Mit dem Tablet auf Schnitzeljagd

Digitale Revolution verändert das Lernen – Bibliothek im Weissacher Bildungszentrum nimmt neue Möglichkeiten in den Blick

Die Bibliothek im Bildungszentrum Weissacher Tal startet bei der Digitalisierung durch. Den Schülern steht neuerdings ein Zehnersatz Tablets zur Verfügung – und das ist nur ein Beispiel für die große Bandbreite an Möglichkeiten, mit denen die Bibi aufwartet. Medienbildung, die als Leitperspektive im Bildungsplan verankert ist, kann damit ganz praktisch trainiert werden.

Gemeinsame Recherche in der Bibliothek des Bildungszentrums: Rektor Ralf Bachmeier und Bibi-Leiterin Gabriella Lambrecht verfolgen die Arbeit der Schüler (von links) Ylenia Lauber, Lars Kugler, Alina Neumeister und Lukas Andres, die ganz routiniert mit dem Tablet umgehen. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Gemeinsame Recherche in der Bibliothek des Bildungszentrums: Rektor Ralf Bachmeier und Bibi-Leiterin Gabriella Lambrecht verfolgen die Arbeit der Schüler (von links) Ylenia Lauber, Lars Kugler, Alina Neumeister und Lukas Andres, die ganz routiniert mit dem Tablet umgehen. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Die digitale Revolution macht vor dem Bildungszentrum nicht halt. Im Gegenteil: Sie ist längst eingezogen und hat begonnen, das Unterrichten ebenso wie das Lernen zu verändern.

„Ich bin begeistert, wie vertieft die Schüler arbeiten. Das hätte man nie erwartet“, sagt die Leiterin der Bibliothek im Bize, Gabriella Lambrecht. Im Blick hat sie dabei beispielsweise die Schüler der Gemeinschaftsschule, die während ihrer Perle-Stunden – der „persönlichen Lernzeit“ – häufig in der Bücherei aufkreuzen. Sie können dort ihre Themen selbstständig erarbeiten. Dafür stehen ihnen nicht nur die über 25000 Medien im Bestand der Bibliothek zur Verfügung, sondern auch die Fundgruben des weltweiten Netzes. Der I-Punkt – das Internetcafé – bietet zehn PC-Arbeitsplätze, an denen sich die Schüler Informationen beschaffen können. Darüber hinaus verfügt die Bibliothek neuerdings über zehn Tablets, die von Schülern aller Schularten am Bize genutzt werden können.

„Die Welt wartet nicht auf uns. Wir müssen innovativ sein“, beschreibt Ralf Bachmeier, Rektor der Gemeinschaftsschule, die Herausforderung, vor der die Schulen heute stehen. War es früher tabu, Informationen aus dem Internet zu ziehen, so gilt heute die Erkenntnis: „Wissen ist abrufbar.“ Die Schüler müssten lernen, wo man die Infos herholt.

Schule und Kommunen stärken Ausstattung der Bücherei

Dem Thema Digitalisierung verschrieben hat sich am Bize Christian Zeller, der Konrektor der Realschule. Er hat nicht nur die Ausstattung der Schule vorangetrieben, sondern auch geholfen, die Neuen Medien an der Bibi zu etablieren. Die nötigen Finanzen steuerten dabei der Schuletat und die Gemeinden im Schulzweckverband bei. Mit Blick auf das finanzielle Engagement, das die Bürgermeister zeigen, lobt Bachmeier schwäbisch: „Des isch dene ihr Baby.“

So steht in der Bibi jetzt ab der Mittagspause WLAN zur Verfügung – quasi als Testlauf, weil der freie Zugang, gemäß den Wünschen aus der Jugendbeteiligung, auf den Freizeitpavillon und das Gelände ausgeweitet werden soll.

Die neuen Tablets dienen, wie Gabriella Lambrecht weiter erläutert, insbesondere dem Recherchekompetenztraining: Die Schüler können sich so mit dem „Findus“ vertraut machen, also mit dem Internetkatalog der Bibliothek, um dabei die Suche nach Medien zu üben. Demnächst soll auch das Modell Actionbound zur Verfügung stehen. Bei dieser Form des spielerischen Lernens unternehmen die Schüler eine digitale Bibliotheksrallye – eine Art Schnitzeljagd mit Tablets. Darüber hinaus bietet die Bibliothek Führungen für verschiedene Klassenstufen mit themenorientierten Rallyes an und organisiert Lesungen. Zu Gast waren unter anderem schon die Jugendbuchautoren Seif Arsalan, Christian Linker und Klaus Kordon.

