Mit Kopfhörern unter dem Sternenhimmel

Mit der Resonanz des Sommernachtskinos sind die Macher zufrieden, auch das Wetter hat noch einmal mitgespielt. Premiere hat das „Silent Kino“ gefeiert, die Spätvorstellungen bei denen aus Rücksicht auf die Anwohner der Ton über Funkkopfhörer kommt.

Die leuchtenden Kopfhörer waren das Highlight der Spätvorstellung.Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Die leuchtenden Kopfhörer waren das Highlight der Spätvorstellung.Foto: J. Fiedler

Von Petra Neumann

Murrhardt. Das ganze Universum des Kinos vor sich und den ganzen Sternenhimmel über sich, so präsentierte sich das zweite „Sommernachtskino“ im Stadtgarten. Veranstaltet wurde dieses Ereignis vom Kommunalen Kino und Vielfalt tut gut. „Wir konnten im letzten Jahr wegen Corona viele Veranstaltungen nicht durchführen, so war die Idee mit dem Sommernachtskino geboren und stieß bei unseren Kinokollegen auf offene Ohren“, erinnerte sich Christian Staita von Vielfalt tut gut.

Als interaktives Moment hatten die Kinofreunde die Möglichkeit im Vorfeld gehabt, ihren Lieblingsfilm für den Donnerstagabend zu wählen. Fast 200 Personen hatten sich daran beteiligt und schließlich machte der Streifen „Und morgen die ganze Welt“ das Rennen. Ebenso konnten die Tickets bereits online gebucht oder im Kinogebäude erworben werden. Je nach Nachfrage wurden die Stühle von den freiwilligen Helfern als persönlicher Service aufgestellt. Doch damit nicht genug.

Zwar wurde es am Abend recht kühl, Regen blieb jedoch aus

Zwei rot angestrahlte Zelte und mehrere grüne und blaue Scheinwerfer, romantisch versteckt zwischen den Bäumen, verwandelten den Stadtpark in einen magischen Ort, wo Kinoträume wahr werden konnten. Die Veranstalter hatten wirklich alles liebevoll hergerichtet und an alles gedacht. Gegen den launischen Wettergott halfen zwei Waffen: Regenkleidung und Strickmode gegen sinkende Nachttemperaturen. Aber manchmal zahlt sich Wagemut aus, denn der Himmel hatte ein Einsehen und verhielt sich ungewohnt zahm.

Mittlerweile schauten die über 70 Anwesenden am Samstagabend gebannt auf die Leinwand. „Hidden Figures“ ist ein auf Tatsachen basierender Spielfilm, der von drei afroamerikanischen Mitarbeiterinnen der Raumfahrtbehörde NASA handelt, die in den 60er-Jahren viele Diskriminierungen einstecken mussten, sich jedoch durchsetzen konnten. „Der Film thematisiert momentan wichtige Themen wie Rassendiskriminierung und Gleichheit der Geschlechter“, erklärte Henrik Jäger vom Kommunalen Kino. Wie bereits am Vorabend wurde auch am Samstag wieder ein zweiter Film gezeigt, der ohne nötiges Equipment für den Außenstehenden wie ein farbiger Stummfilm wirkte. Für den „Silent Movie“ stellte das Kreismedienzentrum Funkkopfhörer, auch Silent-Disco-Kopfhörer, zur Verfügung. Die Besucher bekamen den Ton folglich über diese Hilfsmittel geliefert, damit die Anwohner um den Park ruhig schlafen konnten. „Ich bin dein Mensch“ handelt von einer Zukunftsvision oder dem wahr gewordenen Traum der Frauen vom perfekten Mann, den es in natura nicht gibt und der deswegen nur als humanoider Roboter verwirklicht werden kann. Aber vielleicht ist das beziehungsweise er dann doch zu viel der Perfektion.

Natürlich durften die Kleinen nicht zu kurz kommen. Da die Kinoevents erst nach Schlafenszeit anfangen konnten, wurde am Samstagvormittag ein Stück ganz klassisch im Vorläuferstil des Kinos, nämlich als Theaterinszenierung, im Stadtgarten gezeigt. „Lümmel“ heißt es und handelt von einem Esel, der weder Zweiohrküken ist noch Keinohrhase, sondern ein Dreiohresel. Ja, und wer anders ist, der hat Probleme, aber auch ganz besondere Freunde. Lümmel zum Beispiel trifft die Häsin Lilo und einen Fuchs, die zu ihm halten. Deshalb hat der Autor, Florian Fickel, diese Idee auch schriftlich festgehalten und inszeniert, damit die Kinder erkennen, dass Anderssein nichts Verachtenswertes ist, sondern auch gewinnbringend sein kann. Mit 68 verkauften Karten war dieser Programmpunkt ein weiterer Hit. Noch immer herrscht hierzulande die Queenmania, sodass der Freitagsfilm „Bohemian Rhapsody“ ganze 90 Leute in seinen Bann zog. Manche von ihnen waren so angetan, dass sie sich spontan den skandinavischen Mitternachtsfilm „Der Rausch“ als Betthupferl reinzogen.

Alles in allem sind die Veranstalter zufrieden mit der Resonanz der Zuschauer, die sich 2022 wieder auf lange Sommernachtskino-Nächte freuen dürfen.

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Erstellt:
2. August 2021, 06:00 Uhr

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