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Mit Faible für Mathe und Verwaltung

Gerd Holzwarth ist neu in der Dezernentenrunde des Landratsamts – Zuständig auch für Ämter mit Sitz in Backnang

Mathematik, Naturwissenschaften, Verwaltung: Gerd Holzwarth hat einen Beruf gefunden, der ihm eine Kombination aller drei Gebiete verschafft. Er ist Vermessungsingenieur und leitet im Landratsamt das Amt für Vermessung und Flurneuordnung. Seit Kurzem fungiert er darüber hinaus als Dezernent und ist auch für die Bereiche Forst, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zuständig – Ämter mit Sitz in Backnang.

Ein bodenständiger Beinsteiner in Backnang: Gerd Holzwarth hat als Dezernent im Landratsamt auch mit den Bereichen Forst, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zu tun. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Ein bodenständiger Beinsteiner in Backnang: Gerd Holzwarth hat als Dezernent im Landratsamt auch mit den Bereichen Forst, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zu tun. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

BACKNANG/WAIBLINGEN. Der gebürtige Beinsteiner beschreibt sich selbst als sehr bodenständig: Gerd Holzwarth ist durch seine berufliche Tätigkeit zwar ziemlich herumgekommen, doch der Waiblinger Teilort hat ihn nie losgelassen. Dort hat er sich mit seiner Frau ein Haus mit großem Garten gekauft, dort sind die drei inzwischen erwachsenen Kinder aufgewachsen, und dort spielt er auch seit 46 Jahren im Posaunenchor.

Der junge Gerd Holzwarth absolvierte in Waiblingen das Salier-Gymnasium, wo er 1985 das Abitur ablegte. Mathe und Naturwissenschaften: Wo manche Mitschüler Schwächen zeigten, hatte er seine Stärken. Bald darauf sammelte er erste Verwaltungserfahrungen, denn als ihn nach der Schule die Bundeswehr holte, landete er bei der Wehrbereichsverwaltung in Cannstatt. Die Arbeit dort war noch beherrscht von Schreibmaschine und Stift. Holzwarth hingegen hatte sich schon mit dem Computer angefreundet, er brachte seinen eigenen Laptop in die Schreibstube mit und sorgte für Begeisterung, indem er Excel-Tabellen anlegte.

Anschließend studierte er an der Uni Stuttgart Vermessungswesen und Geodäsie und legte nach sechs Jahren das Diplom ab. „Ich bin noch ein echter Diplom-Ingenieur“, sagt er nicht ohne Stolz. Denn dem Bologna-Prozess, der wenige Jahre später einsetzte und der die jetzigen Bachelor- und Masterabschlüsse mit sich brachte, steht er kritisch gegenüber: Das Studium sei dadurch abgewertet worden, findet er. Seit sieben Jahren ist Holzwarth im Übrigen auch Landesvorsitzender des Deutschen Vereins für Vermessungswesen – Gesellschaft für Geodäsie.

Wie das Studium, so konnte Holzwarth auch das Referendariat heimatnah absolvieren: beim Vermessungsamt in Waiblingen, das damals noch eine staatliche Stelle und nicht Teil des Landratsamts war, beziehungsweise bei der Flurbereinigung in Schorndorf. Im Vorbereitungsdienst sah sich Holzwarth in seiner Berufswahl bestätigt: Damit habe er seine Interessen zusammengeführt.

Allerdings hatte der Stellenmarkt Mitte der 90er-Jahre wenig zu bieten – im Gegensatz zu heute in Zeiten des Bewerbermangels. Immerhin konnte Holzwarth mit einem Zeitvertrag eine Stelle in Kornwestheim antreten. Es war die Zeit, als Vermessungen mithilfe von GPS möglich wurden. Das neue Verfahren lieferte hochpräzise Grundlagen für Flurbereinigungsverfahren.

Der berufliche Weg führt über Böblingen nach Waiblingen

Nächste Station war Kirchheim unter Teck; von dort aus war Holzwarth als Leitender Ingenieur bei Flurbereinigungen im Kreis Böblingen tätig, die im Zusammenhang mit dem Bau von Umgehungsstraßen nötig wurden. 2004 führte ihn die große Verwaltungsreform im Land, bei der das Prinzip galt, dass das Personal der Aufgabe folgt, endgültig nach Böblingen, ehe er 2012 in den Rems-Murr-Kreis und damit nach Waiblingen wechseln konnte. 2018 wurde er Amtsleiter und ab 15. Juli zusätzlich Leiter des Dezernats.