Die Bibliothek ist aber auch, wie Lambrecht unterstreicht, ein generationenübergreifender Treffpunkt und Ort der Begegnung, beispielsweise im Lesepatenprojekt. Dabei kümmern sich Ehrenamtliche um Schüler, die sich mit dem Lesen schwertun. Geplant ist ferner, in Zusammenarbeit mit dem Weissacher Prima-Klima-Programm eine „Energy Zone“ einzurichten. Wöchentlich soll es da die Gelegenheit geben, Gesellschaftsspiele zu spielen. Lambrecht, die im vergangenen Sommer die Nachfolge des langjährigen Bibi-Leiters Werner Schatz angetreten hat: „Im Vordergrund steht das soziale Miteinander.“ Beim Spielen könne man Energie auftanken, Spielen habe aber auch einen wichtigen integrativen Aspekt. Zum Leistungspaket der Bibi gehört ferner seit vielen Jahren immer in den Sommerferien das Leseförderprojekt „Heiß auf Lesen“. In diesem Sommer soll es dieses Angebot erstmals auch für Erwachsene geben.

In einer E-Book-Sprechstunde können Interessierte einmal im Monat bei Fragen oder Problemen mit ihrem Reader und der Onleihe Hilfe bekommen. Ab Mai soll es dann zusätzlich eine Computersprechstunde für Senioren geben. Bei dem Kooperationsprojekt der Schule und des Weissacher Ortsseniorenrats beantworten Schüler gezielt Fragen und helfen bei der Anwendung von Computer, Tablet und Smartphone. „Es ist Bedarf da“, weiß Lambrecht – beispielsweise in Sachen Skypen. Schon vor fünf Jahren wurde, wie Bachmeier erläutert, einmal ein Computerkurs angeboten, mit großem Erfolg. Beide Seiten, so die damalige Erfahrung, profitieren dabei. Darüber hinaus organisiert die Bibliothek auch für die Öffentlichkeit Lesungen sowie Ausstellungen, beispielsweise jüngst die Karikaturen-Schau zum Thema Klima, Konsum und andere Katastrophen.

Bei alledem lässt Gabriella Lambrecht in puncto Digitalisierung keinen Zweifel aufkommen, dass das Arbeiten mit Tablet, PC und Smartphone keineswegs zu Vereinsamung oder Isolierung führen muss. Ganz im Gegenteil: In der Bibliothek fänden alle – interkulturell und über die Generationen hinweg – einen Ort, um zusammenzukommen und gemeinsam Themen zu beackern.

Das Bildungszentrum sei ohnedies das Paradebeispiel dafür, wie unterschiedliche Schularten zusammenarbeiten können, unterstreichen Bachmeier und Realschulrektor Jürgen Wörner, der auch fürs Bize insgesamt spricht – und die Bibi sei darin voll und ganz integriert.

Info
Kombinierte öffentliche und Schulbibliothek

Die Bibliothek im Bildungszentrum, kurz: Bibi, ist eine kombinierte öffentliche und Schulbibliothek. Als Schulbibliothek steht sie den über 1300 Bize-Schülern und den rund 130 Lehrkräften zur Verfügung, als öffentliche Bibliothek ist sie für Besucher aus allen vier Zweckverbandsgemeinden (Allmersbach im Tal, Althütte, Auenwald und Weissach im Tal) offen.

Der Bestand umfasst über 25000 Medien. Dazu gehören Sprachlernprogramme ebenso wie Comics, Konsolenspiele, Kinderbücher, Romane, DVDs und Hörbücher. Alle verfügbaren Medien können im Online-Katalog auf www.bibiweissach.de von zu Hause aus gesucht und gebucht werden.

Es besteht die Möglichkeit der Fernleihe über das Bibliothekszentrum Baden-Württemberg. Die Bibi ist zudem der E-Bibliothek Rems-Murr angeschlossen, die Bücher, Hörbücher, Zeitungen und Zeitschriften bietet. Möglich ist ferner der Online-Zugriff auf die Brockhaus-Enzyklopädie.

Öffentliche Ausleihe: montags 13.30 bis 16 Uhr sowie dienstags und donnerstags 17 bis 20 Uhr. In den Ferien gelten Sonderöffnungszeiten.

Schüler können die Bibi während der Schulzeiten montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr nutzen. Pro Tag verzeichnet die Bibi insgesamt rund 350 Besucher.

Zum Artikel

Erstellt:
6. Februar 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Uneinigkeit vor allem beim Klimaschutz

Landtagswahl 2021: Die Kandidaten der im Landtag vertretenen Parteien für den Wahlkreis Backnang sprechen mit Experten über die Themenfelder Corona und die Folgen für die junge Generation, Schule und Bildung, Wirtschaft sowie Ökologie und Klimaschutz.