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Mitarbeiter der Schweizer Group bangen

Unternehmen meldet Insolvenz an: Standort Murrhardt bleibt zunächst erhalten – Werk Hattenhofen am stärksten betroffen

Von Yvonne Weirauch

MURRHARDT. Die Schweizer Group hat sich aufgrund eines starken Absatzrückganges in der zweiten Jahreshälfte gezwungen gesehen, beim zuständigen Amtsgericht Göppingen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Das teilte die Firma in einer Stellungnahme mit. Der Standort Murrhardt bleibt zunächst erhalten. Nach Angaben der Südwestpresse droht nächstes Jahr erneut ein Personalabbau. Bei der Schweizer Group mit Hauptsitz in Hattenhofen gab’s in der letzten Zeit einen Abbau von etwa 100 Beschäftigten, weil sich der Automobilzulieferer neu ausrichtete. Jetzt sei die Firma wieder in schwerem Fahrwasser: „Seit Sommer hatte das Unternehmen einen drastischen Absatzrückgang von über 25 Prozent zu verzeichnen“, sagt Geschäftsführer Roger Breu.

Die Schweizer Group GmbH&Co. KG, Hersteller von Aluminiumdruckgusskomponenten für die Automobilindustrie, hat sich deshalb in der zweiten Jahreshälfte gezwungen gesehen, Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zu stellen. Laut Breu habe das Amtsgericht Martin Mucha, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Grub Brugger aus Stuttgart, zum vorläufigen Sachwalter ernannt.

Die Unternehmensgruppe beschäftigt aktuell etwa 900 Mitarbeiter, davon rund 120 am Standort Murrhardt. In der ersten Jahreshälfte konnte noch ein über Plan liegender Umsatz verbucht werden. Breu nennt die Ursachen für den Einbruch: der Absatzrückgang von Dieselfahrzeugen und die im Zusammenhang mit dem weltweiten Fahrzeugtestzyklus WLTP zusammenhängenden Produktionsrückgänge bei den deutschen OEM. Die Unterauslastung habe entsprechend negative Ergebnisse zur Folge gehabt.

Geschäftsbetrieb wird ohne Unterbrechung fortgeführt

Betroffen vom Insolvenzantrag sind die Schweizer Group GmbH&Co. KG als Holding mit ihren Tochtergesellschaften in Deutschland, der Schweizer Group Hattenhofen GmbH&Co. KG, Schweizer Group Murrhardt GmbH, Schweizer Group Roding GmbH und Schweizer Group Plauen GmbH. Betont wird seitens der Geschäftsleitung aber, dass der Geschäftsbetrieb ohne Unterbrechung fortgeführt werde, parallel werde an einer Lösung für eine Sanierung der Gruppe gearbeitet. Die ausländischen Gesellschaften in Tschechien und China sowie die Beteiligung in der Türkei seien nicht von der Insolvenz betroffen. Was aber bedrohend im Raum stehe, sei der Personalabbau. Was die Firma brauche, ist ein Investor. Breu glaubt, dass man ihn findet. Denn: „Die Probleme sind nicht bei uns im Haus. Es ist nicht die Produktqualität und die Produktivität.“

Noch Mitte des Jahres sei die Schweizer Group gut im Plan gelegen. Sogar etwas darüber, sagt Breu. In Hattenhofen geht der Hersteller von Aluminiumdruckgusskomponenten neue Wege: Er rüstet vom Druckguss kleinerer Teile auf große um, er geht auf ganze Komponenten im Automobilbau, für die man größere und stärkere Pressen braucht. Mit dieser Umstellung wurde im Vorjahr der Abbau von etwa 100 Beschäftigten begründet. Und mit dem Umstand, dass das Werk rote Zahlen schrieb. Die Schweizer Group machte kein Geheimnis daraus, dass man es mit Gewinnen an anderen Standorten über Wasser halten musste.

Aber noch sei die Umstellung im Gang, es seien auch weitere interessante Projekte in Planung, sagt Geschäftsführer Breu. Dafür brauche man Geld, im nächsten Jahr und darüber hinaus. Das fehle jetzt, und es fehle auch Geld für den Personalabbau, in Form von Abfindungen. Beides, sagt Breu, „können wir nicht bezahlen“. Deswegen habe man einen Insolvenzantrag gestellt. Wie viele Arbeitsplätze wegfallen sollen, wagt Breu noch nicht mitzuteilen. Er spricht von einem größeren Einschnitt im Werk Hattenhofen.

Für Gewerkschafter sei diese Nachricht der Insolvenz eine Katastrophe, so der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Göppingen/Geislingen, Martin Purschke. Zumal es erst im vergangenen Jahr einen umfangreichen Personalabbau in Hattenhofen gegeben hatte, um den Standort zu sichern. Zudem kritisiert der Gewerkschafter, dass die Schweizer Group eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchführe.

In Murrhardt ist die Stimmung bei den Mitarbeitern teilweise gedrückt. Zwar laufe die Produktion weiter, dennoch sind die Mitarbeiter verunsichert. Bürgermeister Armin Mößner würde eine Schließung des Standorts in Murrhardt mehr als nur bedauern: „Die Schweizer Group ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Stadt Murrhardt sowie ein traditionsreicher Betrieb. Ich hoffe und wünsche, dass eine Lösung gefunden wird und dass es am Standort Murrhardt, auch im Interesse der Mitarbeiter, weitergeht.“

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Erstellt:
8. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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