Mit dem Bus über den Berg?

Die Anhöhe zwischen Kleinaspach und Oberstenfeld mit der Burg Lichtenberg als Landmarke stellt im öffentlichen Personennahverkehr bislang ein schier unüberwindliches Hindernis dar. Im Kreis Ludwigsburg gibt es nun Pläne, das zu ändern.

Der Berg- und Talbus verkehrt schon jetzt von Mai bis Oktober an Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen zwischen Backnang und Oberstenfeld. Nun gibt es Bestrebungen, über den Freizeitbetrieb hinaus auch im Alltagsverkehr ein Busangebot zwischen dem Murrtal und dem Bottwartal zu etablieren. Allerdings sind dafür noch einige Hürden zu nehmen. Foto: L. Ries/Landratsamt Rems-Murr-Kreis

Der Berg- und Talbus verkehrt schon jetzt von Mai bis Oktober an Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen zwischen Backnang und Oberstenfeld. Nun gibt es Bestrebungen, über den Freizeitbetrieb hinaus auch im Alltagsverkehr ein Busangebot zwischen dem Murrtal und dem Bottwartal zu etablieren. Allerdings sind dafür noch einige Hürden zu nehmen. Foto: L. Ries/Landratsamt Rems-Murr-Kreis

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN/LUDWIGSBURG. Es gibt viele gute Gründe, über den Berg zu fahren – sei es ein Besuch im Oberstenfelder Mineralfreibad (wenn es denn offen hat), sei es eine Radeltour durchs zauberhafte Bottwartal, sei es ein kulinarisch-vinologischer Abstecher in die Nachbarschaft. Und umgekehrt locken beispielsweise die historische Altstadt und die städtische Galerie in Backnang oder die attraktiven Wanderwege um Aspach.

Solche Unternehmungen lassen sich schon jetzt mit dem Berg- und Talbus komfortabel angehen – allerdings nur in der Saison von Mai bis Oktober und nur an Wochenenden und Feiertagen. Werktags geht über die Kreisgrenze hinweg nichts. Die Verbindung liegt brach.

Das ist heute aber nicht mehr zeitgemäß. Wo allerorten der öffentliche Personennahverkehr ausgebaut wird, um die Nutzung privater Autos entbehrlich zu machen und den Klimaschutz voranzubringen, schwindet auch die Bedeutung von Kreisgrenzen. Zunehmend wird daher über Verbindungen nachgedacht, die an althergebrachten Schranken rütteln.

Eine Rolle spielen dabei auch Veränderungen der Mobilität im Alltagsleben, die etwa den Weg zum Arbeitsplatz, zum Arzt oder zum Einkaufen betreffen. Das schlägt sich beispielsweise in den Planungen für des Radwegenetz im Land nieder, und so gibt es bereits Pläne für einen neuen Radschnellweg, der Waiblingen mit Ludwigsburg verbinden soll. Die Federführung hat dabei das Landratsamt im Rems-Murr-Kreis.

Dessen Pendant im Nachbarlandkreis Ludwigsburg nimmt unterdessen verschiedene kreisübergreifende Busverbindungen unter die Lupe. Äußerer Anlass: In beiden Landkreisen steht die Aufstellung eines neuen, auf fünf Jahre ausgelegten Nahverkehrsplans an. Geprüft wird in diesem Zusammenhang im Kreis Ludwigsburg unter anderem eine Linie zwischen Steinheim an der Murr und Winnenden; eine Linie Marbach am Neckar–Winnenden gibt es bereits.

„Wir freuen uns, wenn Bottwartaler nach Backnang kommen.“

Die neue Verbindung ist jedoch noch nicht im Planentwurf enthalten, weil die Bewertung durch den Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) noch läuft. Dort ist es in diesem Jahr zu Verzögerungen gekommen, weil in Anbetracht der Coronakrise die Erhaltung des bestehenden Verkehrsangebots im Fokus stand. Aber selbst wenn es die Linie nicht ins Planwerk schaffen sollte, könnte sie realisiert werden – vorausgesetzt, dass die Finanzierung gesichert ist, wie Leonie Ries vom Landratsamt in Waiblingen erklärte.

