Montagmittag und die Stadt ist leer

Am ersten Tag des sogenannten Lockdown Light ist die Veränderung in der Backnanger Innenstadt deutlich zu erkennen. Die wenigen verbliebenen Arbeitnehmer verbringen ihre Mittagspause im freien, Restaurants bieten Mittagstisch zum abholen an.

Mittagspause am Montag und die Innenstadt ist leer. Am ersten Tag des zweiten Lockdowns sind nur wenige Menschen unterwegs, zum Teil trifft man keine Menschenseele. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Mittagspause am Montag und die Innenstadt ist leer. Am ersten Tag des zweiten Lockdowns sind nur wenige Menschen unterwegs, zum Teil trifft man keine Menschenseele. Foto: A. Becher

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Kaum jemand ist in der Backnanger Innenstadt zu sehen – und das Montagmittags um 12.40 Uhr. Tische vor Cafés und Restaurants sind verschwunden, Türen geschlossen. Manche Restaurants haben ihren Gästen noch einen Schriftzug dagelassen, bevor sie in die Zwangspause geschickt wurden. „Wir gehen in eine ungewisse Zeit“, steht auf dem einen Schild, „wir hoffen auf baldiges Wiedersehen“, auf einem anderen. Hin und wieder steht auch ein Schild mit „nur take out“ vor einem Imbissladen.

Einzig am Murrufer sitzen vereinzelt Menschen, die Bäckertüte in der einen Hand, den Coffe-to-go-Becher in der anderen. So zum Beispiel Timo Baller und Miriam Kabitzke. Sie arbeiten bei Tesat, gehen aber eigentlich mittags immer auswärts essen. Das wollen sie beibehalten, auch wenn man sich jetzt das Essen nur noch mitnehmen kann. „Ehrlich gesagt würde ich mich momentan ohnehin nur ungern irgendwo reinsetzen“, sagt Baller. Außerdem sei alles ja ganz gut strukturiert und solange es weiterhin die Möglichkeiten gibt, das Mittagessen einfach abzuholen, werde er das tun. Wenn es im Winter kalt wird, werden sie sich zwar nicht mehr ans Murrufer setzen, „aber wir können das auch mit ins Büro nehmen und dort essen“, sagt Kabitzke.

Aber nicht alle Restaurants bieten ihre Speisen zum Abholen an. Die Trattoria Pane e Vino da Nonna Lucia hat zunächst komplett geschlossen. „Wir müssen erst einmal schauen, ob es überhaupt Interesse am Abholservice gibt“, sagt Besitzer Angelo Solimine. „Sonst kaufen wir frische Waren und müssen sie wegwerfen.“ Doch selbst wenn in den nächsten Tagen genug Leute anrufen, ist er nicht sicher, ob das Abholen zu seinem Restaurant passt. „Unser Konzept ist es, jeden Tag frische Ware zu verarbeiten. Wir wollen nicht, dass die Kunden dann enttäuscht sind, wenn sie Essen abholen, es vielleicht noch in der Mikro aufwärmen und es dann nicht so schmeckt, wie im Restaurant. Das ist einfach nicht das gleiche.“

Wie schlimm für Gastronomie wird, hängt von der Lockdowndauer ab.

Beim Griechischen Schwabe dagegen gibt es wie immer das Essen zum Mitnehmen. Eigentlich ist der Imbiss vor allem mittags gut besucht, wenn sich die Arbeitnehmer in der Stadt ihr Mittagessen bei Christos Grigoradis holen, je kälter es wird, desto mehr Kunden zieht es für gewöhnlich nach drinnen. Jetzt verstellen Hocker den Zugang zum Gastraum, die Bierzelttische und Bänke, die eigentlich vor der Tür aufgebaut sind, stehen mitten im Raum. Das Abholen sei zwar relativ gut angelaufen, doch ein großes Problem bleibe: „Die Getränke fallen komplett weg, das ist schon sehr schwer für alle Gastrobetriebe.“ Normalerweise kann er innen 35 Leute unterbringen, draußen noch mal 50. An diese Zahlen kommt er trotz Abholmöglichkeit lange nicht heran. „Es ist deutlich weniger los. Wer kann, so scheint es, arbeitet von zu Hause aus, einige Geschäfte haben wegen der Verordnungen komplett geschlossen. Auch in der Innenstadt scheint fast niemand unterwegs zu sein.“

