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Mit der Zahnbürste zu sauberen Schuhen

Marcello Casula will dreckigen und gebrauchten Schuhen zu neuem Glanz verhelfen – Er arbeitet als Sneakercleaner

Marcello Casula betreibt mit cleanmysneaker.de ein ungewöhnliches Nebengewerbe in Allmersbach: Er ist professioneller Sneakerreiniger. Mit seiner Geschäftsidee liegt er voll im Trend und nutzt den aktuellen Hype rund um den Turnschuh erfolgreich.

Mit Zahnbürste und speziellen Reinigungsmitteln befreit Marcello Casula Schuhe von Dreck und Gebrauchsspuren. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Mit Zahnbürste und speziellen Reinigungsmitteln befreit Marcello Casula Schuhe von Dreck und Gebrauchsspuren. Fotos: A. Becher

Von Kristin Doberer

ALLMERSBACH IM TAL. Die Borsten der Zahnbürste gleiten immer wieder über den schwarzen Gummi und nehmen getrockneten Schlamm und kleine Steinchen mit. Mit dieser Zahnbürste reinigt Marcello Casula (34) nicht seine Zähne, sondern Schuhsohlen. Sneakersohlen, um genau zu sein. Denn der Allmersbacher hat sich ein ungewöhnliches Nebengewerbe zugelegt: Er ist professioneller Sneakerreiniger. Doch der Umgang mit einer Zahnbürste ist noch lange nicht alles, was ein Sneakercleaner können muss. Weitere sieben Bürsten mit verschiedenen Härtegraden liegen bereit, denn je nach Material benötigt Casula eine ganz bestimmte Bürste, die genau richtige Wassermenge und spezielle Reinigungsmittel. Und seine Tätigkeit besteht aus mehr, als den Dreck von Schuhen zu entfernen: Hat der Stoff Löcher, kann er sie in vielen Fällen selbst flicken, Gehfalten in der Sohle glättet er mit einer Dampfente oder einem Bügeleisen vorsichtig aus und Verfärbungen lässt er mit spezieller Farbe verschwinden. Außerdem neutralisiert er Gerüche und imprägniert die Schuhe. So verhilft er dreckigen und alten Schuhen zu neuem Glanz. Etwa eine halbe Stunde bis zu einer Stunde braucht er für einen Schuh, je nach Umfang kostet die Reinigung zwischen 12,90 und 18,90 Euro.

Für Sammler sind Sneaker mehr als nur Turnschuhe – sie sind eine Geldanlage

Die Idee zu seinem Nebengewerbe bekam Casula, nachdem er eine Dokumentation über Jason Markk aus Los Angeles gesehen hatte. Dieser war einer der ersten professionellen Sneakercleaner und hat sich dadurch mittlerweile ein internationales Unternehmen aufgebaut. Da Casula bei seinen eigenen Sneakern schon immer sehr pingelig auf Sauberkeit geachtet hat, hätte ihn die Idee schon früher interessiert, doch dann sei noch die Geburt seines Sohnes dazwischengekommen.

Vor zwei Jahren hat er die Idee dann in die Tat umgesetzt und sein Nebengewerbe angemeldet. Zuerst startete das Geschäft eher langsam, seine Kunden fand er zunächst nur im Freundes- und Bekanntenkreis. Aber seit 2018 läuft das Geschäft: 30 bis 40 Paar Schuhe befreit er pro Monat von Dreck und Gebrauchsspuren. Einige Kunden schicken ihm ihre Sneaker per Post, aber ein Großteil kommt persönlich zu der kleinen Werkstatt im Keller seines Hauses, manche reisen dafür sogar extra aus Stuttgart oder Esslingen an.

Obwohl Schuhputzer heute gänzlich von Bahnhöfen und aus Innenstädten verschwunden sind, scheint zumindest Sneakerreiniger ein Beruf mit Zukunft zu sein. „Als ich 2017 zum ersten Mal geschaut hab, ob es so was auch in Deutschland gibt, hab ich kaum Anbieter gefunden, jetzt werden es immer mehr. Das ist voll der Boom“, erklärt Casula. Und kein Wunder, denn auch die trendigen Sportschuhe selbst erleben gerade einen Höhenflug: Für viele sind sie mehr als nur Alltagsgegenstände. Seltene Sneaker, die in limitierten Versionen gefertigt werden, sind bei Sammlern begehrt und nehmen rasch an Wert zu. So entwickeln sich die Schuhe zu einer ungewöhnlichen Geldanlage. Zum Beispiel gibt es den momentan am höchsten gehandelten Sneaker, den Nike Air-Mag aus dem Jahr 2016, nur 89-mal. Sein Wert liegt momentan bei etwa 25000 Euro.

So seltene Schuhe hat Casula noch nicht gereinigt. „Einmal kam mir ein Paar Sneaker, das ich für einen Stammkunden reinigen sollte, total bekannt vor. Nach ein wenig Recherche habe ich herausgefunden, dass er über 3800 Euro wert war. Da hatte ich beim Saubermachen ganz schön Bammel.“

Eine Ausbildung zum Sneakercleaner gibt es nämlich nicht, gelernt hat er das Meiste im Internet. „Eigentlich habe ich mir alles selbst beigebracht, mit Videos oder einfach durch Googeln“, sagt der 34-Jährige. „Außerdem gibt es eine gute Community, da tauscht man sich mit anderen viel aus und holt sich Tipps, wie man den einen oder anderen Fleck wegbekommt.“ Viele dieser Tricks habe er dann erst an seinen eigenen Schuhen ausprobiert, denn er selbst sei natürlich Sneakerfan.

Auch große Marken sind mittlerweile auf die ungewöhnliche Tätigkeit aufmerksam geworden. So wird Casula immer häufiger auf Sneakermessen gebucht, um dort Reinigungsprodukte seiner Partnerunternehmen direkt in der Anwendung zu demonstrieren. Auch Modefilialen interessieren sich für Casulas Dienste. So bieten manche Modehäuser einen Cleanersevice für die Schuhe ihrer Kunden an. Besonders die Partnerschaft mit einem Unternehmen, das spezielle Reinigungsmittel für Sneaker herstellt, macht das Nebengewerbe für Casula sehr lukrativ. „Ich bekomme die Reinigungsmittel gestellt, dadurch habe ich abgesehen von Website und Flyern kaum Ausgaben.“

Trotzdem kommt es für den Allmersbacher nicht infrage, das Sneakerputzen in Vollzeit zu betreiben. Hauptberuflich arbeitet er in einem Büro in Ilsfeld und hat dort denkbar wenig mit Schuhen zu tun: „Ich habe sehr viel Spaß an meinem Job“, meint Casula. „Durch das Sneakerputzen kann ich mir ein bisschen für den nächsten Urlaub dazu verdienen, aber es bleibt schon eher Nebenjob und vor allem Hobby.“

Bürsten, Reinigungsmittel, Pflegematerial: In Marcello Casulas Werkstatt dreht sich alles um Sneaker.

© Pressefotografie Alexander Beche

Bürsten, Reinigungsmittel, Pflegematerial: In Marcello Casulas Werkstatt dreht sich alles um Sneaker.

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Erstellt:
13. November 2019, 06:00 Uhr

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