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Mit Schnüffelnase auf Rauschgiftsuche

Menschen bei der Polizei (10 und Schluss): Aquilla ist die treue Partnerin von Claudia Dieth bei der Polizeihundeführerstaffel

Ein Zeichen von Claudia Dieth und Aquilla weiß: Jetzt hat sie einen Arbeitseinsatz. Die Hündin ist hoch konzentriert und hat ihr sensibles Näschen schnell aktiviert. Was verspielt aussieht, hat einen ernsten Hintergrund. Irgendwo sind Drogen versteckt. Diese Situation soll der Realität nahekommen, ist jedoch nur eine Übung. Die zehnjährige Aquilla ist ein Polizeihund und arbeitet mit ihrem Frauchen bei der Polizeihundeführerstaffel am Standort Schorndorf.

Aquilla verharrt am Stuhl: Sie signalisiert Claudia Dieth, dass sie etwas gefunden hat. Wie sich anschließend herausstellt, ist in der Armstütze Rauschgift versteckt. Fotos: Y. Weirauch/Polizei Aalen

Aquilla verharrt am Stuhl: Sie signalisiert Claudia Dieth, dass sie etwas gefunden hat. Wie sich anschließend herausstellt, ist in der Armstütze Rauschgift versteckt. Fotos: Y. Weirauch/Polizei Aalen

Von Yvonne Weirauch

SCHORNDORF/BACKNANG.Sie rennt aufgeregt von einer Schreibtischkante zur anderen. Beschnuppert den Stuhl, sprintet zur Wand und wieder zurück zum Stuhl. Ein kurzer zögernder Blick, hektisches Schnaufen und schnelles Schnüffeln. Plötzlich verharrt Aquilla, steht starr vor der Armlehne des Stuhls, das Schnaufen ist nicht mehr zu hören. Jetzt weiß Claudia Dieth: Ihre Hündin hat etwas entdeckt. Und ja – in der Armlehne steckt ein Tütchen mit Rauschgift.

Die Hündin wird gelobt und sofort gibt es eine Spieleinlage mit dem Frauchen. „Das ist wichtig, so zu trainieren. Der Hund darf sein Ziel nicht aus den Augen verlieren, muss aber auch wissen, dass ihn nach der Suche etwas Tolles erwartet.“ Claudia Dieth ist seit 1993 bei der Polizei und kam 2009 zur Hundeführerstaffel. „Da wollte ich auf alle Fälle hin. Und als sich die Möglichkeit ergab, habe ich sie sofort wahrgenommen“, sagt die gelernte Bankkauffrau. Gemeinsam mit Aquilla hat die 48-Jährige etliche Einsätze bestritten. „Wir haben viele Extremsituationen durchgemacht und gehen durch dick und dünn“, sagt Dieth. Verletzt wurde glücklicherweise noch nie eine von den beiden. Aquilla ist ein Rauschgiftspürhund. Aber nicht nur für die Drogen- und Spurensuche sind die Hunde der Hundeführerstaffel geeignet, manchmal wirken sie einfach auch nur deeskalierend.

Als Schutzhund ausgebildet sind oder werden alle Vierbeiner. Als solcher sorgen sie für die Sicherheit der Bürger und Kollegen. Dieth: „Die Hundeführerstaffel versteht sich als Servicedienststelle für unsere Kollegen.“ Man unterstütze alle Kollegen (den Schichtdienst), wo es nötig ist, und unterstütze die Beamten im Einsatz, etwa bei der Durchsuchung von Räumen oder Personen. Einsätze seien vielfältig, oft sei man auch bei Demonstrationen und Fußballspielen unterwegs. Beispielsweise bei einem Fußballspiel im Fautenhau: SG Sonnenhof Großaspach gegen Hansa Rostock vor einigen Jahren. „Da ging es heiß her und wir waren ebenfalls vor Ort“, erinnert sich Dieth. Zum Schutz der Kollegen kam auch Aquilla zum Einsatz.

Allein durch ihre Präsenz würden die Hunde für Schutz sorgen. Sie wissen im Einsatz genau, worauf es ankommt. Solange sich ein Verdächtiger nicht bewegt, bellen sie nur. „Aber oft reicht das schon aus, um Eindruck zu schinden, und man hat die Lage im Griff.“ Die Polizistin weiter: Greife der Täter allerdings an oder flüchte, werde auf Kommando zugebissen. Die Hunde wirken einschüchternd, bringen aber auch in bestimmte Situationen Ruhe hinein, sagt Dieth und denkt etwa an die aufgeheizte Stimmung nach einer Schlägerei oder Streiterei.