Durch den ersten Lockdown im Frühjahr sei der Griechische Schwabe noch ganz gut gekommen, der lange Sommer und gut besuchte Außengastronomie habe hier sehr geholfen. Wie es beim zweiten Lockdown nun wird, kann er schwer einschätzen. „Wir wussten jetzt zumindest, was auf uns zukommt und worauf man sich einlassen muss“, so Grigoradis. „Es geht schon irgendwie, solange es nicht schlimmer wird, als im Frühjahr.“ Schlimmer wird es dann, wenn der Lockdown länger andauert und wenn das Wetter schlechter wird. Bereits jetzt merke er, dass durch das nasse Herbstwetter viel weniger Laufkundschaft am Fenster bestellt. „Und außerdem wirkt sich der Lockdown auf die Kaufkraft der Leute aus. Je länger der anhält, desto schlimmer wird es.“

Einer seiner Stammkunden zumindest hat sich sein Essen am ersten Tag des Lockdowns abgeholt und mit an die Murr genommen. Auf der Mauer am Ufer sitzend verbringt er nun seine Mittagspause. „Eigentlich sitze ich immer drinnen. Es wäre natürlich angenehmer im Trockenen zu sitzen, aber das funktioniert im Moment eben einfach nicht.“ Er ist froh, dass man Essen weiterhin zumindest abholen kann. Es gebe zwar die Möglichkeit, auf seiner Arbeit die Kantine zu nutzen, doch er geht lieber außerhalb essen.

Wie viele so denken hat auch Taki Kiroglou vom Restaurant Merlin überrascht. Für ihn war klar, dass er weiterhin Essen anbieten will. Vor allem, damit er und seine Angestellten eine Beschäftigung haben. Etwa 30 Essen wurden am ersten Tag des Lockdowns bei ihm abgeholt, lange nicht so viel wie normal, aber doch mehr als erwartet. Die Nachricht, dass Restaurants erneut schließen müssen, habe ihn zunächst deprimiert, besonders weil sich zumindest in Backnang alle Restaurants um Hygienekonzepte bemüht haben. „Es waren eher kleinere Bars, wo die Leute zu eng zusammen saßen.“ Für den erneuten Lockdown bietet er – wie schon im Frühling – weiterhin den Mittagstisch to go an. Zusätzlich gibt es nun noch eine zweite Corona-Abholkarte mit günstigeren Preisen. Er wisse schließlich, dass viele nun finanzielle Probleme bekommen. „Wir wollen unseren Gästen da einfach entgegenkommen und sie dazu animieren, im Merlin zu bestellen.“ Die Unterstützung vom Staat sei bei diesem Lockdown ein wichtiger Faktor. Insgesamt sehe er diesem dadurch etwas lockerer entgegen als dem im Frühjahr. „Wenn er aber nach den vier Wochen nicht endet, wird es schwieriger.“

Anders hält es Eduardo Damico vom Restaurant Rössle in Heiningen. Er wird die vier Wochen vermutlich zu seiner Familie nach Italien fahren. „Das ist dann eben erzwungener Urlaub“, sagt er. Als Gastronom habe er im Normalbetrieb ohnehin kaum frei, ständig müsse man etwas aufräumen oder etwas anderes vorbereiten. „Wenn wir schon komplett schließen müssen, dann kann ich das auch nutzen.“ Sollte der Lockdown Ende November noch mal verlängert werden, würde er vermutlich sogar noch länger in Italien bleiben, so der Gastronom. Der Abholservice im Rössle laufe aber trotzdem wie gewohnt weiter.

Aktuelle Fallzahlen im Kreis

Die Gesamtzahl der Corona-Infektionen im Rems-Murr-Kreis ist auf 3778 gestiegen. Zum Vortag sind also 73 Neuinfektionen dazugekommen. Damit liegt die Inzidenz pro 100000 Einwohner bei 122,2. Der Kreis liegt damit leicht über dem deutschen Durchschnitt.

27 Corona-Patienten befinden sich momentan in stationärer Behandlung in den Rems-Murr-Kliniken, fünf davon werden beatmet. Als genesen gelten im Moment 3118 Personen, in Quarantäne befinden sich aktuell also noch 559 Menschen.

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Erstellt:
3. November 2020, 06:00 Uhr

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