Epstein-Akten
Moralische Bankrotterklärung
Die bisher letzte Tranche aus dem Fundus an sechs Millionen Jeffrey Epstein Dokumenten wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet, kommentiert Thomas Spang.
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Jeffrey Epstein verfügte über ein Netzwerk, dessen Dimensionen noch immer unabsehbar sind.
Von Thomas Spang
Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat noch lange Zeit nach seiner Verurteilung einen hohen gesellschaftlichen Status genossen. Wie konnte das sein? Wer hat ihn geschützt? Warum ist bisher nur seine Komplizin Ghislaine Maxwell zur Rechenschaft gezogen worden? Was ist mit den anderen, die Minderjährige sexuell ausbeuteten? Oder wegschauten? Die Epstein-Dokumente offenbaren Einblicke in eine verrottete Elite, die offenbar keine Scham im Umgang mit diesem Verbrecher kannte.
Dass Donald Trump, seine Frau Melania und der Mar-a-Lago-Club 38 000 Mal in den Akten erwähnt werden, geht in der Masse der drei Millionen Dokumente fast unter. Der Präsident profitiert davon, dass andere im Moment Schlagzeilen machen. Doch was ist mit den anderen drei Millionen Dokumenten, die unter Verschluss blieben, obwohl ein Gesetz ihre Veröffentlichung bereits vor sechs Wochen verlangt hatte? Versucht das von Trump kontrollierte Justizministerium Missetaten im großen Stil zu vertuschen?
Es wird höchste Zeit, dass alle Akten veröffentlicht werden. Danach muss gründlich aufgearbeitet werden, gesellschaftlich und auch durch die Justiz. Ob die US-Demokratie dann die Kraft dazu hat, darf bezweifelt werden. Das Epstein-Netz umspannt das Who-is-Who der gesellschaftlichen Elite und nährt den Verdacht, dass für Privilegierte andere Regeln gelten. Diese Akten sind eine moralische Bankrotterklärung.
