Mit der Gemütlichkeit ist es vorbei
Immer häufiger greifen Bedrohungen in den Alltag ein. Beim Umgang damit kommt es auch auf uns selbst an.
Von Eidos Import
Oh ja, es hätte schlimmer kommen können. Es hat nur in wenigen Regionen ernsthaft geschneit. Nun zieht sich der Winter erst einmal wieder in irgendwelche rauen Berge zurück, und wir atmen auf. So wie die Zehntausenden Berlinerinnen und Berliner aufatmeten, als bei ihnen der Strom wieder angestellt wurde, der wegen eines terroristischen Anschlages nicht mehr floss.
Aber immer deutlicher wird, dass es mit der deutschen Gemütlichkeit vorerst vorbei ist. Wir sind auf der Feindesliste Russlands weit aufgestiegen und werden auch so behandelt. Das wollen viele nicht wahrhaben, auch wenn die Drohnen überall auftauchen und Spionage- und Sabotage-Software durch die Netze gefeuert wird, dass nicht nur staatlichen Stellen, sondern auch vielen Unternehmen Hören und Sehen vergeht.
Und die Russen sind nicht allein auf dem zerstörerischen Sektor tätig. Es agieren diverse Geheimdienste, die Zugang zu unserer kritischen Infrastruktur suchen. Und da sind Terroristen aller politischen Schattierungen unterwegs, sich radikalisierende Einzeltäter, Wegwerfterroristen und schwer verwirrte Verschwörungsanhänger. Es hat eine Pandemie gegeben, ebenso Brandanschläge gegen Stromleitungen und Fahrzeuge sowie Angriffe auf Weihnachtsmärkte und obendrein mörderische Sturzfluten.
Die Bedrohungen werden größer und die Eingriffe in unseren Alltag nehmen zu. Die Frage ist: Wie sind wir darauf vorbereitet und wie gehen wir damit um? Die Antworten: schlecht. Und: Das hängt auch von uns ab.
Denn natürlich sollen Regierung, Parlament und Behörden Bedingungen schaffen, die zu möglichst großem Schutz führen. Das sogenannte Kritis-Dachgesetz muss endlich her, der Katastrophenschutz sollte deutlich verbessert werden und das Zuständigkeits-Greinen zwischen Bund, Ländern und Kommunen gehört beendet.
Darüber hinaus lernen wir alle hoffentlich schnell, was Ukrainer, Kongolesen, Libanesen und überhaupt die meisten auf der Welt längst wissen: Das Leben wird immer wieder durch Mensch und Natur bedroht. Darauf kann man sich einstellen. Durch staatliche Schutzmaßnahmen aller Art, aber eben auch durch die Bereitschaft jedes Einzelnen, Risiken anzuerkennen und sich für den Ernstfall vorzubereiten. Grund zur Panik besteht nicht.
Niemand muss sich für Jahre bevorraten, aber eine Reserve für einige Tage ist sinnvoll. Bunkerbau im Garten hat derzeit nicht Priorität. Wenn aber der Sani-Kurs 20 Jahre zurückliegt, darf man sich schon die Frage stellen, ob die eigenen Fähigkeiten ausreichen, um eine medizinische Notversorgung zu gewährleisten.
Anderswo ist man es gewohnt, dass bei Stromausfall die Notstromaggregate anspringen, dass die U-Bahnschächte Fluchtorte sein können oder dass Wasser nicht zwingend sauber und trinkbar ist. Hoffentlich machen wir diese Erfahrungen nicht, aber wir können hier von anderen lernen.
Was wir darüber hinaus schon wissen können, es aber immer noch nicht glauben wollen: Es gibt keine absolute Sicherheit. Niemand kann garantieren, dass es keine neuen Anschläge auf unsere Infrastruktur gibt. Aber wir können Strom-, Gas- oder Internetausfälle schneller überbrücken als bisher. Starke Schneefälle und Blitzeis kann niemand ausschließen. Es gibt jedoch keinen Grund, dass sich Menschen nur deshalb die Knochen brechen, weil die Grundstückseigentümer ihrer Pflicht zum Streuen nicht nachgekommen sind. Wenn wir nicht immer auf die Zuständigen warten, leben wir sicherer. Das Gleiche gilt, wenn allen klar wird, dass der eigene Computer, das eigene Handy digital angegriffen werden können. Für Sicherheit zu sorgen ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Beseitigung von Notlagen auch.
