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Mit Wärme gegen Krebs

Hyperthermie kann die Behandlung bestimmter Tumorerkrankungen ergänzen – Experten dämpfen aber überzogene Erwartungen

Erlangen/Heidelberg Krebs mit Wärme bekämpfen? Das klingt nach einer wirksamen, sanften Therapie. Krebszellen gelten nämlich als besonders hitzeempfindlich. „Manche Patienten hoffen, dass sie dadurch eine Chemotherapie vermeiden können“, sagt Lars Lindner, Onkologe am Klinikum der Universität München. Doch bislang empfehlen Experten die Überwärmung nur bei bestimmten Krebserkrankungen, etwa bösartigen Weichteilsarkomen – kombiniert mit anderen Therapien. Ob das Verfahren in der Krebstherapie ausgebaut werden kann, sollen nun mehrere klinische Studien zeigen.

Noch weiß man relativ wenig darüber, bei welchen Krebsarten und in welcher Kombination Hyperthermie erfolgversprechend ist, sagt Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). „Bis auf wenige Ausnahmen ist Hyperthermie kein Standardverfahren.“

Kompliziert wird die Sache auch dadurch, dass es ganz unterschiedliche Hyperthermie-Verfahren gibt. Am etabliertesten sind die lokale sowie die regionale Hyperthermie: Das Gewebe des Tumors wird mit verschiedenen Methoden auf bis zu 43 Grad Celsius erhitzt. „Die lokale Erwärmung führt zu einer besseren Durchblutung, so dass die Medikamente besser aufgenommen werden“, sagt der Onkologe Lindner. „Außerdem gibt es bestimmte Chemotherapeutika, die bei höheren Temperaturen aggressiver wirken.“ Auch eine Strahlentherapie kann so unterstützt werden: Aufgrund der Hitzeeinwirkung werden die DNA-Schäden an den Krebszellen schlechter repariert.

Zudem stimuliert Wärme die körpereigenen Abwehrkräfte. „Man kann davon ausgehen, dass durch die Überhitzung verschiedene immunologische Effekte ausgelöst werden“, sagt Rainer Fietkau, Direktor der Strahlenklinik des Uniklinikums Erlangen.

Es gibt mehrere Studien, die die Wirksamkeit einer ergänzenden regionalen Hyperthermie bei bestimmten Krebsarten belegen. Zum Beispiel zeigte eine randomisierte Studie der Uni München, dass Patienten mit einem bösartigen, fortgeschrittenen Weichteilsarkom von einer Therapiekombination – Operation, Chemo- und Strahlentherapie, Hyperthermie – profitieren. Gegenüber den Patienten, die nur eine Chemotherapie bekommen hatten, hatten sie einen „eindeutigen Behandlungsvorteil“: Die Tumore verkleinerten sich und die Überlebenschancen waren besser. Daneben setzen Onkologen das Verfahren aber auch bei anderen Krebserkrankungen ein, zum Beispiel in bestimmten Fällen von fortgeschrittenem Blasen-, Anal-, Brust-, Gebärmutterhals- und Prostatakrebs sowie bei malignem Melanom (schwarzer Hautkrebs). Außerdem läuft derzeit eine Studie zu Bauchspeicheldrüsenkrebs: Dabei erhalten Patienten nach einer Operation zusätzlich zu einer Chemotherapie eine regionale Tiefenhyperthermie.

Größere Risiken und Nebenwirkungen hat dieses Verfahren nicht. „Für die Patienten ist das eine anstrengende Zeit, manche haben auch Schmerzen“, sagt Fietkau. Auch für den Kreislauf bedeutet die Überwärmung eine Belastung. Daher bleiben die Patienten in Erlangen noch eine Nacht zur Beobachtung in der Klinik. Die Behandlung wird bis zu 16-mal wiederholt.

Die Kosten für eine Hyperthermie werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht generell übernommen. Daher sollten Patienten vor einer Behandlung klären, ob die Versicherung dafür aufkommt. Experten raten, genau zu prüfen, ob die Therapie sinnvoll und der Anbieter seriös ist. Helfen können dabei zum Beispiel das Deutsche Krebsforschungszentrum oder die Deutsche Krebshilfe. „Bei Selbstzahler-Leistungen ist große Vorsicht geboten“, sagt Susanne Weg-Remers. Auch der Strahlenexperte Fietkau warnt: „Es gibt Institutionen, die Hyperthermie irgendwie anwenden, ohne Qualitätskriterien zu beachten.“ Zum Beispiel werde dort die Temperatur nicht gründlich kontrolliert, so dass mitunter auch gesundes Gewebe geschädigt wird. „Solche Anbieter haben das Verfahren in Verruf gebracht.“

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Erstellt:
29. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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