Im Bereich Vermessung und Flurneuordnung ist, wie Holzwarth berichtet, derzeit unter anderem ein Verfahren zum B-14-Ausbau zwischen Maubach und Backnang am Laufen, ein weiteres großes Projekt steht mit dem Hochwasserrückhaltebecken Gaab bei Murrhardt an.

Eine ganz andere Aufgabe stellt sich bei Winnenden: Um ein Streuobstwiesengebiet zu reaktivieren, das zu verwildern droht, soll die Erschließung verbessert werden, damit die Leute leichter zu ihrem Stückle kommen. Auch fürs Schwäbische Mostviertel rund um Backnang ist ein Vorhaben angedacht: Dort soll ein integriertes ländliches Entwicklungskonzept zur Mistelbekämpfung mit dem bedeutungsschwangeren Namen Miraculix aufgestellt werden.

Als Dezernent hat der 54-Jährige auch bereits Lebensmittelkontrolleure begleitet. Deren Aufgabe sieht er nicht nur in Kontrolle und Bestrafung, sondern auch in einer gewissen Fort- und Weiterbildung für die Betriebe. Als größte Herausforderung derzeit im Veterinäramt sieht er die Afrikanische Schweinepest. Ämterübergreifend wird die Idee verfolgt, bei einem Ausbruch Zäune zur Eindämmung zu errichten. Die Vermesser leisten in der Planung mit ihrem Geoinformationssystem Grundlagenarbeit.

Besonders bemerkenswert findet Holzwarth ferner mit Blick auf das Landwirtschaftsamt die Aktivitäten zum Wohl der Bienen. Die Landwirte hätten die Bedeutung der Insekten insgesamt erkannt, es würden mit finanzieller Unterstützung vom Land vermehrt Ackerrandstreifen und Vernetzungslinien geschaffen. Mit zum Aufgabengebiet des Dezernenten gehört schließlich noch der Landschaftserhaltungsverband (LEV) mit Sitz in Backnang. Dieser organisiert die Biotop- und Landschaftspflege im Kreis, um die Kulturlandschaft zu erhalten.

Herausforderungen für das Forstamt bestehen in den Folgen des trockenen Sommers 2018 mit Borkenkäferplage, Astbruchgefahr und anderen Problemen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Im Zuge der Umstrukturierung in der Forstverwaltung kommt der Staatswald in eine eigene Anstalt öffentlichen Rechts, während Kommunal- und Privatwald mit neun Revieren in der Verantwortung des Landkreises bleibt. Forstamtsleiter Martin Röhrs geht zur AöR, seine Nachfolge ist ausgeschrieben.

Eine weitere Aufgabe stellt sich dem Landratsamt generell, aber speziell auch dem Vermessungsamt: die Digitalisierung. Berge von Unterlagen – zum Teil handelt es sich um Dokumente, die bis zu 180 Jahre alt sind – müssen eingescannt werden, damit sie digital greifbar sind. Ziel ist zudem, für die Bürger Behördengänge zunehmend überflüssig zu machen.

Info
Dezernate im Landratsamt

An der Spitze der Kreisverwaltung steht der Landrat Richard Sigel. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte Peter Zaar. Die Verwaltung ist dann weiter aufgeteilt in fünf Dezernate, in denen jeweils mehrere Ämter zusammengefasst sind.

Dezernat 1 – Finanzen, Personal und Beteiligungen (Peter Schäfer)

Dezernat 2 – Ordnung, Gesundheit und öffentlicher Personennahverkehr (Peter Zaar)

Dezernat 3 – Bauen, Umwelt und Infrastruktur (Stefan Hein)

Dezernat 4 – Forst, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Vermessung (Gerd Holzwarth)

Dezernat 5 – Soziales, Jugend und Bildung (Stefanie Böhm)

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Erstellt:
28. August 2019, 16:00 Uhr

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