Mit allen Sinnen durch die Natur

Vom Naschgarten zur Waldoase und weiter zum Barfußpfad: Am Tennisplatz in Unterweissach soll künftig ein Achtsamkeitspfad vorbeiführen. Die Arbeiten an dem Projekt des Montessori-Vereins haben nun begonnen, fertiggestellt werden soll es 2022.

Jürgen Beerkircher (Volksbank Backnang; von links), Michaela Genthner vom Montessori-Verein, Bürgermeister Ian Schölzel und Daniela Nirk (Volksbank Welzheim) beim Spatenstich an der ersten geplanten Station, dem Naschgarten. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Jürgen Beerkircher (Volksbank Backnang; von links), Michaela Genthner vom Montessori-Verein, Bürgermeister Ian Schölzel und Daniela Nirk (Volksbank Welzheim) beim Spatenstich an der ersten geplanten Station, dem Naschgarten. Foto: A. Becher

Von Melanie Maier

WEISSACH IM TAL. Besseres Wetter hätte Michaela Genthner sich für den Spatenstich am Achtsamkeitspfad gar nicht wünschen können. Die Sonne scheint, es ist frühlingshaft warm, als die Arbeiten an dem neuesten Projekt des Montessori-Vereins mit einem Spatenstich durch Bürgermeister Ian Schölzel offiziell beginnen. Die ersten drei Bäume, die zum Projekt gehören und von der Gemeinde beziehungsweise den Volksbanken Backnang und Welzheim gesponsort worden sind – ein Walnussbaum, ein Kirschbaum und ein Felsenbirnbaum –, werden später am Tag in den Boden gesetzt werden. Die Löcher dafür haben Bauhofmitarbeiter erst am Vortag in die Erde gegraben.

Noch bedarf es einiger Fantasie, um sich vorzustellen, dass auf dieser Wiese ein Naschgarten entstehen soll. Ein Ort, an dem die Besucher Kirschen, Birnen und Beeren probieren und dabei lernen können, wie die Bäume und Sträucher, an denen sie wachsen, aussehen.

Doch dafür, dass die Idee zu dem Pfad, der Erwachsene wie Kinder ansprechen soll, erst zu Beginn des Jahres entstanden ist, ging es jetzt doch sehr schnell mit dem Start des Projekts, an dem neben dem Montessori-Verein sehr viele weitere Akteure beteiligt sind: Das grüne Klassenzimmer – schwäbisches Mostviertel mit Unterstützung der Baden-Württemberg-Stiftung, der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Fußballverein Unterweissach SVU, die Ortsbücherei Weissach im Tal, das Projekt Baum 2020 und selbstverständlich die Gemeinde. Finanziell unterstützen neben den Volksbanken Backnang und Welzheim die Backnanger Firma Pahlke, die Glücksschule Backnang (Glyck) und Privatpersonen das Projekt. Ehrenamtlich engagieren sich darüber hinaus der Landschaftsgärtner Felice Fierro aus Unterweissach und die Waiblinger Art-Direktorin Tanja Mann.

So ist der Achtsamkeitspfad angedacht: Start und Ziel ist der Parkplatz neben dem Tennisplatz an der Jägerhalde. Unterwegs laden acht Stationen zum Verweilen ein. Foto: Montessori-Verein

So ist der Achtsamkeitspfad angedacht: Start und Ziel ist der Parkplatz neben dem Tennisplatz an der Jägerhalde. Unterwegs laden acht Stationen zum Verweilen ein. Foto: Montessori-Verein

Schirmherrin des Achtsamkeitspfads ist die österreichische Regisseurin und Schauspielerin Catharina Roland, deren Dokumentarfilm „Awake2Paradise“ (2018) Michaela Genthner zu dem Rundgang inspirierte. „In der letzten Szene wird ein Garten in der Stadt gezeigt, von dem jeder etwas hat“, sagt sie. „So stelle ich mir das auch hier vor: als Paradies auf Erden.“ Der Pfad soll ein größeres Bewusstsein für die Natur schaffen, hofft die Naturparkführerin. Seit dem Ausbruch der Pandemie seien die Wege oberhalb von Unterweissach deutlich stärker frequentiert worden, sagt sie, „dabei blieb auch um einiges mehr Müll liegen“.

