Mit Leidenschaft in der Backstube

Die Handwerkskammer Region Stuttgart belohnt jedes Jahr Topausbildungsbetriebe. Für ihr vorbildliches Engagement erhalten im Rems-Murr-Kreis die Inhaber des Café Weller in Backnang den Ausbildungspreis 2020. Zusätzlich gibt’s einen E-Smart für ein Jahr.

Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart (links), übergab gestern nicht nur den Ausbildungspreis 2020 an Michael Weller (Mitte) und seinen Sohn David, sondern auch einen nagelneuen E-Smart, den die Auszubildenden ein Jahr lang fahren dürfen. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart (links), übergab gestern nicht nur den Ausbildungspreis 2020 an Michael Weller (Mitte) und seinen Sohn David, sondern auch einen nagelneuen E-Smart, den die Auszubildenden ein Jahr lang fahren dürfen. Foto: J. Fiedler

Von Florian Muhl

BACKNANG. Soweit sie zurückdenken kann, hat sich Franziska Grimmer für Lebensmittel interessiert, besonders für die süßen. Als Kind hatte sie stets ihrer Oma beim Kuchenbacken geholfen, hat den Teig umgerührt und die Schaber abgeschleckt. „Als gebürtige Backnangerin kannte ich natürlich das Café Weller. Mit großer Begeisterung hab ich in die Schaufenster geschaut und die tollen Torten bewundert. Da war für mich schon klar, dass ich das später auch machen will“, sagt Grimmer.

Heute ist die 19-Jährige eine von fünf Auszubildenden beim Café Weller. Drei erlernen den Beruf des Konditors, zwei wollen Konditorfachverkäufer beziehungsweise -verkäuferin werden. Im Rahmen des Ausbildungsforums an der Mörikeschule hatte Franziska Grimmer den Café-Chef Michael Weller angesprochen. Diesem ersten Kontakt folgte ein Praktikum, das die junge Schülerin in ihrem Entschluss bestärkte, das Konditorenhandwerk zu erlernen. Dass sie nach der Schulzeit doch noch ein Jahr auf den Ausbildungsplatz warten musste, hat sie nie bereut. „Ich bin wirklich glücklich, weil hier alles noch von Hand gemacht wird. Der Familienbetrieb ist sehr vielseitig und die Ausbildung ebenso.“

„Gerade das Familiäre gefällt mir hier sehr gut, und dass so viel handwerklich gearbeitet wird.“

Ebenso 19 Jahre alt und im dritten Lehrjahr ist Laura Cieslik. Allerdings hatte sie nach einem halben Jahr in einem anderen Ausbildungsbetrieb gemerkt, dass ihr der Beruf des Konditors nicht so sehr lag. „Das frühe Aufstehen – um 4 Uhr ging’s los – war nicht so mein Ding“, bekennt die Unterweissacherin. Bei Weller geht’s in der Backstube für die Konditoren erst um 6 Uhr los. Aber Laura Cieslik fühlt sich im Verkauf wohler, so lässt sie sich jetzt zur Konditorfachverkäuferin ausbilden. Verloren hat sie durch den Wechsel keine Zeit, weil das erste Lehrjahr in den beiden Ausbildungsberufen identisch ist.

Dritter im Bunde der Azubis, die gestern zur Feierstunde anwesend waren, ist Konditorlehrling Luca Danner. Der 17-Jährige hat jetzt erst begonnen, ist gerade mal vier Wochen dabei, ist sich aber sicher, dass der Ausbildungsbetrieb seine richtige Wahl war. Denn er hatte während seines Praktikums nicht nur im Café Weller hineingeschnuppert, sondern auch in einen viel größeren Betrieb. „Der kam für mich gar nicht infrage. Gerade das Familiäre gefällt mir hier sehr gut, und dass so viel handwerklich gearbeitet wird.“ Auch der Sulzbacher hat für den Ausbildungsplatz ein Jahr warten müssen, hat ein Jahr lang gekellnert, was der 17-Jährige keineswegs bereut.

So zufrieden die Lehrlinge mit ihrem Ausbildungsbetrieb sind, so zufrieden sind auch die Café-Inhaber Michael Weller (53) und sein Sohn David mit ihren Nachwuchszuckerbäckern. Der 29-jährige David Weller wird im November den Betrieb übernehmen. „Ich bin mit Herzblut dabei. Ich lebe den Beruf mit Spaß und mit Leidenschaft. Und das versuche ich an unsere Auszubildenden weiterzugeben. Besonders der Spaß bei der Arbeit ist sehr wichtig. Bei uns in der Backstube ist’s nie ernst“, sagt der Bäcker- und Konditormeister. Allerdings erwarten die beiden Chefs von ihren Schützlingen auch, dass sie beispielsweise pünktlich sind und sich mit ihren Ideen und ihrer Kreativität auch im Betrieb einbringen. Aber diesbezüglich können sich Vater und Sohn nicht beklagen.

Dass der Familienbetrieb Weller zu den Topausbildungsbetrieben in der Region Stuttgart zählt, „war für uns nach Durchsicht der Bewerbungsunterlagen rasch klar“, sagte gestern Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, bei der Übergabe des Ausbildungspreises 2020. An der kleinen Feier des im Umbau befindlichen Cafés im 1. Stock nahmen vier Weller-Generationen teil, Seniorchef Dieter Weller (80) mit seiner Frau Marta (84), deren Sohn Michael Weller (53) mit seiner Frau Sibylle (54), deren Sohn David (29) mit Ehefrau Melanie (24) sowie deren Söhne Daniel (2) und Finn (fast sechs Monate). Verbunden mit dem Preis ist die Übergabe eines nagelneuen E-Smart an die Azubis im Betrieb. „Mit der Maßnahme wollen wir den unermüdlichen und erfolgreichen Einsatz der Betriebe für einen Berufseinstieg belohnen und zusätzlich ein sichtbares Zeichen auf der Straße setzen“, sagte Hoefling. Während der Kammer-Geschäftsführer die Schlüssel an die beiden Café-Inhaber übergab, in der Hoffnung, dass die Auszubildenden den Elektroflitzer kräftig nutzen werden, sagte er: „Nachwuchsgewinnung ist der Schlüssel für die Zukunft unserer Branche. Gerade jetzt in schwierigen Zeiten gilt es, jungen Menschen einen Einstieg in den Beruf und eine Chance auf die Karriereleiter im Handwerk zu geben.“ – „Wir sind froh und dankbar, dass wir einen so tollen Betrieb in der Stadt haben“, sagte Erster Bürgermeister Siegfried Janocha. Und weiter: „Eine gute Ausbildung ist das Wichtigste, was es gibt. Das sollten wir auch in Coronazeiten beibehalten.“

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Erstellt:
24. September 2020, 06:00 Uhr

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