Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Mit Displays gegen Motorradlärm

Land unterstützt Sulzbach und 22 andere Kommunen bei der Anschaffung von Anzeigetafeln mit insgesamt 130000 Euro

Die Strecke zwischen Sulzbach und Großerlach ist bei Motorradfahrern sehr beliebt. Die Anwohner jedoch leiden unter dieser fragwürdigen Attraktivität, vor allem der Motorradlärm macht ihnen zu schaffen. Das Landesministerium für Verkehr hat deshalb ein Programm ins Leben gerufen, mittels dessen die Kommunen bei der Anschaffung von Motorradlärm-Displays unterstützt werden. Jetzt ist die Zusage eingetroffen, dass auch Sulzbach einen Zuschuss von 4000 Euro bekommt.

Die Displays sollen Motorradfahrer durch die unmittelbare und individuelle Ansprache zu einer moderaten Fahrweise anhalten. Foto: RTB

Die Displays sollen Motorradfahrer durch die unmittelbare und individuelle Ansprache zu einer moderaten Fahrweise anhalten. Foto: RTB

Von Matthias Nothstein

SULZBACH AN DER MURR. Den Motorradlärm eindämmen – mit Blick auf dieses Ziel hatte das Ministerium für Verkehr im Mai dieses Jahres ein Förderprogramm in Höhe von 130000 Euro für die Anschaffung von Motorradlärm-Displays eingerichtet. Die Resonanz aus den Kommunen war so groß, dass der Fördertopf zwischenzeitlich deutlich aufgestockt werden musste, um alle Anträge zu bewilligen.

Das Ministerium fördert nun insgesamt 28 Displays in 23 Kommunen, die dem Motorradlärm mittels präventiver Display-Anzeigen beikommen wollen, darunter auch Sulzbach an der Murr. Sulzbachs Hauptamtsleiter Michael Heinrich kommentierte die frohe und überraschende Kunde aus Stuttgart gestern so: „Wir freuen uns, dass wir bei diesem sinnvollen Förderprogramm zum Zuge gekommen sind.“ Er kündigte an, die Tafeln so schnell wie möglich aufstellen zu wollen. Einen konkreten Zeitpunkt konnte er zwar noch nicht nennen, aber er betonte, dass es ein Anliegen der Gemeinde sei, die Bewohner so gut es geht vor Verkehrslärm zu schützen.

Vielen ist nicht bewusst, wie stark Lärm die Gesundheit beeinträchtigt

Für den Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung, Thomas Marwein (MdL), ist die starke Nachfrage ein Zeichen dafür, dass sich die Kommunen Unterstützung im Kampf gegen Motorradlärm wünschen: „Ich freue mich über die große Nachfrage und bin dankbar, dass alle Anträge bewilligt werden konnten. Damit werden Motorradlärm-Displays in ganz Baden-Württemberg sichtbar. Vielen Motorradfahrern ist häufig nicht bewusst, wie viel Lärm von ihren Maschinen ausgeht und wie stark dieser die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen kann. Gerade die Langzeitfolgen von Lärm wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind besorgniserregend. Lärm-Displays sind eine präventive Maßnahme und helfen nachweislich, Motorradlärm zu reduzieren und die Fahrer für das Thema zu sensibilisieren.“

Marwein hatte das Förderprojekt als Lärmschutzbeauftragter der Landesregierung initiiert und im Mai 2019 bei einer Veranstaltung zu Motorradlärm in Bernau im Schwarzwald vorgestellt.

Der Förderung waren 2015 und 2016 Pilotversuche mit Motorradlärm-Displays vorausgegangen, die auf Strecken im Hochschwarzwald, der Schwäbischen Alb und den Löwensteiner Bergen Motorradfahrer sensibilisieren wollten. Der Test war erfolgreich – eine Absenkung der Lärmwerte von Motorrädern im Mittel um 1,1 bis 2,2 dB(A) konnte nachgewiesen werden. Das Gerät, welches sowohl die Geschwindigkeit als auch den Lärmpegel misst, wurde in der Folge zur Serienreife entwickelt.

Die Display-Anzeigen sprechen Motorradfahrer konkret an und fordern sie zu einer rücksichtsvollen Fahrweise auf. Rechtlich-regulatorische Maßnahmen, um Motorradlärm wirkungsvoll einzudämmen, sind nach derzeitiger Rechtslage nur in engen Grenzen und unter bestimmten Rahmenbedingungen möglich. Mit Motorradlärm-Displays können Motorradfahrende durch die unmittelbare und individuelle Ansprache zu einer moderaten Fahrweise und somit zu einer Reduzierung der Lärmbelastung angehalten werden.

Info
4,44 Millionen Motorräder in Deutschland

Folgende Kommunen leiden unter dem Motorradlärm und erhalten einen Zuschuss des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg für die Display-Anschaffung: Baden-Baden, Baiersbronn, Beuren, Biederbach, Bietigheim-Bissingen, Donzdorf, Eislingen/Fils, Gaildorf, Gammelshausen, Heidelberg, Hohenlohe (Landratsamt), Hüfingen, Kernen, Loffenau, Lörrach (Landratsamt), Löwenstein, Mainhardt, Rottweil, Sasbachwalden, Sulzbach/Murr, Sulzbach-Laufen, Untergruppenbach, Wüstenrot.

Das Ministerium unterstützt den Kauf der zirka 15000 Euro teuren Geräte mit je 4000 Euro. Gefördert werden Städte, Gemeinden und Landkreise.

Motorradfahren liegt im Trend: Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wurden 2018 in Baden-Württemberg 24858 Krafträder neu zugelassen und damit gut zehn Prozent mehr als 2017. Eine ähnliche Tendenz gibt es bereits für das erste Halbjahr 2019. Die Zahl der im Land zugelassenen Motorräder stieg in den letzten 50 Jahren kontinuierlich an – und liegt 2019 bei 687913 angemeldeten Fahrzeugen. Das Kraftfahrtbundesamt zählte Anfang 2019 bundesweit 4,44 Millionen Maschinen.

Zum Artikel

Erstellt:
30. August 2019, 11:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Mit der Kuh auf Du und Du

Gymnasiastin Annika Barden aus Freiburg hat während der Sommerferien in einem Milchviehbetrieb in Sulzbach mitgearbeitet.

Wenige Gäste bedeuten weniger Einnahmen. Das Erlebnisbad hat an der Coronakrise kräftig zu knabbern. Foto: A. Becher
Top

Stadt & Kreis

Wonnemar in schwierigem Fahrwasser

Das Erlebnisbad Backnang versucht mit einem Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung die Coronakrise zu meistern. Das Bad bleibt wie bisher geöffnet, für die Besucher ergeben sich keine Einschränkungen. Die Gehälter der 70 Mitarbeiter sind gesichert.

Stadt & Kreis

Mit Leidenschaft in der Backstube

Die Handwerkskammer Region Stuttgart belohnt jedes Jahr Topausbildungsbetriebe. Für ihr vorbildliches Engagement erhalten im Rems-Murr-Kreis die Inhaber des Café Weller in Backnang den Ausbildungspreis 2020. Zusätzlich gibt’s einen E-Smart für ein Jahr.