zahlen durchaus beachtlich: 4404 Menschen waren zwischen 60 und 70 Jahre alt, 1866 Menschen zwischen 70 und 80 Jahre und immerhin noch 692 Menschen zwischen 80 und 90 Jahre. 42 Männer und Frauen waren bei ihrer Verurteilung über 90 Jahre alt.

Laut Justizministerium waren im Februar dieses Jahres zudem 291 von 5643 Häftlingen im Südwesten 60 Jahre oder älter - das entspricht 5,2 Prozent. Zum Vergleich: 1993 lag der Anteil noch bei 1,8 Prozent. Das Ministerium sieht die Gründe für die Zunahme vor allem in der ebenfalls älter werdenden Gesellschaft. „Die demografische Entwicklung spiegelt sich auch in unseren Gefängnissen“, sagte Justizminister Guido Wolf (CDU). „Altert die Gesellschaft, steigt auch die Anzahl älterer Gefangener. Diese Entwicklung wird weitergehen, und sie stellt den Justizvollzug vor neue Aufgaben.“ Zudem seien ältere Menschen heute auch länger körperlich gesund.

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Erstellt:
17. Juli 2020, 05:15 Uhr

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