Der Achtsamkeitspfad soll am Tennis- und am Fußballplatz vorbeiführen, Start und Ziel ist der Parkplatz an der Jägerhalde in Unterweissach. Acht Stationen sind momentan geplant, die alle Sinne adressieren sollen: ein Naschgarten (Schmecken) und eine Waldoase mit Bänken; eine Himmelsbank mit Blick auf Weissach im Tal, Allmersbach im Tal und Backnang (Sehen); eine Kräuterecke mit einer Blühwiese, die Bienen anlocken soll (Riechen); ein Holztrichter als Geräuschverstärker (Hören); ein Pirsch- und ein Barfußpfad (Fühlen) sowie eine weitere Waldoase mit Hängematten, auf denen man sich nach dem Rundgang ausruhen kann. Angedacht ist zudem ein Bereich für Hunde, etwa mit Baumstämmen, auf denen die Tiere balancieren können.

Gut „ein Stündle“ würde Michaela Genthner für den Spaziergang einplanen, „je nachdem, wie viel Zeit man sich für die Stationen nehmen möchte“. Wer schnell geht, sagt die Naturparkführerin und Streuobstpädagogin, könne den Pfad aber „locker“ in 30 Minuten ablaufen.

Station für Station soll der Pfadim Lauf des Jahres entstehen.

Bis man das machen kann, wird es aber noch eine Weile dauern. Erst 2022 soll der Rundweg fertig werden. „Wir freuen uns natürlich, wenn es früher wird“, sagt Genthner. Bürgermeister Ian Schölzel weist darauf hin, dass es noch nicht sicher ist, dass alle Stationen wie geplant umgesetzt werden können. Bei manchen gebe es noch genehmigungsrechtliche Hindernisse, erklärt er, obwohl alle auf dem Gemeindegelände liegen. Schölzel freut sich am meisten auf die Station mit der Himmelsbank, „da hat man bestimmt einen herrlichen Blick auf das Weissacher Tal“.

Von dem Projekt war er schnell überzeugt, genauso wie die Volksbanken Backnang und Welzheim, die jeweils 1000 Euro für eine Liegebank und einen Baum gespendet haben. „Wir freuen uns immer, wenn wir regionale Themen unterstützen können“, betont Jürgen Beerkircher, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Backnang. „Und gerade zu Coronazeiten ist es wichtig, dass die Leute in die Natur kommen.“

Der Montessori-Verein hat nun vor, Station für Station anzugehen. „Das Wichtigste ist, dass man hier erst einmal etwas sieht“, sagt Michaela Genthner. Wobei sie schon viele weitere Ideen für den Achtsamkeitspfad hat. Sie stellt sich vor, dass die Spaziergänger vor ihrem Besuch einen Rucksack der Bibliothek leihen können, in dem zum Beispiel ein Vergrößerungsglas oder auch ein Baumbestimmungsbuch ist. Zudem würde sie den Pfad gerne durch einen Actionbound – ein virtuelles Smartphone-Abenteuer – beleben. Die Kosten und Pläne seien nach oben nicht begrenzt, sagt Genthner: „Man kann immer noch eine Bank dazustellen oder auch einen Fahrradständer.“ Dafür können Unternehmen, aber auch Privatpersonen jederzeit spenden. Eine weitere Idee: eine Pflanzenspende für den Naschgarten. „Wer möchte, kann Sträucher oder Büsche auswählen und finanzieren“, sagt Genthner. Die Person werde auf dem Schild mit der Pflanzenbezeichnung dann namentlich erwähnt.

Spenden für das Projekt nimmt der Montessori-Verein gerne entgegen. Dafür können auch Spendenbescheinigungen ausgestellt werden. Weitere Informationen zum Achtsamkeitspfad findet man unter www.montessori-backnang.de/willkom- men/achtsamkeitspfad.

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Erstellt:
23. April 2021, 06:00 Uhr

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