Mit Highspeed aus der digitalen Steinzeit

Die Bauarbeiten für den Breitbandausbau im interkommunalen Projekt Syna-Trasse Stocksberg haben begonnen. Ab Ende 2021 soll Highspeed-Internet verfügbar sein. Für etliche Teilorte von Spiegelberg und Aspach bricht dann eine neue Zeitrechnung an.

Gemeinsamer Startschuss (von links): Dirk Fieml (tktVivax), Ralf Schilling (Netcom BW), Michael Meyle (Syna), Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff (Aspach), die Bürgermeister Uwe Bossert (Spiegelberg) und Markus Kleemann (Oberstenfeld), Matthias Hermann (Netcom BW), Gerd Holzwarth (Dezernent im Landratsamt Rems-Murr), Michael Rau (Netze BW) und Bürgermeister Patrick Holl (Beilstein). Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Gemeinsamer Startschuss (von links): Dirk Fieml (tktVivax), Ralf Schilling (Netcom BW), Michael Meyle (Syna), Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff (Aspach), die Bürgermeister Uwe Bossert (Spiegelberg) und Markus Kleemann (Oberstenfeld), Matthias Hermann (Netcom BW), Gerd Holzwarth (Dezernent im Landratsamt Rems-Murr), Michael Rau (Netze BW) und Bürgermeister Patrick Holl (Beilstein). Foto: J. Fiedler

Von Nicola Scharpf

SPIEGELBERG/ASPACH. Wenn Wolfgang Schopf große Dateien herunterladen will, steht er früh auf: Morgens zwischen sechs und acht Uhr geht das im Aspacher Teilort Altersberg, der bislang mit LTE internettechnisch versorgt wird, am besten. „Abends mache ich das nicht, da wird es langsam, weil viele Leute gleichzeitig das Internet nutzen wollen“, sagt der SPD-Gemeinderat. Wenn der Sendemast auf dem Vöhrenberg von einem Gewitter betroffen ist, „kann es sein, dass mal zwei, drei Tage nichts läuft“, berichtet er weiter aus dem Online-Alltag der Altersberger. Schopf ist einer von vielen Bürgern in Aspacher, Spiegelberger, Beilsteiner und Oberstenfelder Teilorten, die sich sehr freuen, dass in Sachen Highspeed-Internet „endlich was passiert“.

Gestern haben die Baumaßnahmen für den geförderten Breitbandausbau im interkommunalen Projekt Syna-Trasse Stocksberg mit einem offiziellen Spatenstich in Nassach begonnen. „Wir freuen uns arg und hoffen, dass alles klappt“, sagt der Spiegelberger Gemeinderat Pascal Kircher, der in Nassach lebt. Sein Haus steht direkt neben dem Verteilerkasten, weshalb er auch seither schon Filme auf zwei Geräten gleichzeitig streamen konnte. Andere Bürger im Ort konnten davon seither nur träumen, haben sich mit Funklösungen beholfen. Das Interesse der Bürgerschaft am Thema Breitband sei dementsprechend groß. Die Stimmung bei den Nassachern bewege sich zwischen Bangen und Hoffen, dass es keine Probleme mit dem Anbieterwechsel gibt und der Anschluss an die Datenautobahn zügig folgt.

440 Abnehmer sollen Glasfaseranschlüsse bekommen.

Der sichtbare Anfang ist mit dem Spatenstich nun gemacht. Bis Ende 2021 sollen rund 440 Anschlüsse für private Haushalte, Unternehmen und kommunale Einrichtungen mit Glasfaser versorgt werden. Der Breitbandausbau in den vier Gemeinden erfolgt im Rahmen des Förderprogramms des Bundes, der das Projekt mit gut zwei Millionen Euro bezuschusst, sowie des Landes, das sich mit 1,65 Millionen Euro beteiligt. Die förderfähigen Kosten liegen bei 4,13 Millionen Euro. Bei den vier Gemeinden bleibt ein Eigenanteil von 400000 Euro, den sie anteilig finanzieren.

Bis zum Ende der Ausbauphase sollen alle unterversorgten Privathaushalte Bandbreiten von 300 Mbit pro Sekunde im Download und 60 Mbit/s im Upload erreichen. Gewerbetreibende und öffentliche Einrichtungen sollen mit bis zu einem Gbit/s – im Download und im Upload – versorgt werden. „Das sind Quantensprünge“, sagt Spiegelbergs Bürgermeister Uwe Bossert, der die Federführung für dieses Breitbandprojekt innehat, über den Nutzen für die Bürger. Homelearning in Online-Klassenzimmern während des Coronalockdowns beispielsweise habe in weiten Teilen von Nassach oder Kurzach gar nicht funktioniert. „Das ist eine Maßnahme, die dem ländlichen Raum guttut.“ Schließlich ist der Breitbandanschluss heute ein wichtiges Kriterium bei der Standortwahl. Die Geschwindigkeit entscheidet über Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit – also über die Attraktivität eines Ortes.

Im April vergangenen Jahres haben die Gemeinden mit dem Antragsverfahren zur Breitbandförderung des Bundes begonnen. Ende Mai 2019 erging dann der vorläufige Fördermittelbescheid. Nach der europaweiten Ausschreibung des Gebiets erhielt die Netcom BW im Januar 2020 den Zuschlag. Die Ursprünge der interkommunalen Bemühungen um schnelles Internet reichen laut Bossert viele Jahre zurück: Im Jahr 2011 wurde eine 20kV-Stromleitung zwischen Allmersbach am Weinberg und Stocksberg von der Syna in den Boden verlegt. In diesem Arbeitsschritt wurden damals Leerrohre für Glasfaserkabel vergraben und 2014 von Vodafone mit Glasfaserleitungen bestückt. Der Plan, diese Glasfasertrasse anzuzapfen, wurde gefasst. Die Backnanger Firma TKT Kommunikationstechnik erhielt den Auftrag, die Planungen für die beteiligten Gemeinden auszuarbeiten. Momentan wird die Feinplanung für das Ausbauprojekt fertiggestellt. Das heißt, das Breitbandnetz wird in einzelne Bauabschnitte aufgeteilt, die endgültigen Leitungstrassen werden festgelegt und die dazugehörigen Baugenehmigungen werden eingeholt. Sobald die Planung abgeschlossen ist, werden die Termine der einzelnen Bauabschnitte öffentlich bekannt gegeben. Die 2014 gegründete Netcom BW mit Sitz in Ellwangen übernimmt für die Gemeinden die Planung, den Aufbau und den Betrieb des Telekommunikationsnetzes und wird Eigentümerin des errichteten Netzes.

Die Erschließung der einzelnen Gebiete erfolgt über Glasfaserkabel bis ins Gebäude (FTTB: Fiber to the Building). Für die Nutzer gibt es keine Anschlussgebühr. Mit der Glasfasertechnologie steht den Anwohnern und Unternehmen nach der Fertigstellung des Netzes die derzeit modernste und zukunftsfähigste Infrastruktur zur Verfügung. Zuständig für die Tiefbauarbeiten ist die Partnerfirma der Netcom BW, die Netze BW.

Der Altersberger Wolfgang Schopf hat einen Wunsch: dass das Internet bei ihm daheim funktioniert – „so wie der Fernseher: einfach einschalten“.

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Erstellt:
23. September 2020, 06:00 Uhr

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