Ein Polizeihund muss unerschrocken sein

Seit Anfang des Jahres hat Claudia Dieth einen zweiten Hund: Ginyah. Als Welpen hat die Polizeihauptkommissarin die Malinois-Hündin zu sich geholt, den Gesundheits- und Wesenscheck hat sie bereits bestanden. Ob sie zum Polizeihund taugt und das Zeug zur Kommissarin auf vier Pfoten mitbringt, wird sich demnächst zeigen. Ein Polizeihund müsse nicht nur kerngesund sein, sondern auch unerschrocken durchs Leben gehen. „Lärm oder Dunkelheit darf ihn nicht beeindrucken. Wenn der Hund zum Beispiel auf einem glatten Boden ausrutscht, darf er sich nicht davon abschrecken lassen, oder darf nicht vor spitzem Stein oder Geröll als Unterlage erschrecken“, erklärt Dieth. Nicht jede Rasse eigne sich als Polizeihund. „Ich sage immer, ein Polizeihund muss ein Zehnkämpfer sein.“ Als Einsatzhunde seien Belgische, aber auch Deutsche Schäferhunde beliebt. „Ein Labrador ist beispielsweise super im Fährtensuchen, aber er würde nie auf Kommando beispielsweise einen flüchtigen Straftäter beißen.“

Hauptsächlich gehören zur Einsatzmannschaft der Schorndorfer Staffel Belgische Schäferhunde, daneben seien auch zwei Riesenschnauzer, drei Deutsche Schäferhunde und zwei Hollands-Herder-Malinois-Mischlinge im Einsatz. Hund und Hundeführer seien eine Arbeitsgemeinschaft. „Der Hund ist ein weiteres Einsatzmittel, das uns zur Verfügung steht“, so die Polizistin. Dennoch verstehen sich Hund und Mensch in diesem Fall als ein starkes Team. Das funktioniert noch intensiver, wenn Hund und Mensch zusammenleben. So auch hier: Wenn die Arbeit beendet ist, geht es nach Dienstschluss für Aquilla mit Frauchen nach Hause. Ginyah lebt ebenfalls im Hause Dieth. Die Hunde gehören aber dem Polizeipräsidium. Claudia Dieth wurden die Hunde nur per Vertrag überlassen. Jeden Monat bekommt die Hundeführerin für Aquilla und Ginyah eine finanzielle Unterstützung, um unter anderem für das Futter aufzukommen. Ansonsten sind die Hunde „ganz normal in die Familie integriert, nur dass sie vielleicht das eine oder andere Training mehr haben“. Ginyah ist schon mitten im Training. „Loben und Leckerli gehören dazu“, sagt Claudia Dieth lachend. Konditionierung führt dazu, dass die Hündin so lange sucht, bis sie das gewünschte Ziel erreicht hat. „In der Ausbildung wird beispielsweise mit Drogen geübt, sodass der Hund schnell den Geruch abspeichern kann und dann auf Kommando aufspürt.“

Etwa 18 Monate dauert es, bis die Ausbildung zum Schutz- und Spezialhund abgeschlossen ist. Damit die Vierbeiner fit bleiben, müssen sie regelmäßig einmal in der Woche zum offiziellen Training in der Hundestaffel anrücken. Einmal im Jahr legen Mensch und Tier zudem eine Prüfung ab. Hat so ein Polizeihund auch mal Ferien? Als Urlaub würde es Claudia Dieth nicht bezeichnen, denn Training muss immer sein: „Nennen wir es Auszeit oder Ruhephase. Die Hunde dürfen sich im Garten oder im Wohnzimmer entspannen und viel schlafen. Das ist wie Urlaub.“

Die Schorndorfer Polizeihundeführerstaffel Info Die Polizeihundeführerstaffel des PP Aalen ist mit 16 Hundeführern vor Ort und hat weitere sechs Hundeführer in der Außenstelle Kirchberg an der Jagst. Sie ist für das ganze Polizeipräsidium Aalen, den Rems-Murr-Kreis, den Ostalbkreis und Schwäbisch Hall zuständig. Alle Tiere haben eine duale Ausbildung genossen. Jeder Hund kann folglich aufgrund dieser Doppelausbildung als Schutzhund beziehungsweise zur Tätersuche eingesetzt werden. Alle aber wurden zusätzlich noch speziell etwa als Leichen- und Blutspürhund, zur Drogen- oder Waffensuche oder zu Brandermittlungszwecken ausgebildet. Die Hunde, meist Deutsche oder Belgische Schäferhunde, absolvieren nach 18 Monaten Ausbildung ihre erste Prüfung. Ständige Wiederholungen der Trainingsinhalte sind ebenso obligatorisch wie jährliche Prüfungen.
Im März hat Claudia Dieth den Welpen Ginyah zu sich geholt. Mittlerweile ist die Hündin gewachsen und muss bald ihre Prüfung ablegen.

© Polizei

Im März hat Claudia Dieth den Welpen Ginyah zu sich geholt. Mittlerweile ist die Hündin gewachsen und muss bald ihre Prüfung ablegen.

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Erstellt:
8. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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