In den Fokus gerückt ist aber auch die Strecke zwischen dem Bottwartal und dem Murrtal. Die Initiative dazu gehe von den Kommunen im Bottwartal aus, erklärt Christine Wolff, die städtische Pressereferentin. Backnang stehe den Bestrebungen „neutral offen“ gegenüber: „Wenn die konkrete Planung vorgelegt wird, prüfen wir sie wohlwollend.“ Bislang liege aber noch nichts vor. Deshalb gelte es abzuwarten, was kommt. Aber, so Wolff: „Wir freuen uns, wenn Bottwartaler nach Backnang kommen.“

Unklar ist derzeit, wie eine solche Verbindung im Netz des ÖPNV zu bewerkstelligen ist. Laut Ries ist das Busunternehmen Friedrich Müller GmbH (FMO), das auch im Raum Backnang viele Buslinien bedient, im Auftrag des Landkreises Ludwigsburg dabei, die Möglichkeiten zu prüfen. Die Frage ist, ob eine Anbindung von Aspach nach Oberstenfeld von Montag bis Freitag in bestehende Umläufe der Linie 457 Marbach–Rielingshausen– Aspach integriert beziehungsweise ob diese Linie bis Oberstenfeld verlängert werden kann. Sobald entsprechende Erkenntnisse vorliegen, werde der VVS in Abstimmung mit dem Verkehrsunternehmen und den beiden Landkreisen ein verkehrlich sinnvolles Verkehrskonzept erarbeiten, erläutert Andreas Fritz, Pressereferent des Landkreises Ludwigsburg.

Außerdem soll laut Ries die Nachfrage im Samstagsverkehr auf der Linie 467 – das ist der touristische Berg- und Talbus Backnang–Aspach–Oberstenfeld – evaluiert werden. Gegebenenfalls könnten diese Betriebsleistungen besser genutzt werden, um eine Verbindung von Oberstenfeld nach Backnang unter der Woche zu etablieren. „Der Rems-Murr-Kreis würde ein Angebot von Aspach nach Oberstenfeld natürlich auch unter der Woche begrüßen“, fügt die Landratsamtssprecherin hinzu. Allerdings müsse ein Angebot auch hinsichtlich der Verkehrsnachfrage wirtschaftlich darstellbar sein. Dies wäre laut Ries am besten zu erreichen, wenn die Linie 457 verlängert werden könnte.

Das Potenzial eines Lückenschlusses soll ermittelt werden.

Sinnvoll sei es, so Fritz, erst einmal das Potenzial eines Lückenschlusses zwischen Kleinaspach und Oberstenfeld mit einem sogenannten Vorlaufbetrieb zu erkunden. Dieser Vorlaufbetrieb soll etwa elf Fahrtenpaare montags bis freitags im Zeitraum von etwa 6 bis etwa 18 Uhr umfassen. An beiden Linienenden bestehen, wie Fritz erläutert, weiterführende Anschlüsse in Richtung Backnang beziehungsweise Beilstein/Großbottwar. Sofern der Testlauf zeigt, dass auf dieser Strecke eine signifikante Fahrgastnachfrage dauerhaft erzielt werden kann, sei eine Überführung in den Regelbetrieb und eine Erweiterung des Linienwegs an beiden Linienenden bis Backnang beziehungsweise Beilstein denkbar. Die Einrichtung eines solchen Verkehrs – auch des Vorlaufbetriebs – ist aber davon abhängig, ob die beiden Kreisgremien die Finanzen bereitstellen und ob die bedienten Kommunen bereit sind, ihrerseits einen Kostenanteil zu übernehmen.

Vorher aber muss auch noch Klarheit geschaffen werden, wie es mit dem Busverkehr im Schozachtal weitergeht. Auch dort haben sich nämlich Verzögerungen ergeben, und zwar bei der Verabschiedung der Neukonzeption des Busverkehrs durch den Landkreis Heilbronn. Diese Entscheidung sei jedoch, so erläutert Fritz, für den Lückenschluss Backnang–Bottwartal wichtig, weil ein Großteil der dort vom Verkehrsunternehmen eingesetzten Busse in Beilstein stationiert ist und diese für die Bedienung der neuen Linie ebenfalls zum Einsatz herangezogen werden könnten.

Und wie geht es jetzt weiter? Es sind, wie Fritz verdeutlicht, noch einige Hürden zu nehmen: „Das Landratsamt Ludwigsburg steht mit dem Verkehrsunternehmen in Kontakt, um die vom VVS für die Erstellung eines Fahrplanentwurfs benötigten Daten anzufordern. Nach Fertigstellung des Fahrplanentwurfs und einer Kostenschätzung werden zunächst die Landkreise und die beteiligten Kommunen auf der Fachebene das Thema diskutieren, im Anschluss dann die Gremien in den Landkreisen und Kommunen. Für eine Realisierung der zusätzlichen Verbindung bedarf es einheitlicher positiver Beschlüsse.“

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Erstellt:
21. November 2020, 11:30 Uhr

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